
DortmundWenn sich beim Blick aus dem Fenster nur graue Eiseskälte zeigt, ist der Traum von einem eigenen Ferienhaus im warmen Süden besonders verlockend. Angesichts der Finanzkrise, die Länder wie Spanien und Portugal besonders hart getroffen hat, macht sich so mancher Immobilienanleger große Hoffnungen auf ein Schnäppchen. Doch wie ist die Lage in den Feriengebieten tatsächlich?
Durchwachsen, so die einhellige Meinung der Makler vor Ort. Einerseits lassen sich örtlich durchaus Preisabschläge von bis zu 60 Prozent heraushandeln, vor allem in Spanien: Seit der dortige Markt 2007 seinen Höchststand erreichte, sind die durchschnittlichen Kaufpreise um 24 Prozent zurückgegangen, berichtet die Nachrichtenagentur Reuters. Experten rechnen damit, dass sich das Minus bis 2017 auf 35 bis 40 Prozent erhöhen wird.
„Es handelt sich hier eindeutig um einen Käufermarkt, als Investor kann man derzeit gut verhandeln“, sagt Peter Schöllhorn, Vorstand der Deutschen Schutzvereinigung Auslandsimmobilien (DSA). Er kümmert sich um die Beratung und den Rechtsbeistand für deutsche Anleger, die in Ferienimmobilien im Ausland investieren. Das Interesse wachse stetig, sagt Barbara Schmid vom Internetportal Immowelt.de: Die Zahl der Anfragen aus Deutschland nach spanischen Ferienwohnungen stieg zwischen Januar und Oktober 2011 um fast 20 Prozent.
Andererseits: Viele der satten Rabatte haben einen dicken Haken. Sie gibt es nämlich vor allem auf Objekte in riesigen Wohnkomplexen, die ursprünglich für einige Tausend Bewohner geplant wurden - gekommen sind aber nur wenige Hundert, der Rest der Wohnungen steht leer. Das bedeutet: Wohnen in einer Geisterstadt, manchmal sogar ohne fließend Wasser oder Strom. „Wenn die Preise bei einem Objekt besonders stark sinken, sollte man sich fragen, warum das so ist und ob man gerade da kaufen möchte“, warnt deshalb Barbara Schmid.
In vielen Regionen und Preisklassen ist daher der Preisverfall weniger groß als erwartet. In Spanien haben sich die Immobilienpreise inzwischen in mehreren Regionen wie etwa in Marbella stabilisiert, berichtet das Maklerunternehmen Diana Morales Properties.
In Italien bleiben die Preise hoch
Der italienische Markt hält der Krise ohnehin in weiten Teilen stand. „Im hochwertigen Immobiliensegment ist die Krise nicht zu spüren“, sagt Simona Invernizzi, Geschäftsführerin der italienischen Sparte des Maklers Engel & Völkers. „Die Eigentümer sind hier zumeist nicht gezwungen, mit dem Preis herunterzugehen. Sie warten darauf, dass ein Käufer kommt und den vollen Preis bezahlt.“
Überhaupt: Luxus geht immer, zeigt sich auch in der aktuellen Krise. Das Angebot ist knapp - auch weil sich Meeresblick und beste Lagen eben nicht ohne weiteres vervielfachen lassen. Die Preise für einige Spitzenobjekte auf den Balearen etwa haben sich deshalb gegenüber dem Vorjahr sogar um zehn Prozent verteuert, die Nachfrage nach Topimmobilien auf den Inseln stieg sogar um 25 Prozent.
Einen Unterschied zu früheren Jahren spürt man allerdings überall: Die Käufer sind gelassener geworden. „Das gute Geschäft läuft einem nicht mehr davon“, sagt Peter Schöllhorn. „Wir raten, im Zweifel lieber noch abzuwarten, denn vor allem in Spanien haben die Preise noch nicht die Talsohle erreicht.“ Ökonomen erwarten, dass der spanische Immobilienmarkt frühestens 2013 wieder auf die Beine kommt. Die Zahl neu gebauter Wohnungen wird sich dann gegenüber 2007 um die Hälfte verringert haben. Überdies dauert ein Verkauf heute länger, berichtet Maklerin Simona Invernizzi: „Früher brauchte man etwa sechs Monate, heute eher neun bis zwölf.“








