Gentrifizierung in Frankfurts Bahnhofsviertel: Explodierende Mieten im verruchten Viertel

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Gentrifizierung in Frankfurts Bahnhofsviertel: Explodierende Mieten im verruchten Viertel

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Bahnhofsviertel in Frankfurt: Für Alteingesessene wird es teuer.

Drogen, Sex, Gewalt – das Frankfurter Bahnhofsviertel beherbergte über Jahrzehnte den deftigeren Teil des öffentlichen Lebens. Nun entdecken nach und nach Besserverdiener mit Vorliebe für geschichtsträchtige Gebäude das Viertel. Die Mieten steigen, alte Bewohner werden verdrängt. Einblicke in eine Gefechtslage, die nicht ganz alltäglich ist, aber dennoch typisch für deutsche Großstädte.

Ralf Teschauer blickt von der Dachterrasse eines Frankfurter Gründerzeithauses auf das Treiben im Bahnhofsviertel mit seinen Restaurants, Kneipen, Rotlichtbars, Imbissbuden und türkischen Lebensmittelgeschäften und staunt jedes Mal wieder: „Nicht schlecht, oder?“ Der Architekt hat das denkmalgeschützte Eckhaus an der Münchener Straße 2011 mit zwei weiteren Investoren von einer Erbengemeinschaft gekauft und saniert: Fassade, Fenster, Elektrik, Rohre – alles neu verlegt, Dachterrasse gebaut und einen Aufzug errichtet. Die Investition zahlt sich aus: Drei Wohnungen hat er bereits verkauft, für 6000 Euro den Quadratmeter. Die anderen fünf bewohnen die alten Mieter – noch. Denn sie zahlen zwischen 4,50 und 6 Euro für den Quadratmeter. Mieten, die im Frankfurter Bahnhofsviertel längst wirken wie aus der Zeit gefallen.

„Wir haben vor fünf Jahren natürlich mit Wertsteigerung gerechnet“, sagt Teschauer, „aber wir haben sie unterschätzt. Die Preise hier im Bahnhofsviertel steigen sehr schnell, und das Ende der Fahnenstange ist noch nicht erreicht.“

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Teschauer hat sich dennoch entschieden, aus der Projektgesellschaft, die den Umbau gestemmt hat, auszusteigen und nicht auf weitere Wertzuwächse zu spekulieren: „Kaufen, sanieren, verkaufen, das ist meine Devise“, sagt er. Den Rest, den sollen andere machen.

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In deutschen Städten steigen die Mieten auf für Normalverdiener kaum erreichbare Höhen. Die Politik agiert hilflos. Dabei ist klar: Wir müssen anders bauen. Weniger aufwendig, weniger luxuriös, weniger bürokratisch.

Mieten in Großstädten werden unbezahlbar. Ein Zehn-Punkte-Plan zur Lösung des Problems. Quelle: Getty Images

Teschauer ist einer von vielen Investoren, die es in den vergangenen Jahren ins Frankfurter Bahnhofsviertel gezogen hat. In direkter Nachbarschaft zu Drogenumschlagplätzen, Puffs und Stripbars sind hier viele Luxuswohnungen entstanden. Das Viertel gilt längst als trendigste Wohngegend Frankfurts.

Jeden Abend drängeln sich Menschentrauben vor angesagten Lokalen wie Plank, Terminus-Klause und Maxie Eisen, vor allem Manager im Anzug und Hipster mit langem Bart, Dutt, Sonnenbrille und Tattoos. Dass sich in Sichtweite gerade Junkies einen Schuss setzen und Prostituierte ihre Dienste anbieten, macht das Viertel für sie umso spannender. Tagsüber in der scheinbar so sauberen Parallelwelt von Banken und Werbeagenturen, abends im richtigen, schmutzigen Leben – das geht nur im Bahnhofsviertel.

Weil immer mehr Leute auf den Geschmack kommen, ziehen die Immobilienpreise deutlich an: „Für eine nach neuesten Standards renovierte Altbauwohnung werden bis zu 6000 Euro pro Quadratmeter verlangt“, sagt Daniel Ritter, Geschäftsführender Gesellschafter bei von Poll Immobilien. Der Schnitt liegt bei knapp 4000 Euro pro Quadratmeter – satte 60 Prozent mehr als noch 2010. Im Gefolge der Preise klettern die Mieten, sie sind laut Ritter binnen fünf Jahren um 22 Prozent gestiegen. „In kernsanierten Immobilien mit schicker Ausstattung werden bis zu 16 Euro pro Quadratmeter verlangt.“

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Drängen und verdrängen

Carola Schneider* hat als Marketingmanagerin eigentlich einen Beruf, mit dem man ordentlich über die Runden kommt. Vor sieben Jahren zog sie ins Bahnhofsviertel, damals war die Ecke unter Kreativen gerade angesagt. Es war die erste Welle des Phänomens, das als Gentrifizierung in den vergangenen Jahren deutschen Großstadtbewohnern ein Begriff geworden ist: Kreative, aber nicht überbezahlte Menschen ziehen in ein abgewirtschaftetes Viertel mit alter Bausubstanz, schaffen eine Subkultur, die auch andere, besser bezahlte Kreative und später dann Büroarbeiter anzieht, die wiederum die Preise treiben und die ursprünglichen Bewohner so verdrängen. Damals unterschrieb Schneider für ihre Mansardenwohnung in der Münchener Straße einen Mietvertrag über 680 Euro Kaltmiete für 110 Quadratmeter.

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