Grüne fordern Energiespar-Konzepte: Deutsche zahlen fürs Heizen so viel wie nie

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Grüne fordern Energiespar-Konzepte: Deutsche zahlen fürs Heizen so viel wie nie

In den vergangenen beiden Jahren war Heizen für die Deutschen so teuer wie noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Grünen fordern die Umsetzung energiesparender Heizkonzepte.

In den Jahren 2012 und 2013 haben deutsche Mieter und Wohnungsbesitzer so hohe Heizkosten wie nie zuvor verschmerzen müssen. Das ergab eine Studie im Auftrag der Bundestagsfraktion der Grünen, die der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) vorliegt. Vor allem hohe Preise für Gas und Öl hätten sich für Mieter in hohen Nachzahlungen niedergeschlagen.

Dem Bericht nach wurde besonders Heizöl zu einer "Preisfalle für 12 Millionen deutsche Haushalte". Für eine 80 Quadratmeter große Wohnung mit Ölheizung seien 2012 im Schnitt 204 Euro Nachzahlung fällig gewesen und allein im ersten Quartal 2013 voraussichtlich bis zu 65 Euro. Im Durchschnitt seien die Heizkostenabrechnungen für ölbeheizte Gebäude 2012 um 22 Prozent höher ausgefallen als im Vorjahr.

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Typische Baumängel in Altbauten

  • Keller

    Bis in die 60er und 70er Baujahre hinein finden sich noch unzureichend gegen Feuchtigkeit geschützte Kellerfundamente und Kellerwände. Bei Bauten aus den 20er Jahren finden sich teilweise sogar verrostete Stahlträger in Gewölbekellern. Muss ein Keller trocken gelegt und sogar ringsum ausgeschachtet werden, um ihn gegen Feuchtigkeit abzudichten, kostet das den Hauseigentümer schnell 20.000 Euro und mehr.

  • Dach

    Bei Baujahren bis in die 70er Jahre finden sich noch ungedämmte Dachstühle, die die Energiekosten für ein Gebäude deutlich in die Höhe treiben. In den 70er und 80er Jahren gab dann zwar immer mehr gedämmte Dächer, doch oftmals wurde noch Mineralwolle verarbeitet, deren Fasern lungengängig sind und somit schädlich für die Atemwege sind. Ein komplett neues Dach mit Dämmung kostet schnell einen ordentlichen fünfstelligen Betrag. Für ein Einfamilienhaus muss der Bauherr mit Ausgaben von 20.000 bis 30.000 Euro rechnen. Die zeitweise modernen Flachdächer litten noch bis Ende der 70er Jahre unter oft fehlerhafter Ausführung, so dass früher oder später Wasser eindrang. Sie sollten vor einem Kauf genau geprüft werden, da Wasserschäden am Dach schnell Folgeschäden nach sich ziehen.

  • Fenster

    Holzfenster können bei sehr guter Pflege 50 Jahre und länger halten, oder schon nach zehn Jahren das Zeitliche segnen. Kunststofffenster halten generell eher 15 bis 25 Jahre. Sollen Fenster komplett erneuert werden, kommen auch hier schnell 20.000 Euro zusammen. Bis sich das über eine Energieersparnis rentiert, werden voraussichtlich Jahrzehnte vergehen.

  • Strom-, Gas- und Wasserleitungen

    Nicht selten finden sich in Altbauten veraltete oder korrodierte Leitungssysteme. So wurden etwa bis in die 60er Jahre noch Stromleitungen ohne Erdungskabel verlegt, die heutigen Sicherheitsstandards nicht mehr genügen. In noch älteren Gebäuden drohen auch undichte Gasleitungen oder alte Wasserleitungen aus Blei. Generell spricht man bei Wasserleitungen von einer Lebensdauer von 25 bis 30 Jahren, nur Kupferleitungen halten noch zehn Jahre länger. Gleiches gilt für Leitungen für das Heizwasser. Die Kosten lassen sich pauschal kaum veranschlagen, aber der Installations- und Zeitaufwand ist hoch – insbesondere wenn viele Wände und Böden dafür aufgestemmt werden müssen. In einem Modellvergleich der Sanierung eines Altbaus durch den Verband privater Bauherren e.V. schlug die Erneuerung der Elektroleitungen in einem 60er-Jahre Einfamilienhaus mit 11.000 Euro zu Buche. Für die Erneuerung der Sanitärleitungen muss mit einem Betrag in ähnlicher Größenordnung gerechnet werden.

  • Heizung

    Im Durchschnitt ist ein Heizkessel nach 20 bis 30 Jahren am Ende seiner Lebensdauer angelangt. Zudem ist die Technik oft veraltet, der Energiebedarf entsprechend hoch. Eine Umrüstung auf eine sparsamere Brennwertheizung ist mit 8000 bis 10.000 Euro zu veranschlagen. Soll es eine moderne Pellet-Heizung sein, kommen schnell noch ein paar tausend Euro hinzu. Müssen zudem Leitungen und Heizkörper erneuert werden, wird es nochmals deutlich teurer, da auch hier der Installationsaufwand vergleichsweise hoch ist.

  • Schadstoffe

    Ab den 50er Jahren hielt die Bauchemie Einzug in den Hausbau. Leider wurden bis in die 80er Jahre noch Materialien verwendet, die heute als stark gesundheitsgefährdend gelten. So wurde bis in die 70er Jahre noch Asbest verbaut, etwa in Form von Asbestzementplatten. Die krebserregenden Stoffe zu ersetzen und zu entsorgen ist aufwändig und teuer, zudem ist während der Baumaßnahmen das Gebäude oftmals nicht bewohnbar. Auch finden sich etwa teerhaltige Parkettkleber, giftige Holzschutzmittel oder Formaldehyd in Holzbauteilen.

  • Fassade

    Ist die Fassade sanierungsbedürftig, muss laut Energieeinsparverordnung auch gleich eine Wärmedämmung aufgebracht werden. Bei einem Einfamilienhaus entstehen so schnell Kosten von 25.000 Euro und mehr.

Wer mit Fernwärme heizt, musste im Schnitt 10,5 Prozent mehr zahlen, für gasbeheizte Gebäude wurden 9,5 Prozent mehr fällig. Im Jahr 2013 müssten voraussichtlich 3,4 Prozent des BIP für Energiekosten aufgewendet werden; dies sei eine Verdopplung im Vergleich zu den Kosten von vor zehn Jahren.

Der Trend zu einem geringeren Verbrauch von Heizenergie pro Quadratmeter, der seit Ende der 90er Jahre anhält, wird teils dadurch aufgefressen, dass die Menschen in immer größeren Wohnungen leben. Je nach Sanierungszustand der Gebäude fallen die Heizkosten zudem sehr unterschiedlich aus. Wer in älteren, unsanierten Gebäuden wohnt, wird überdurchschnittlich stark vom Kostenanstieg getroffen. Auch seien noch 1,2 Millionen veraltete Ölheizungen in Betrieb.

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Die Grünen fordern ein Gegensteuern angesichts der Untersuchungsergebnisse. „Wir müssen endlich energiesparende Heizkonzepte in der Breite umsetzen“, sagte die neue Vorsitzende des Bau- und Umweltausschusses im Bundestag, Bärbel Höhn, am Freitag. In der Studie werden unter anderem der Ersatz der veralteten Ölheizungen und bessere Wärmedämmungen vorgeschlagen. Auch das Beispiel Dänemarks wird angeführt: das Land hat in Neubauten kurzerhand den Einbau von Ölheizungen verboten.

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