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Immobilien im Osten: Besser als ihr Ruf

von Christian Hunziker Quelle: Handelsblatt Online

Noch immer hegen Anleger pauschale Vorbehalte gegen ein Immobilieninvestment in Ostdeutschland. Zu Unrecht, meinen viele Experten.

Immobilien in Ostdeutschland haben einen schlechten Ruf. Quelle: dpa
Immobilien in Ostdeutschland haben einen schlechten Ruf. Quelle: dpa

BerlinUnd es gibt sie doch: Investoren, die Immobilien in Ostdeutschland kaufen. Zum Beispiel Deka Immobilien: Die Fondsgesellschaft erwarb das traditionsreiche Geschäftshaus Speck's Hof in der Leipziger Innenstadt. Oder der Assetmanager Alt+Kelber: Ein von ihm betreuter Fonds sicherte sich eine Wohnanlage im Dresdner Stadtteil Weißig. Ein Privatinvestor schließlich kauft ein denkmalgeschütztes Bürogebäude in Magdeburg.

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Typisch allerdings sind diese Akteure nicht. Immer noch machen die meisten Anleger einen Bogen um die neuen Bundesländer. „Viele Investoren haben noch nicht begriffen, dass der Immobilienmarkt im Osten Deutschlands in vielen Bereichen genauso gute Chancen bietet wie der im Westen“, kritisiert Jochen-Konrad Fromme, Geschäftsführer der ausschließlich in den neuen Bundesländern tätigen TLG Immobilien, diese Haltung.

Die Skeptiker verweisen auf den Bevölkerungsschwund und die vergleichsweise schwache Wirtschaftskraft in Ostdeutschland. Nicht vergessen sind zudem die Verluste, die Anleger mit ihren von Steuervorteilen beflügelten Investitionen in den 1990er-Jahren machten.

Nichts von dieser pauschalen Skepsis hält Reiner Braun, Vorstand des Forschungsinstituts Empirica: „Es ist an der Zeit, sich vom alten Ost-West-Bild zu verabschieden. Auch der Osten bietet Chancen.“ Als Anhaltspunkt, wo sich Investitionen lohnen, hat Braun das Schlagwort Lila geprägt. Die Abkürzung steht für: Landschaft, Infrastruktur, Lebensqualität, Arbeit. Regionen, die auf diesen Feldern punkten, locken Menschen an - und „Investieren lohnt, wo die Nachfrage steigt“.

Wo aber ist das der Fall? „Die wirtschaftlichen Entwicklungskerne sind für die nächsten Jahre gesetzt“, antwortet TLG-Geschäftsführer Niclas Karoff. Das Unternehmen legt den Schwerpunkt auf die Region Berlin, die Ostseeküste, Leipzig, Dresden und die thüringischen Städte entlang der Autobahn A4. Allerdings, differenziert er: „Ein Supermarkt im Zentrum einer mittelgroßen Stadt muss sich mittelfristig keine Sorgen wegen der demografischen Entwicklung machen.“ Bei Bürogebäuden jedoch sei die TLG „deutlich zurückhaltender“.


Großer Vorteil sind die niedrigen Preise

Im Vordergrund steht hingegen der Wohnungsmarkt. „Das Kapital, das in A-Städten nichts mehr findet, weicht in B-Städte aus“, beobachtet Karoffs Kollege Fromme. „Deshalb sind in den letzten Monaten die Preise für Wohnungsportfolios in ostdeutschen Städten deutlich angestiegen.“ Nach Beobachtung des Maklerhauses Engel & Völkers sind auch viele private Anleger aktiv. Besonders gern kaufen sie Wohn- und Geschäftshäuser, die man in ostdeutschen Städten bereits für deutlich weniger als eine Million Euro bekommt.

Wer lieber indirekt über Fonds oder Aktien investiert, hat ebenfalls durchaus Auswahl. Die Wertgrund Immobilien AG beispielsweise hat einen offenen Wohnimmobilienfonds aufgelegt, der auch in Ostdeutschland investiert - allerdings ausschließlich in Dresden und Leipzig und dort nur in zentralen Stadtteilen. „Wir achten darauf, dass ein Standort eine positive Bevölkerungsprognose hat und eine gewisse Liquidität aufweist“, sagt Wertgrund-Vorstand Thomas Meyer. Die Wohnungsmärkte in Jena, Erfurt und Rostock entwickelten sich ebenfalls positiv, seien für institutionelle Investoren aber „zu abgelegen“, ein späterer Weiterverkauf daher schwierig.

Der große Vorteil ostdeutscher Standorte sind die vergleichsweise niedrigen Preise. „In Dresden können wir deutlich günstiger einkaufen als in westdeutschen Landeshauptstädten“, sagt Meyer. Nach seinen Worten sind solide Wohnungsportfolios dort schon für das Zwölffache einer Jahresmiete zu finden. Zum Vergleich: In München wird mehr als das 20-Fache fällig - die Rendite ist also viel geringer.

Nicht auf die Stadtzentren beschränkt sich die TAG Immobilien. Das börsennotierte Wohnungsunternehmen gab vor kurzem den Kauf von gut 1000 Wohnungen in Eberswalde bekannt, einer 40.000-Einwohner-Stadt etwa 50 Kilometer nördlich von Berlin. „Wir halten Investitionen in die Randgebiete der deutschen Metropolen für sehr attraktiv, da sie Wachstumspotenzial mit hohen Anfangsrenditen verbinden“, begründet dies TAG-Vorstandsvorsitzender Rolf Elgeti.

Nach Ansicht von Empirica-Vorstand Reiner Braun können sich Investitionen sogar in schrumpfenden Regionen lohnen: Weil dort kaum mehr neu gebaut werde, mangle es an höherwertigen Wohnungen. Allerdings, schränkt der Experte ein, sei dies nur etwas für Anleger, die sich auf dem lokalen Markt gut auskennen.

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