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Immobilien: Wahnsinn am Häusermarkt – selbst in der Provinz

Pure Anmaßung

Bevor Frau Bold losdüst, sollte man sich anschnallen. Es geht auf einen bewaldeten Buckel, den sie „Millionärshügel“ nennt. Sie zeigt Scheidungshäuser, Superlagen, gut, das eingewachsene Haus da hinten, „das schlummert ein wenig“. Aber alles in allem doch ein toller Ort, um Geschäfte zu machen. Und diese Ausblicke erst. „Pirmasens ist nämlich auf sieben Hügeln erbaut, genau wie Rom.“ Die pure Anmaßung ist das für dieses leere Städtchen im Wald.

Rendite von Immobilien Private Vermietung macht selten reich

Rund 60 Prozent der deutschen Mietwohnungen und -häuser sind in Besitz von privaten Haushalten. Doch das lohnt sich für viele Vermieter nur mäßig, wie nun eine Untersuchung zeigt.

Rendite von Immobilien: Private Vermietung macht selten reich

Um die zu verstehen, muss man im Büro der Storcks vorbeischauen. 1982 hat Vater Storck es aufgemacht, und er sagt: „Seitdem hat sich hier eigentlich nicht viel geändert.“ Ausufernde Schreibtische aus dunklem Holz, Aschenbecher auf jedem Tisch. Mit einem Lamellenvorhang könnte man sich vor der Sonne schützen, aber das ist gar nicht nötig, so dunkel ist es. An der Wand hängt die erste Anzeige, mit der Storck damals in der Lokalzeitung geworben hat, bis heute ist das ein wichtiger Akquisekanal für ihn. Aber er sagt auch: „Bei mir landen in letzter Zeit immer mehr Investoren, die in Pirmasens etwas kaufen wollen.“ Kunden aus Shanghai und Saudi-Arabien, die meisten aber kämen aus Schwaben. Was dort an Privatvermögen angesammelt worden sei, unglaublich. Vielen aber könne er nicht helfen: „Der Markt ist inzwischen fast leer gefegt.“

In Pirmasens, das sagt Tochter Stephanie von sich, könne sie jedes Haus verkaufen. Natürlich gehe das nicht so einfach wie in Stuttgart oder Köln, aber sie hat da ja noch den Trick mit der Wand. Die befindet sich nahe dem Alten Friedhof an einer Zufahrt zur Innenstadt, Tausende Autos kommen hier täglich vorbei, und in der Mitte hängt genau ein Plakat: Storck Immobilien. Der Wert liegt in der Lage. Seit ein paar Monaten haben sie die Fläche dauerhaft gemietet, und sie sagt: „Was ich da abbilde, das verkaufen wir garantiert.“ Gerade sei aber, blöder Zeitpunkt, in der Druckerei was schiefgegangen, jetzt ist das gleiche Haus doppelt drauf.

Dieses doppelte Haus aber ist gar kein schlechtes Symbol für den Immobilienmarkt in Pirmasens. Natürlich sind die Preise hier noch nicht groß gestiegen, aber eben auch nicht gesunken, was für sich genommen schon erstaunlich ist in einem Ort, der heute 50 Prozent weniger Einwohner hat als zu seinen besten Zeiten. Und selbst das liegt wohl allein daran, dass so wenig Neubauten auf den Markt kommen. „Insbesondere Einfamilienhäuser lassen sich extrem gut verkaufen“, sagt Bold.

In den großen Tagen der Stadt war Pirmasens zwar eine Stadt mit vielen Millionären, aber noch mit viel mehr Arbeitern. So entstanden ganze Stadtviertel mit Straßenzügen voller kleiner Häuser mit kleinsten Wohnungen, in denen heute niemand mehr leben mag. Im Sektor Geschosswohnungsbau liegt die Leerstandsquote in Pirmasens bei neun Prozent, bundesweit ergibt das den dritten Platz, mehr sind es nur in Salzgitter und Chemnitz. Zugleich aber hat ein Unternehmer in der alten Salamander-Schuhfabrik teure Loftwohnungen eingerichtet, die reißenden Absatz fanden. Ähnliches passiert gerade auf zwei weiteren Fabrikgeländen.

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Hermann Storck zumindest bereut die große Entscheidung seines Lebens immer weniger. Bevor er Anfang der Achtzigerjahre ins Immobiliengeschäft einstieg, war er Schuhhändler, so wie schon seine Eltern. Noch heute prangt der Schriftzug der Familie auf dem Dach eines Hochhauses an der Einkaufsstraße. Drumherum stehen die Geschäfte leer, mehr als 20 Stück, hat Storck letztens nachgezählt. „Einzelhändler haben es heute wirklich schwer, hier Geld zu verdienen“, resümiert Storck. Auch sonst seien wenig neue Jobs in der Stadt entstanden. „Das Einzige, was derzeit wirklich funktioniert, sind Immobilien.“ Wie das sein kann, das fragt er sich lieber nicht.

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