Immobilien: Wahnsinn am Häusermarkt - selbst in der Provinz

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Immobilien: Wahnsinn am Häusermarkt – selbst in der Provinz

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Las Vegas für Immobilien: Selbst in Pirmasens kann man 2017 Geld am Häusermarkt verdienen.

von Konrad Fischer

Selbst in Pirmasens kann man 2017 Geld mit Immobilien verdienen. Dabei spricht sonst alles gegen einen Boom. Jetzt kaufen Chinesen, Araber und vor allem Schwaben. Ein Ortsbesuch.

Hier zum Beispiel, dieses schöne Objekt, sagt Stephanie Bold, dafür habe sie auch geboten. „Hätten wir wirklich gerne gehabt.“ Sie setzt ihren schwarzen 7er-BMW mit einigem Schwung auf die Bordsteinkante, damit man das kleine Palais aus Gründerzeittagen besser sehen kann. Eine ältere Passantin bleibt stehen, schaut sich das Auto nun genauer an. Bold wechselt in den Rückwärtsgang, vorne rummst der Wagen nach unten, dafür geht es jetzt hinten mit einem Ruck nach oben. Die Beobachterin schüttelt den Kopf, da gibt Bold auch schon Gas, es rummst noch mal, und sie ist auf der Gegenfahrbahn. „Wurde leider nichts draus, jetzt ist da ein Puff drin.“ Die Frau schaut hinterher, vom Rollator gehen die Hände zu wilden Gesten in die Luft. Aber das bekommt Bold gar nicht mehr mit. Stephanie Bold ist Immobilienmaklerin in Pirmasens. Wer hier erfolgreich sein will, der muss aus anderem Holz geschnitzt sein als in Frankfurt oder München.

Bold, um die 30, trägt zum schwarzen Kleid einen breiten pfälzischen Dialekt. Zusammen mit ihrem Vater Hermann Storck führt sie die gleichnamige Immobilienagentur; es ist eine von nur dreien in dem Ort, der sich trotz seiner kaum 40.000 Einwohner kreisfreie Stadt nennen darf. Denn Pirmasens war mal was, Hauptstadt der deutschen Schuhindustrie, Zehntausende Arbeitsplätze, die höchste Millionärsdichte im ganzen Land. Dann verschwand die Schuhindustrie nach Asien, und Pirmasens wurde zum Symbol für den Abstieg der westdeutschen Provinz. 20 Prozent Arbeitslosigkeit, Abwanderung in Massen, dafür ein neuer Rekord: Nirgendwo haben die Menschen mehr private Schulden als in Pirmasens. Und doch spricht der Optimismus aus Stephanie Bold, als sie zur Stadtrundfahrt einlädt: „Es gibt wunderbare Lagen in Pirmasens, man muss sie nur kennen.“

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Seit ein paar Jahren scheinen sich die Experten von Banken und Zentralbanken auf eine zwiegespaltene, aber letztlich beruhigende Deutung des deutschen Immobilienmarktes geeinigt zu haben: In den Metropolen steigen die Preise ohne Ende. Weil sie sich zugleich auf dem Land aber kaum bewegen oder sogar fallen, braucht Deutschland sich keine Sorgen um eine Blase zu machen. Wie richtig der erste Teil dieser Annahme ist, lässt sich derzeit auf der Immobilienmesse Expo Real in München beobachten. Die Investorenbroschüren schwärmen von Aufwärtstrends und noch lange nicht gesättigten Märkten. Derweil sortierte die Schweizer Bank UBS in einer Studie München unter die drei Städte mit der weltweit größten Preisübertreibung am Immobilienmarkt ein. Ob aber der zweite Teil der Erzählung, aus dem sich ja erst die beruhigende Schlussfolgerung speist, ebenso zutrifft, darüber kann man in München nichts erfahren. Deswegen hilft bei der Antwort auf die Frage, ob dieser Immobilienmarkt noch rational funktioniert, ein Besuch in Pirmasens weiter. Nach menschlichem Ermessen dürfte die Mischung aus Abwanderung und Perspektivlosigkeit Immobilien hier zu Ladenhütern machen. Aber ist das so?

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