Immobilienblase: Schulden sind Schwedens gefährlicher Volkssport

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Immobilienblase: Schulden sind Schwedens gefährlicher Volkssport

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Angebote für Wohneigentum in Schweden finden schnell Käufer - auch zu immer höheren Preisen.

von Andreas Toller

Schwedens Immobilienpreise erreichen Rekordhöhen, die Banken vergeben großzügig Darlehen - doch kaum jemand zahlt seine Schulden zurück. Die Immobilienblase könnte jederzeit platzen.

Im Oktober ging in Schweden eine politische Erfolgsgeschichte zu Ende. Nach acht Jahren löste eine rot-grüne Regierungskoalition unter der Führung von Stefan Löfven die konservative Regierung von Frederik Reinfeldt ab.

Der Mann, der die Schweden durch die Finanzkrise manövrierte und trotz strenger Haushaltsdisziplin zu einem Wachstum von 12,6 Prozent seit der Lehman-Pleite 2008 verhalf, trat nach seiner Wahlniederlage zurück. Jetzt darf sich der Sozialdemokrat und gelernte Facharbeiter Löfven an den Problemen des Landes mit einer Minderheitsregierung abarbeiten.

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Obwohl Schweden gern als Musterstaat herangezogen wird, gibt es genügend Probleme in dem Land. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei mehr als 20 Prozent, die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auf.

Und zu allem Überfluss gibt es eine gewaltige Immobilienblase, die schon beim kleinsten Anlass platzen könnte – und die völlig überschuldeten privaten Haushalte, Banken und die skandinavischen Nachbarländer aufgrund der engen Wirtschaftsbeziehungen in den Abgrund zu reißen vermag.

Die Folgen der Immobilienkrisen ausgewählter Länder

  • Niederlande

    Rückgang der Immobilienpreise: -21.5%
    Hypothekenausfälle 2013: 1.3%
    Faule Kredite: 30%

    Quelle: CPB Netherland Bureau for Economic Policy Analysis
    Stand: Juni 2014

  • Dänemark

    Rückgang der Immobilienpreise: -20.1%
    Hypothekenausfälle 2013: 0,3%
    Faule Kredite: keine Angabe

  • Irland

    Rückgang der Immobilienpreise: -48.9%
    Hypothekenausfälle 2013: 12.3%
    Faule Kredite: 52%

  • Spanien

    Rückgang der Immobilienpreise: -30.1%
    Hypothekenausfälle 2013: 5,2%
    Faule Kredite: 20%

  • Vereinigtes Königreich

    Rückgang der Immobilienpreise: -13.5%
    Hypothekenausfälle 2013: 1,3%
    Faule Kredite: 1,6 bis 6,4%

  • USA

    Rückgang der Immobilienpreise: -18.1%
    Hypothekenausfälle 2013: 9.3%
    Faule Kredite: 13%

Wohnungspreise in zehn Jahren verdreifacht

Seit dem Ende der Neunzigerjahre wachsen die Immobilienpreise in dem Land mit 9,6 Millionen Einwohnern so schnell wie in kaum einem anderen Staat der Erde. Verantwortlich sind vor allem die seit Jahren sinkenden Zinsen, die Hypotheken zunehmend billig machen, sowie das viel zu knappe Wohnungsangebot. Beide Faktoren haben dafür gesorgt, dass sich die Häuserpreise in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt haben, Eigentumswohnungen sind im gleichen Zeitraum sogar dreimal so teuer geworden.

Einen moderaten Rückgang gab es lediglich in den eineinhalb Jahren nach Ausbruch der globalen Finanzkrise im Herbst 2008 sowie deren erneutem Aufflammen im Jahr 2011. Anders als bei den geplatzten Immobilienblasen in USA oder den Niederlanden ging es schnell wieder aufwärts. 2010 stiegen die Häuserpreise wieder um zehn Prozent, in den vergangenen drei Jahren lag das Plus bei fünf Prozent jährlich.

Eigentumswohnungen wurden im vergangenen Jahr sogar sieben Prozent teurer, im Ballungsgebiet Stockholm stiegen sie zwischen neun und elf Prozent. Das Fatale: An derartige Steigerungsraten haben sich Hauskäufer und die finanzierenden Banken in Schweden längst gewöhnt und verlassen sich darauf.

Diese Erfahrung machte auch Gunnar Lind*. 2008 erwarb er ein 60 Quadratmeter großes Zwei-Zimmer-Apartment in Stockholm. Beim Bau im Jahr 1985 kostete sie nur 60.000 schwedische Kronen, umgerechnet 6480 Euro. Heute ist die Wohnung rund 1,8 Millionen Kronen wert, umgerechnet 194.000 Euro. Der Wert der Wohnung ist auf das Dreißigfache gestiegen. Und das, obwohl 1993 schon einmal eine Immobilienblase in Schweden platzte und taumelnde Banken in der Folge verstaatlicht werden mussten.


Immobilienkrisen nebenan Dänen tilgen nicht - und Niederländer auch nicht

Die Niederlande und Dänemark erholen sich zwar von ihren geplatzten Immobilienblasen - doch die Hypotheken bleiben tickende Zeitbomben. Was deutsche Hauskäufer von den Nachbarn lernen können.

Quelle: imago

Als Lind vor sieben Jahren von Deutschland nach Schweden zog und auf Wohnungssuche ging, hatte er keine Chance auf eine Mietwohnung. Also tat er, was die meisten Schweden in dieser Situation tun: Er finanzierte eine Eigentumswohnung.

Einen Kredit für den Immobilienerwerb zu bekommen, ist in Schweden kein Problem. Ein Kreditvolumen von 100 Prozent des Kaufpreises ist weit verbreitet. "Eine Tilgung wollte meine Bank auch nicht. Die Banken sind nur an den Zinseinnahmen interessiert“, erklärt Lind. Banken würden sogar von Tilgungen abraten, erzählt er.

Für die schwedischen Hypothekenbanken ist die Immobilienblase ein gutes Geschäft. Sie werben aggressiv für ihre Darlehen und sind bei der Zahlungsfähigkeit der Kreditnehmer nicht gerade empfindlich. Die im Wert steigende Immobilie genügt ihnen als Sicherheit.

Die Folge: Schwedens Privathaushalte sind mit insgesamt 175 Prozent des verfügbaren Haushaltseinkommens im europäischen Vergleich sehr hoch verschuldet. Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Wert bei 86 Prozent.

Eine Studie der schwedischen Zentralbank vom Mai 2014 besagt, dass die privaten Hypothekenschulden mittlerweile im Durchschnitt das 3,7-fache des jährlichen Haushaltseinkommens erreichen. Bei Haushalten mit sehr niedrigem Einkommen übersteigen die Schulden gar das Vierfache des Einkommens. 95 Prozent der Schulden dienen der Immobilienfinanzierung.

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1 Kommentar zu Immobilienblase: Schulden sind Schwedens gefährlicher Volkssport

  • Ein wichtiges Thema hier in Schweden - leider arbeitet der Artikel mit viel Panikmache und Übertreibung. Zudem enthält er nicht wenige Recherchefehler.

    Das beginnt schon beim falschen Namen der Zentralbank (Riksbank, nicht Rijksbank) und geht weiter bei der falschen Milchmädchenrechnung mit der Steigerung des Wohnungspreises von G. Lind, bei der historische Wechselkurse und Inflation vollkommen außer Acht gelassen werden. Auch zahlt man die Steuer bei Verkauf nicht auf den Kaufpreis, sondern auf den Gewinn. Dass man seit einigen Jahren 15 Prozent Eigenkapital mitbringen muss und bis zu einem gewissen Grad in der Regel auch tilgen muss, wird gar nicht erst erwähnt. Stattdessen werden vergangene Exzesse wie 100+ Prozent Finanzierung als Standard beschrieben, was schon seit geraumer Zeit passé. Das (in der Tat sehr fragwürdige) System der Mietpreissetzung wird auch sehr pauschalisierend abgetan. Mittlerweile sind auch nicht längst nicht mehr alle Mietwohnungen in kommunaler Hand.

    Es gibt wahrlich viel an den schwedischen Verhältnissen in dem Bereich zu kritisieren, aber dieser Artikel ist irreführend.

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