Immobilienblase: Überdosis an Hauskäufern

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KommentarImmobilienblase: Überdosis an Hauskäufern

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Die Käufer von Immobilien werden immer Jünger. Die Preise in den Top-Lagen der Städte München, Berlin und Hamburg sind in den letzten Wochen stark gestiegen.

von Stefan Hajek

Auch wir pumpen eine Immobilienblase auf. Auf Gedeih und Verderb stecken die Deutschen ihr Geld in Haus und Hof. Spanien und Irland haben gezeigt, wie übel das enden kann.

Ich sage es lieber grade raus, auch wenn’s das Ego schmerzt: Mit 43 Jahren bin ich schon zu alt. Der durchschnittliche Immobilienkäufer in Deutschland ist 38 – und wird immer jünger.

Hätte jemand zwei Jahre ohne Skype und iPhone im Ausland verbracht (ich meine: richtig im Ausland, nicht auf Mallorca oder in Zürich-Hirzenbach), er könnte den rasanten Sinneswandel kaum fassen, den die Menschen meiner Altersgruppe in nur zwei Jahren vollzogen. Kollektives Credo: Wer jetzt noch keine Immobilie hat, der kriegt auch keine mehr.

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Hatten nicht dieselben Leute noch vor zwei Jahren faktenreich und überzeugend argumentiert, ein Haus sei "heutzutage ein zu großer Klotz am Bein"? Schwerst hinderlich bei Jobsuche, Karriereleiter, Selbstverwirklichung?

Paradebeispiel für den Umdenkprozess ist mein Freund Mark: Als Architektensohn mit Bauingenieursstudium kann man ihm Stallgeruch attestieren. Einer seiner Lieblingssprüche lautete stets: "Der Profi wohnt zur Miete!" Der machte Eindruck bei den Mädels.

Eile ist geboten

Jetzt nicht mehr. Kürzlich lieferte sich Mark mit vier bis fünf Interessenten ein Bietergefecht um ein Reihenhäuschen in München-Laim. Der Preis stieg in nur zwei Wochen von 780.000 auf 890.000 Euro. Die Maklerin teilte dies knapp telefonisch mit. Sodann hetzte sie zum nächsten Objekt. Mark beklagte sich zwar, schlug aber ein. Auf eine gründliche Umgebungsrecherche (Nachbarn, Infrastruktur?) oder gar ein Gutachten verzichtete er. Wegen der gebotenen Eile. "Wer da zaudert, kriegt nie was", sprach er, "aber ist ja München, der Preis wird schon nicht fallen." Mir schwant bei solchen Sätzen immer Böses.

Ein Einzelfall? Nein. Nicht nur in den 1a-, auch in den 1b-Lagen von München-Sendling, Berlin-Neukölln und Hamburg-Altona stiegen die Preise in den letzten zwölf Monaten im Schnitt um bis zu 30 Prozent. Getrieben werden sie vor allem von Kapitalanlegern, die ihre Talente vor der kommenden Euro-Schächtung/Geldentwertung/Währungsreform retten wollen.

Die Dosis macht das Gift

Sie zahlen 30 Jahresmieteinnahmen und handeln sich gern noch Ärger mit renitenten Mietern und arbeitsscheuen Hausverwaltern ein; Hauptsache, das Geld ist weg. In den Städten tobt der Verteilungskampf: Betuchte Anleger gegen junge Selbstnutzer, Stuckliebhaber gegen Euro-Skeptiker, jeder gegen jeden.

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Das wird nicht gut gehen. Freilich spricht wenig dagegen, sich ein Eigenheim zu ersparen oder Geld in Sanierungsmaßnahmen zu stecken statt in Facebook-Aktien; so hat auch das Bauhandwerk noch was davon. Und dass ein Haus immer einen Wert haben wird, egal, wie viele Nullen an dem Schein hängen, der einst die Tankfüllung kauft, wird niemand bestreiten.

Aber es ist die Dosis, die macht, dass ein Ding Gift wird: Wer all sein Geld in Immobilien steckt und/oder sich noch sechsstellige Hypotheken auflädt, in der Hoffnung, die Schulden würden weginflationiert, der zockt mit Haus und Hof:

Er wettet auf ein Szenario, das eintreten kann. Aber nicht muss.

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