Immobilienfinanzierung: Baugeld bleibt vorerst billig

Immobilienfinanzierung: Baugeld bleibt vorerst billig

, aktualisiert 20. Januar 2017, 06:36 Uhr
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Fehlentscheidungen beim Kauf können teurer kommen als der Immobilienkauf zu einem späteren Zeitpunkt zu höheren Preisen und schlechteren Finanzierungskonditionen.

von Reiner ReichelQuelle:Handelsblatt Online

Die Europäische Zentralbank lässt Bauherrn aufatmen. Weil es die Notenbank bei dem rekordtiefen Leitzins von null Prozent belässt, bleiben die Zinsen für Hypothekendarlehen auch zunächst weiterhin niedrig.

DüsseldorfDie nächste Zinserhöhung kommt bestimmt. Das wissen auch Deutschlands Häuslebauer. Doch seit dem frühen Donnerstagnachmittag können sie davon ausgehen, dass sie nicht so schnell ansteht. Denn die Europäische Zentralbank entschied, dass sie den Leitzins unverändert auf dem Rekordtief von null Prozent belässt.

„Damit ist zumindest von geldpolitischer Seite kurzfristig nicht mit Aufwärtsimpulsen zu rechnen“, sagt Michiel Goris, Chef des Hypotheken-Vermittlers Interhyp. Seit Jahresanfang bewegen sich die Konditionen für Immobilienkredite nach seiner Beobachtung seitwärts. Dies zeigt auch der Hypothekenzinsindex der FMH-Finanzberatung.

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Danach beträgt der Zins für Baudarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung aktuell wie vor zwei Wochen 1,32 Prozent und für 15 Jahre Zinsbindung liegt er mit 1,78 Prozent um 0,01 Prozent niedriger als am 4. Januar. Selbst gegenüber den Indexwerten vor Weihnachten spielen sich die Veränderung auf der zweiten Stelle nach dem Komma ab.

Finanzierungsexperten raten heute wie schon seit zwei Jahren mit langen Zinsbindungsfristen, also 15 statt zehn Jahre und gerne auch mit 20 Jahre stabilem Zins zu finanzieren und darüber hinaus so schnell wie möglich zu tilgen. Das heißt, möglichst drei Prozent oder eine noch höhere Tilgung in dieser Niedrigzinsphase zu vereinbaren.

Doch die Zeit der extrem niedrigen Zinsen könnte in diesem Jahr zu Ende gehen. Zwar rechnet niemand mit Zinssprüngen von einem Prozentpunkt, aber das Interhyp-Bauzins-Trendbarometer deutet auf in den nächsten Wochen gleichbleibenden Finanzierungsbedingungen hin. Doch mittel- bis langfristig werden höhere Zinsen prognostiziert. Das Trendbarometer basiert auf der Befragung von Finanzierungsexperten.


Zinsanstieg wird vor allem aus den USA beeinflusst

Die Experten machen einen Zinsanstieg im laufenden Jahr vor allem an den Einflüssen in den USA fest. Die Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten im November hatte bereits einen kleinen Zinsschub in den USA ausgelöst. Der schwappte nach Europa über. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe stieg ein wenig. Deren Renditeentwicklung ist ein guter Indikator für die Entwicklung der Baugeldzinsen.

Die anhaltend lockere Geldpolitik der EZB begrenzt laut Interhyp kurzfristig das Aufwärtspotenzial bei den Zinsen. Gleichzeitig beschränkten stabilere Arbeitsmarkt- und Inflationsdaten im Euroraum das Abwärtspotenzial nach unten. Aktuelle Schätzungen gehen von einer Jahresteuerungsrate von 1,7 Prozent zum Ende dieses Jahres aus. „Derzeit erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass Immobilienkäufer in 2017 in den Genuss neuer Tiefstände bei den Zinsen kommen“, sagt Interhyp-Manager Goris deshalb voraus.

Folgerichtig rät er Bauwilligen davon ab, auf weiter fallende Zinsen zu spekulieren. „Angesichts des weiter sehr hohen Interesses an Wohnimmobilien gilt derzeit: Wer seine Finanzierung frühzeitig klärt und den Kauf direkt zusagen kann, verbessert seine Chancen, den Zuschlag zu erhalten.“
Es kommt hinzu, dass die Preise für Wohnimmobilien in den prosperierenden Ballungszentren auch in diesem Jahr wieder schneller steigen werden als die Haushaltsnettoeinkommen. Das lässt sich aus den Preisprognosen mehrerer Immobilienmarktforscher ablesen.
Andererseits raten Baufinanzierungsberater ausdrücklich davon ab, wegen steigender Preise und Zinsen in Torschlusspanik Wohneigentum zu kaufen. Fehlentscheidungen beim Kauf können teurer kommen als der Immobilienkauf zu einem späteren Zeitpunkt zu höheren Preisen und schlechteren Finanzierungskonditionen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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