Immobilienmarkt London: Die große Bürokrise droht

Immobilienmarkt London: Die große Bürokrise droht

, aktualisiert 10. August 2016, 14:10 Uhr
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Nach der Brexit-Entscheidung steht der Londoner Immobilienmarkt unter Druck.

Quelle:Handelsblatt Online

In London ist vor dem Brexit-Votum mit dem Bau von vielen Bürogebäuden begonnen worden. Weil jetzt Unternehmen überlegen, das Land zu verlassen, könnte es zu einem Überangebot kommen, mit dem niemand gerechnet hat.

LondonDie Welle an im Bau befindlichen Büro-Gebäuden in London ist laut der schweizerischen Großbank UBS eine große Bedrohung für Büromieten und Immobilienbewertungen in der britischen Hauptstadt. „Wir haben den Aufbau eines Überangebots an Büroflächen lange vor dem Brexit gesehen, was nicht mehr aufgehalten werden kann“, sagt Thomas Wels, weltweiter Chef für Immobilien in der Asset-Management-Sparte der Schweizer Bank, der Nachrichtenagentur Bloomberg. Die zusätzlichen Flächen „werden den Markt 2017 und 2018 erreichen – was in den Mieten noch nicht eingepreist ist“.

Immobilienentwickler hatten versucht, von den steigenden Mieten zu profitieren, indem sie die Arbeit an einer Rekordanzahl von Büroprojekten in der Londoner Innenstadt in den sechs Monaten bis März begannen. Die Bewertungen könnten dort um bis zu 20 Prozent einbrechen – während Unternehmen nach dem Brexit-Votum erwägen, einen Teil ihrer Geschäfte auf das europäische Festland zu verlagern oder Expansionspläne zu verschieben, geht aus Prognosen von Green Street Advisors hervor.

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Laut Analyst Mike Prew von Jefferies könnten internationale Konzerne innerhalb von zwei Jahren nach Beginn des offiziellen EU-Austrittsprozesses bis zu 100.000 Jobs aus London heraus verlagern. Wels, der sich um 77 Milliarden Dollar an Immobilienaktiva in 29 Ländern kümmert, sieht die Anzahl der verlagerten Jobs aber eher bei 25.000.

Wichtiges Argument für die Annahme, dass viele Unternehmen aus London abwandern könnten, ist der mögliche Wegfall der „Passporting“-Rechte. Diese Rechte räumen Firmen mit Sitz in einem EU-Land die Möglichkeit ein, ihre Geschäfte EU-weit zu betreiben. Sie benötigen dafür keine Genehmigung der jeweils lokalen Behörden.

Insbesondere britische Banken, Versicherer und Fonds nutzen das „Passporting“. Zudem aber ist London dadurch auch zum Sprungbrett für internationale Finanzdienstleister geworden – die deshalb als wichtige Nachfrager auf dem Markt für Büroimmobilien gelten. Denn „Passporting“ erlaubt es schließlich auch EU-Firmen, vom wichtigsten europäischen Finanzplatz aus in Länder außerhalb des eigenen Wirtschaftsraums zu expandieren wie es umgekehrt Nicht-EU-Unternehmen den Zugang in die Wirtschafts- und Währungsunion erleichtert.


Viele neue Bürotürme im Bau

Bei britischen Gewerbeimmobilien sind die Bewertungen im Juli wahrscheinlich so stark eingebrochen wie seit Dezember 2008 schon nicht mehr, schrieb Osmaan Malik, ein Londoner Analyst von UBS. Büros im Finanzbezirk City of London könnte es laut Malik mit rund minus sechs Prozent am stärksten getroffen haben. Nach Angaben des Brokers CBRE sanken die Büroimmobilienpreise in der City of London im Juli um 6,1 Prozent.

In den sechs Monaten bis März war mit dem Bau an gleich 51 Büro-Gebäuden in der Innenstadt von London begonnen worden, erklärte Deloitte in einer Studie aus dem Mai. Das Volumen der in der Entwicklung befindlichen Flächen habe sich innerhalb von 18 Monaten fast verdoppelt.

UBS wird derweil in den nächsten zwei bis drei Jahren etwa drei Milliarden Dollar in Immobilien investieren, die sich in Europa befinden – mit Ausnahme von Großbritannien, sagt Wels. Er verwies auf die anhaltende Erholung der europäischen Konjunktur.

Laut dem Internationalen Währungsfonds (IWF) wird die Wirtschaft im Euroraum in diesem Jahr um 1,6 Prozent wachsen – verglichen mit 0,3 Prozent in Japan.

Wels rechnet damit, dass asiatische Pensions-Fonds verstärkt Objekte in Kontinentaleuropa ins Visier nehmen, weil sie ihre Allokation in Richtung Immobilien verstärken. Die zehn größten japanischen Pensionsfonds alleine könnten im Verlaufe eines Jahrzehnt 200 Milliarden Dollar an europäischen Immobilien kaufen, glaubt Wels.

„In Japan sind die Erträge zu gering und der Markt ist nicht groß genug, um im Inland zu investieren“, sagt Wels. „In Europa sind die Erträge hoch, die Gesetzgebung ist sicher und Investoren können eine Diversifikation erreichen.“ Zu den favorisierten Investments von Wels zählen Mehrfamilienhäuser, Läden und Büros in Spanien, Italien und Deutschland. „Außerhalb von Deutschland und den Niederlanden, die bereits sehr gereifte Mietmärkte haben, wird Wohnbau das Ding der Zukunft sein“, meint Wels.

Quelle:  Handelsblatt Online
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