Immobilienmarkt Österreich: Wien boomt

Immobilienmarkt Österreich: Wien boomt

, aktualisiert 12. September 2017, 16:36 Uhr
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Die Stadt ist ein Touristenmagnet – das macht auch Hotelinvestments interessant.

von Hans-Peter SiebenhaarQuelle:Handelsblatt Online

Die österreichische Hauptstadt ist die am schnellsten wachsende Stadt im deutschsprachigen Raum. Davon profitiert auch der Immobilienmarkt – und lockt Investoren wie die Immobilientochter der Hamburger Privatbank Warburg.

WienVom neuen Büro am Wiener Donaukanal hat Martin Sabelko seinen Markt fest im Blick. Im obersten Stock des Verlagshochhauses, das die frühere österreichische Gruner + Jahr-Tochter in guten Zeiten quasi allein nutzte, bietet sich ein spektakuläres Panorama über die 1,85 Millionen Einwohner große Stadt. Viel Zeit, um den faszinierenden Ausblick über das Häusermeer zu genießen, wird der Wiener Immobilienmanager aber nicht haben.

Als frisch gebackener Österreich-Chef des Hamburger Immobilieninvestors Warburg-HIH Invest hat er die Aufgabe, schleunigst nach Investitionsprojekten wie Büros, Einkaufszentren und Hotels Ausschau zu halten. Die Tochter der 1798 gegründeten Privatbank M.M. Warburg aus der Hansestadt und der Immobilienfirma HIH Real Estate hat in Österreich Großes vor.

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Die Expansion mit eigenem Büro in Wien ist kein Zufall. Die österreichische Hauptstadt boomt dankt der Zuwanderung und eines zuletzt guten Wirtschaftswachstums.  „Mit bis zu 43.000 neue Bürgern wachsen wir schneller als das doppelt so große Berlin“, sagt der Wiener Wohnbaustadtrat Michael Ludwig nicht ohne Stolz und ergänzt: „Wir gehen davon aus, dass Wien in Zukunft um jährlich 25.000 Einwohner wächst. Die Grenze von zwei Millionen Einwohnern werden wir in den nächsten Jahren überspringen.“

Der Sozialdemokrat gilt als Favorit für die Nachfolge des langjährigen Wiener Bürgermeisters Michael Häupl. Während die Stadt massiv in den sozial geförderten Wohnbau investiert, werden attraktive Gewerbeimmobilien allmählich zur Mangelware. Die Leerstandquote bei Büros und Läden liegt nach Einschätzung von Marktteilnehmern bei unter fünf Prozent. Das hat Vorteile: Die hohe Nachfrage sorgt für ein wenig volatiles Preisniveau.

Diese Marktbedingungen locken zunehmend auch Investoren aus Deutschland an. „Österreich ist ein sehr stabiler Markt“, resümiert Sabelko, seit rund drei Dekaden im Immobiliengeschäft. Traumrenditen sind freilich in der Alpenrepublik nicht zu erzielen. Doch das ist auch gar nicht so wichtig. Denn bei Warburg-HIH Invest wollen institutionelle Anleger wie Pensionsfonds und Versicherer sicher, stabil und langfristig anlegen. Der schnelle Euro ist nicht das Ziel.

Für den Hamburger Investor – seit anderthalb Jahrzehnten im Markt - spielte Österreich bislang nur eine bescheidene Nebenrolle. Von den 6,3 Milliarden Euro an Assets sind nach Unternehmensangaben lediglich zehn Prozent in der Alpenrepublik, vor allem in Wien, investiert. Das soll sich schleunigst ändern. „Wir wollen das Investment zeitnah verdoppeln“, verkündet Sabelko, ohne einen konkreten Zeitpunkt zu nennen. Doch der promovierte Jurist lässt durchblicken, schnell soll es schon gehen. Vielleicht ein oder zwei Jahre. Doch sein unternehmerischer Erfolg hängt von den Gewerbeobjekten ab, die auf den Markt kommen. Und deren Zahl ist angesichts des geringen Leerstands vergleichsweise gering.


Auch kleinere Städte bieten Chancen

Warburg-HIH Invest hält neben Büros und Läden auch Ausschau nach Hotelimmobilien. Schließlich funktioniert Wien als Tourismusmetropole so gut wie noch nie in seiner Geschichte. Für dieses Jahr werden Rekordzahlen vermeldet. Angesichts der Überfüllung des Marktes mit Fünf-Sterne-Hotels setzt der Hamburger Investor auf Herbergen im Drei- und Vier-Sterne-Bereich.

Sabelko, der zuletzt etliche Jahre in Prag arbeitete, soll auch nach Gewerbeimmobilien in Tschechien und Ungarn Ausschau halten. Angesichts des guten Wirtschaftswachstums ist der Bedarf nach Büros in Prag und Budapest groß. Insbesondere das Land der Magyaren fassen die Investoren angesichts der rechtspopulistischen Regierung unter Ministerpräsidenten Viktor Orbán aber eher mit spitzen Fingern an. „Ungarn polarisiert auf der Anlegerseite“, bekennt Alexander Egger, Geschäftsführer der Warburg-HIH Invest, offenherzig. „Einige schließen Ungarn aus.“

Was bleibt ist Österreich als sicherer Hafen. Deshalb will sich der Immobilieninvestor der Privatbank Warburg auch nicht nur auf Wien allein stützen. Auch in Städten wie Salzburg, Linz oder Innsbruck hält der neue Marktteilnehmer nach Objekten Ausschau. „Wir wollen in Österreich sehr schnell wachsen“, sagt Eggert. Nach Angaben der Wirtschaftskammer stiegen die Mieten für Büro im laufenden Jahr landesweit um 2,7 Prozent. Die durchschnittliche Nettomiete zwischen Bodensee und Neusiedler See liegt dabei bei 7,50 Euro pro Quadratmeter. In Wien hingegen werden stabile Spitzenmieten von 26 Euro erreicht.

Doch attraktive Projekte für Investoren sind Mangelware. Ein großer österreichischer Immobilienentwickler bekennt hinter vorgehaltener Hand: „An Geld fehlt es uns nicht, aber an attraktiven Grundstücken.“ Denn der Markt ist weitgehend leer gefegt. Traditionell sammelt die Stadt Wien wichtige Grundstücke. „Wir betreiben systematisch eine Bevorratung mit Grundstücken. Derzeit verfügen wir über 2,8 Millionen Quadratmeter. Viele Grundstücke stammen von der Bahn, vom Militär oder aus landwirtschaftlicher Nutzung", sagt Wohnbaurat Ludwig. Diese Flächen fehlen natürlich privaten Investoren, die nur zu gerne mehr Gewerbeimmobilien an der Donau aus dem Boden stampfen würden.

Denn eines ist den Hamburgern klar. „Wir machen bei der Lage keine Kompromisse“, sagt Immobilieninvestor Eggert. Warburg HIS Invest ist in einer starken Position. Denn viele Investments werden ohne Fremdkapital gemacht. Das schützt auch vor der Gefahr von Verwerfungen, sollte die Niedrigzinsphase früher zu Ende gehen als erwartet.

Die Befürchtungen der Markt in Wien könnte sich überhitzen, hat der Hamburger Investor unterdessen nicht. „Ich sehe einen heißen Markt, aber keine Blase“, sagt Österreich-Chef Sabelko und lächelt zufrieden.

Quelle:  Handelsblatt Online
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