Immobilienmesse Expo Real: Gekommen, um Geschäfte zu machen

Immobilienmesse Expo Real: Gekommen, um Geschäfte zu machen

, aktualisiert 04. Oktober 2016, 09:13 Uhr
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Für die Immobilienszene ein entscheidendes Treffen: die Expo Real.

von Anne WiktorinQuelle:Handelsblatt Online

Hochstimmung auf Europas Immobilienmärkten: Die Nachfrage nach Mietshäusern, Bürotürmen und Shoppingcentern, Hotels, Lagerhallen und sogar nach Parkhäusern oder Pflegeheimen ist groß. Die Branche hat nur ein Problem.

MünchenAb Dienstag treffen sich in München Immobilieninvestoren und -manager aus der ganzen Welt. Sie kommen, um Geschäfte zu machen – und die Großwetterlage zu diskutieren. Wie gut die Laune in der Branche ist, das werden die Besucher der alljährlich in München stattfindenden internationalen Immobilienmesse Expo Real ab Dienstag live erleben können.

Bis Donnerstag trifft sich die Branche in der bayerischen Landeshauptstadt – und zumindest so viel kann man schon sagen: Es wird voll werden in den insgesamt sechs Ausstellungshallen. Denn gegenüber 2015 stieg die Zahl der Aussteller, die sich mit einem eigenen Stand auf der Messe präsentieren, noch einmal um gut drei Prozent auf 1.764. Und vieles spricht dafür, dass damit auch die Zahl der Teilnehmer erneut steigen wird: Im vergangenen Oktober reisten knapp 38.000 Immobilienexperten an die Isar, fast 30 Prozent von ihnen kamen aus dem Ausland.

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Auch in diesem Jahr wieder mit dabei sein wird Timothy Horrocks, verantwortlich für Investments in Kontinentaleuropa bei TH Real Estate. Die Immobilientochter des US-Pensionsfonds TIAA, einer der größten seiner Art, zählt mit 97 Milliarden Dollar Immobilienvermögen zu den Schwergewichten am Investmentmarkt. „Die Expo Real ist immer noch das zentrale Ereignis der Immobilienbranche“, beschreibt Horrocks die Rolle der Münchner Messe. „Wir nutzen sie in diesem Jahr, um Gespräche mit Kunden und Geschäftspartnern, aber auch möglichen Verkäufern von Logistik- und Einzelhandelsimmobilien zu führen“, kündigt er an.

Auch Iris Schöberl, die für den in London ansässigen Assetmanager der kanadischen Bank BMO das Immobilieninvestmentgeschäft in Deutschland leitet, hält die Münchner Messe für „einen der international zentralen Branchentreffs“. Selbstverständlich seien auch ihre europäischen Kollegen aus London und Paris vor Ort: „Die europäischen Märkte und insbesondere Deutschland werden für internationale Investoren noch interessanter werden“, prognostiziert sie – was den Wettbewerb um attraktive Immobilien noch verschärfen werde.

Das bestätigt Timo Tschammler, Mitglied der Deutschland-Geschäftsführung des internationalen Immobilienberatungshauses JLL. „Fakt ist und bleibt, dass Deutschland weit oben auf der Beliebtheitsskala der Immobilieninvestoren steht und immer noch attraktive Anlagemöglichkeiten für alle Arten von Investorentypen und alle Risikoprofile bietet“, beschreibt er die aktuelle Situation. Daran ändere auch nichts, dass sich der Investmentrekord aus dem vergangenen Jahr 2016 nicht wiederholen werde: In den ersten neun Monaten dieses Jahres investierten Käufer deutschlandweit knapp 33 Milliarden Euro in Bürogebäude, Einkaufszentren, Hotels oder andere gewerblich genutzte Gebäude. Im selben Zeitraum des Vorjahres waren es 14 Prozent mehr.

Dies aber sei keinesfalls ein Ausdruck nachlassenden Interesses: „Es könnte mehr Kapital investiert werden, aber es fehlt das adäquate Angebot“, sagt Tschammler. Nachdem sich die Kauflust der Investoren zwischen Juli und September noch einmal deutlich erhöht habe, werden Käufer laut JLL-Prognose am Jahresende bis zu 50 Milliarden Euro für deutsche Gewerbeimmobilien ausgegeben haben. „Damit würde sich das Jahr 2016 auf Platz drei in der historischen Betrachtung hinter 2007 und 2015 einreihen“, rechnet Tschammler vor.


Diskussionen über die Folgen des Brexit

Optimistisch sind die Berater auch deshalb, weil Käufer gern groß denken: Allein 38 Einzelgebäude und Immobilienpakete jenseits der 100-Millionen- Euro-Marke wechselten zwischen Juli und September in Deutschland die Besitzer. Das sind acht Deals mehr als im gesamten Halbjahr zuvor. Vier der fünf größten Transaktionen des Jahres 2016 wurden im dritten Quartal abgeschlossen, dazu unter anderem der Verkauf eines deutschlandweiten Portfolios mit 68 Pflege- und Seniorenheimen für fast eine Milliarde Euro an einen französischen Investor sowie der Verkauf des Commerzbank-Hochhauses in Frankfurt für mehr als 650 Millionen Euro an den südkoreanischen Samsung-Konzern.

An den drei Messetagen in München werden Investoren und Verkäufer, Immobilienfinanzierer und -berater aber nicht nur begonnene Verhandlungen zu Ende bringen oder neue Geschäfte anbahnen. Sie werden die Zeit auch dafür nutzen, über die aktuell drängendsten Fragen der Branche zu diskutieren. „Der Brexit wird sicher viele Gespräche und Foren auf der Expo Real bestimmen“, ist T. Timothy Horrocks von TH Real Estate überzeugt. „Die Unsicherheit über die weiteren Entwicklungen ist in ganz Europa deutlich zu spüren.“ Die Frage, wie sich die Konjunktur nach einem Austritt der Briten aus der Europäischen Union entwickeln wird und welche Folgen dies für die Immobilieneigentümer und -investoren haben wird, ist ein zentrales Thema zahlreicher Diskussionsveranstaltungen im Rahmenprogramm der Messe.

Nicht zuletzt beschäftigt sich die Expo Real diesmal auch mit den Wohnungsmärkten – ein Thema, das noch vor Jahren kaum eine Rolle auf der ausdrücklich auf gewerblich genutzte Immobilien beschränkten Messe spielte. Seitdem aber große institutionelle Investoren wie Versicherer, Pensionskassen und Versorgungswerke wieder ausgesprochen gern in Wohnimmobilien investieren, sind Wohnungsspezialisten auch in München gern gesehen.

Klaus Niewöhner-Pape reist deshalb in diesem Jahr zum ersten Mal nach München. Niewöhner-Pape ist Chef von Industria Wohnen. Die Tochtergesellschaft der Degussa Bank ist auf Wohninvestitionen spezialisiert und berät im Verbund mit der Privatbank M.M. Warburg sowohl institutionelle als auch Privatkunden beim Investment in deutsche Wohnimmobilien. „Wir sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen“, erläutert der Manager, nun sei es an der Zeit, sich in München einem größeren Publikum zu präsentieren.

Niewöhner-Pape will in München vor allem Projektentwickler treffen. Denn wer auf dem zur Zeit hart umkämpften Markt für Neubauprojekte bestehen will, muss schneller sein als der Wettbewerber – und das gelingt am besten mit guten Kontakten. Die können inzwischen auch Wohnungsexperten offenbar am besten in München knüpfen, sagt der Industria-Wohnen-Chef: „Auf der Expo Real treffen wir alle für uns wichtigen Marktteilnehmer an einem Ort.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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