IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick: "Makler und Vermieter werden zum Sündenbock gemacht"

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InterviewIVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick: "Makler und Vermieter werden zum Sündenbock gemacht"

von Andreas Toller

Ab dem 1. Juni zahlt den Wohnungsmakler, wer ihn bestellt. Mieter sind froh, weil Vermieter künftig die Provision zahlen. Für Mieter wird es trotzdem schwieriger und teurer, prophezeit Jürgen Schick, Vizepräsident des größten Maklerverbandes IVD.

WirtschaftsWoche: Dass Vermieter künftig die Maklercourtage zahlen, wenn sie diesen mit der Wohnungsvermittlung beauftragt haben, klingt fair. Warum wehrt sich Ihre Branche gegen dieses Bestellerprinzip?

Jürgen Michael Schick: Wir haben von Anfang an gesagt, ein echtes Bestellerprinzip ist nichts, was den Maklern Sorge bereiten muss. Die Branche hat sich aber darüber geärgert, was der Gesetzgeber auf den Weg gebracht hat, weil er eben kein echtes Bestellerprinzip verabschiedet hat. Das ist ein großer Etikettenschwindel.

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Was stört Sie konkret?

Im Ergebnis ist das ein vermieterfeindliches Gesetz,  weil Vermieter in 99 Prozent der Fälle den Makler bezahlen müssen. Die Vermittler kannten bisher zwei Modelle: In entspannten Wohnungsmärkten war es bisher schon der Vermieter, der überall da, wo es weniger Nachfrage als Angebot gab, die Maklercourtage übernommen hat. In Großstädten war es häufig so, dass der Mieter die Provision übernommen hat. Das entfällt jetzt in Zukunft. 

Was Mieter und Vermieter über das Bestellerprinzip für Makler wissen müssen

  • Um was geht es beim Bestellerprinzip für Makler?

    Bislang kann ein Vermieter oder Immobilienverkäufer einen oder mehrere Makler mit der Vermittlung beauftragen, zahlen musste aber regelmäßig nur der Mieter bzw. der Käufer. Das Bestellerprinzip besagt vereinfacht, dass künftig derjenige den Makler bezahlt, der ihn beauftragt hat. Vorerst findet dieses Prinzip jedoch auf dem Mietmarkt Anwendung. Für Immobilienkäufer und -verkäufer bleibt alles beim alten.

  • Warum ändert die Bundesregierung die bisherigen Regeln?

    Viele Mieter empfinden die bisherige Regelung als ungerecht. Sie müssen einen Makler bezahlen, von dessen Dienstleistung sie kaum profitieren. Aus Ihrer Sicht sind in der bislang gängigen Praxis horrende Beträge für ein oder zwei Wohnungs- bzw. Hausbesichtigungen fällig, wenn es zum Vertrag kommt. Die eigentliche Vermittlungsleistung eines Maklers ist aber vor allem für den Auftraggeber hilfreich, weil sie ihm viel Aufwand erspart. Bezahlen muss sie jedoch der Mieter.

  • Gab es vor der Gesetzesnovelle gar kein Bestellerprinzip?

    Wenn Wohnungssuchende einen Makler mit der Suche nach einer geeigneten Immobilie beauftragt haben, mussten sie auch vor der Gesetzesnovelle schon die Maklerkosten übernehmen. Oftmals anzutreffen ist auch die provisionsfreie Vermittlung von Neubauten, weil der Bauträger die Vermittlung durch eigenes Personal oder aber die Maklerkosten für einen externen Makler übernahm. Allerdings ist dann davon auszugehen, dass diese Kosten in den aufgerufenen Preisen für Häuser und Wohnungen einkalkuliert sind.

  • Wo ist das Bestellerprinzip für Immobilienmakler geregelt?

    Das Bestellerprinzip ist im Rahmen des Mietrechtsnovellierungsgesetz (MietNovG) geregelt, das unter anderem auch die Mietpreisbremse einführt.

  • Ab wann gilt das Bestellerprinzip?

    Das Gesetz tritt am 1. Juni 2015 in Kraft. Ab diesem Stichtag bezahlt grundsätzlich derjenige den Makler, der ihn beauftragt hat. Die Regelung ist auf den Mietmarkt beschränkt. Der Immobilienverband IVD, in dem etwa 6000 Makler organisiert sind, fordert noch eine Übergangsfrist. Umstritten ist etwa, wie mit Makleraufträgen umgegangen werden muss, die vor Inkrafttreten des Gesetzes vergeben wurden.

  • Was ändert sich für Mieter?

    Für Mieter ist zukünftig zumindest finanziell egal, ob eine Wohnung vom Makler oder vom Vermieter selbst angeboten wird. Die Maklerprovision; auch Courtage genannt; entfällt. Derzeit wird noch rund die Hälfte der Wohnungen in Deutschland durch Makler vermittelt, schätzt der Immobilienverband IVD.

  • Wann müssen Mieter den Makler trotzdem bezahlen?

    Ab dem 1. Juni 2015 zahlen Mieter den Makler nur noch, wenn sie ihn beauftragt haben und - wichtige Zusatzbedingung - der Makler daraufhin eine Wohnung anbietet, die niemandem sonst angeboten hat.

  • Was ändert sich für Vermieter?

    Da für Vermieter die Beauftragung eines Maklers bisher meist kostenlos war, ihnen aber viel Aufwand, Zeit und ein strapaziertes Nervenkostüm ersparte, war für sie die Beauftragung eines Maklers bisher ohne Nachteile. Muss nun der Auftraggeber den Makler zahlen, dürften viele Vermieter auf seine Dienste verzichten und sich selbst um Inserate, Terminabsprachen, Wohnungsbesichtigungen und Vertragsvorbereitungen kümmern. Zumindest rechnet die große Mehrheit der Immobilienmakler damit, dass durch das Bestellerprinzip die Vermittlung in Eigenregie deutlich zunehmen wird.

  • Mit welchen Konsequenzen rechnet die Maklerbranche?

    Einer Umfrage der Immobilienplattform immowelt.de zufolge rechnen 69 Prozent der Makler damit, dass sich das Bestellerprinzip negativ auf ihr Geschäft auswirken wird. Beim Immobilienportal Immobilienscout24 rechnen die Fachleute mit einem Rückgang der Aufträge durch Vermieter um 40 Prozent. Vor allem in begehrten Großstadtlagen dürften Makler Geschäft einbüßen. Dort haben sie bislang leichtes Spiel, da dort die Nachfrage von Mietern meist größer ist als das Angebot. Für Vermieter wird es dort leichter, auf eigene Faust Interessenten aufzutun und sich daher zweimal überlegen, ob sie die Maklercourtage zu zahlen bereit sind. Viele Makler dürften sich daher zunehmend auf gefragte Service-Leistungen - etwa Lageanalyse, Immobilienbewertung und Verkaufsberatung - konzentrieren.

  • Was ändert sich in Wohnungsanzeigen?

    Insgesamt dürfte die Zahl der Suchanzeigen deutlich zunehmen. Schreckten bisher viele davor zurück, weil sich vorrangig Makler meldeten, ist das ab dem 1. Juni für die Übernahme der Maklerkosten bedeutungslos. Provisionshungrige Makler benötigen erst einen Auftrag von den Wohnungssuchenden, damit sie die Courtage verlangen können. In der Regel dürfte der Auftrag zur Wohnungsvermittlung von den Vermietern kommen.

Aber Mieter sollen doch auch weiterhin den Makler bezahlen, wenn Sie ihm den Auftrag zur Wohnungssuche erteilt haben. Was wäre denn ein echtes Bestellerprinzip?

Immer wenn es beiden Parteien, dem Vermieter und dem Mieter, tatsächlich möglich ist, einen Wohnungsvermittler entweder mit der Suche oder der Vermietung einer Wohnung zu beauftragen, würden wir von einem echten Bestellerprinzip nach marktwirtschaftlichen Prinzipien sprechen. Herausgekommen ist aber ein Gesetz, wonach ein Mieter gar keinen Suchauftrag mehr wirksam an den Makler übertragen kann. Die Idee des Gesetzgebers, dass Mieter einen Wohnungsvermittler beauftragen, ist lebensfremd. Das ist ein Gesetz, bei dem der Vermieter immer bezahlt. Hätte der Gesetzgeber das gleich so reingeschrieben, dann hätte man auch darüber streiten können, aber das wäre ehrlich, klar und einfach gewesen. Herausgekommen ist ein völlig verkompliziertes, verquastes Gesetz, das den verunsicherten Verbraucher zurück lässt. Der Mietsuchende ist dabei der Leidtragende.

Welche deutschen Städte bei Investoren angesagt sind

  • Umfrage

    Welche Städte sind bei Investoren besonders beliebt? Die Daten sind dem Trendbarometer Immobilien-Investmentmarkt von EY Real Estate entnommen. Es wurden 15 europäische Immobilienmärkte inklusive Deutschland untersucht. Geantwortet haben insgesamt rund 500 europäische Unternehmen und Investoren. Wortlaut der Frage: „Welche deutschen Standorte stehen im Jahr 2014 besonders in Ihrem Investmentfokus?“

  • Platz 7

    Stuttgart

    20 Prozent

  • Platz 6

    Düsseldorf

    21 Prozent

  • Platz 5

    Frankfurt

    22 Prozent

  • Platz 4

    Hamburg

    23 Prozent

  • Platz 3

    München

    25 Prozent

  • Platz 2

    Köln

    26 Prozent

  • Platz 1

    Berlin

    36 Prozent

Warum der Mieter?

Ich will das an einem Beispiel deutlich machen:  Wenn Sie von Düsseldorf nach Hamburg ziehen wollen, aber keine Zeit für Wohnungsbesichtigungen vor Ort haben, würden Sie wahrscheinlich einen Makler in Hamburg um passende Wohnungsangebote bitten. Ab dem 1. Juni werden Sie aber das Problem haben, dass der ihnen keine Wohnung zeigen darf, die er schon in seinem Repertoire hat. Der Vermittler muss nach dem neuen Gesetz komplett neu zu suchen und potenzielle Vermieter fragen, ob sie denn eine Wohnung haben, die auf das Gesuch passt. Wenn er dann nach einigen Wochen die passende Wohnung gefunden hat, kann er ihnen diese zeigen. Wenn ihnen die Wohnung aber nicht gefällt, weil sie wahrscheinlich nicht die erstbeste nehmen, - im Durchschnitt gucken die Mieter in Deutschland acht Wohnungen an – kann er diese Wohnung keinem anderen mehr provisionspflichtig anbieten – das schließt das Gesetz aus. Die Wohnung ist für ihn sozusagen verbrannt. Das bedeutet im Ergebnis, dass der Makler seinem Auftraggeber zunächst gar keine Wohnung zeigen kann und nach ein paar Wochen vielleicht eine. Die Vorstellung, dass er Sie an einem freien Samstag durch Hamburg führt und Ihnen ein paar Wohnungen zeigt, ist völlig illusorisch. Wenn ein Wohnungssuchender in eine andere Stadt zieht, kann er diese Dienstleistung nicht mehr nachfragen.

Lässt sich die Vorschrift der exklusiven Wohnungsangebote durch neue Service-Angebote seitens der  Makler umgehen? Etwa, indem der Wohnungssuchende den Makler von der Exklusivitätspflicht befreit?

Das wäre eine glatte Umgehung mit einem Bußgeldtatbestand von 25.000 Euro. Das wird kein vernünftiger Dienstleister machen – und davon kann man auch nur dringend abraten.

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