Kostenexplosion: Mieten drücken Familien unter Hartz-IV-Niveau

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Kostenexplosion: Mieten drücken Familien unter Hartz-IV-Niveau

Wegen hoher Mieten rutschen viele einkommensschwache Familien unter Hartz-IV-Niveau. In 60 von 100 Städten haben sie nach Abzug der Miete weniger Geld zur Verfügung als den Hartz-IV-Regelsatz.

Durch die Mietausgaben haben in vielen größeren Städten in Deutschland einkommensschwache Familien einer Studie zufolge weniger Geld zur Verfügung als Hartz-IV-Haushalte. In 60 der 100 größten Städte blieben einer vierköpfigen Familie, die weniger als 60 Prozent des ortsüblichen mittleren Einkommens verdiene, nach Abzug der Miete weniger als 1169 Euro übrig, erklärte die Bertelsmann-Stiftung am Montag.

Die Mietpreise erhöhten somit das Armutsrisiko: Die Zahl der in armen Verhältnissen aufwachsenden Kinder insgesamt sei größer als nur die Zahl der Kinder, deren Familien die Grundsicherung Hartz IV bezögen. Bundesweit leben derzeit rund 1,63 Millionen Kinder unter 14 Jahren in Hartz-IV-Haushalten. Das sind rund 15 Prozent dieser Altersgruppe.

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Was ist ein Mietspiegel?

  • Was ist ein Mietspiegel?

    Ein Mietspiegel ist eine Übersicht über die ortsübliche Vergleichsmiete. Er soll es dem Mieter erleichtern, die Angemessenheit von Mieterhöhungen zu überprüfen. Es gibt einfache und qualifizierte Mietspiegel. Letzterer muss nach wissenschaftlichen Grundsätzen erstellt worden sein. Mieterhöhungen müssen sich an solchen Übersichten orientieren. Der Mieter muss der Mieterhöhung zustimmen.

    Stand: Juli 2013

  • Was hat der BGH entschieden?

    Bei den Verfahren ging es darum, ob manche Stadtteile so außergewöhnlich sind, dass bei ihnen ein eigener Mietspiegel gerechtfertigt ist. Das hat der BGH verneint. In den Fällen ging es um eine ehemalige Zechen- und eine ehemalige Soldatensiedlung. Solche Siedlungen sind in der Regel immer noch deutlich billiger als andere Mietwohnungen. Mit seinen Urteilen hat der BGH nun entschieden, dass auch für solche Siedlungen der Mietspiegel der Gemeinde maßgeblich ist.

  • Hat dies etwas zu tun mit der Frage nach bezahlbaren Wohnraum?

    Wegen der großen Nachfrage gibt es vor allem in Großstädten, Ballungszentren und angesagten Universitätsstädten zu wenig günstige Wohnungen. Da Vermieter bei Neuvermietungen nicht an Mietspiegel gebunden sind, erhöhen sie nach Angaben des Deutschen Mieterbundes die Mietpreise um bis zu 40 Prozent gegenüber der ortsüblichen Vergleichsmiete. Auf Dauer werden sich die höheren Preise auf die Mietspiegel auswirken und damit auf die Mieten aller.

  • Für wen ist das Urteil relevant?

    Unmittelbar für die Mieter der Zechen- und ehemaligen Soldatensiedlung, über deren Fall entschieden wurde. Aber letztlich ist die Entscheidung für alle Mieter von Bedeutung - zumindest überall da, wo es Mietspiegel gibt, aber Vermieter mit Sachverständigengutachten arbeiten.

  • Was fordert der Deutsche Mieterbund?

    Der Deutsche Mieterbund sieht den sozialen Frieden durch die ständig steigenden Mieten gefährdet. Er fordert daher, dass vor allem im mittleren und unteren Preissegment deutlich mehr Wohnungen gebaut werden. Er möchte außerdem eine Obergrenze für Wiedervermietungen und Mieterhöhungen. Außerdem fordert der Mieterbund, dass bei der ortsüblichen Vergleichsmiete künftig alle Mieten berücksichtigt werden und nicht nur die teuren Abschlüsse der letzten Jahre.

In Jena etwa kommt laut der Modellrechnung der empirica AG im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung eine einkommensschwache Familie nach Abzug der Mietkosten auf monatlich 666 Euro. Ihr verfügbares Einkommen liege damit 43 Prozent unter dem Niveau der Grundsicherung. Ähnliche Auswirkungen hätten die Wohnkosten in Frankfurt am Main, Freiburg und Regensburg. "Familien aus der unteren Mittelschicht und oberen Unterschicht geraten in Städten mit angespanntem Wohnungsmarkt finanziell stark unter Druck. Armut muss in Deutschland stärker regional erfasst und bekämpft werden", sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.

Jeder zweite Euro geht für die Miete drauf

Das regionale Einkommens- und Mietpreisniveau kann sich umgekehrt auch positiv bemerkbar machen. In Heilbronn etwa, wo relativ hohe Durchschnittseinkommen auf einen entspannteren Wohnungsmarkt träfen, habe eine einkommensschwache Familie im Durchschnitt 1941 Euro zum Lebensunterhalt übrig. Das seien 66 Prozent mehr als in der Grundsicherung.

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Dementsprechend unterscheide sich der Anteil der Wohnkosten am gesamten Familieneinkommen. In Frankfurt am Main, Jena, Freiburg und München müssten einkommensschwache Familien mindestens jeden zweiten Euro für die Miete ausgeben, in anderen Städten nur jeden fünften Euro. Im Bundesdurchschnitt liegen die Mietausgaben bei etwa 30 Prozent des Haushalts-Einkommens.

Grundlage der Studie waren den Angaben zufolge Daten der amtlichen Haushaltsbefragung 2011 (Mikrozensus) und empirica-Daten zu den Preisen von Immobilienangeboten.

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