Metropolen: Immobilienpreise schießen nach oben

Metropolen: Immobilienpreise schießen nach oben

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Treppe

von Stefan Hajek

Kapitalanleger, die Inflation fürchten, reißen sich um Wohnungen. Familien und Paare wollen endlich in die eigenen vier Wände. In den begehrten Vierteln der Metropolen tobt ein bizarrer Kampf um die letzten guten Objekte.

Tut der Typ im hellen Blazer nur so, als ginge ihn das alles nichts an? Ist er jetzt tatsächlich eingenickt? Was tippt der Graumelierte dauernd in seinen Taschenrechner? Und warum fächelt sich die Dicke in der letzten Reihe ständig mit dem Exposé Luft zu? Die Fenster stehen doch offen, und es zieht übel an diesem verregneten Julimorgen, hier, im kalten Saal 18 des Amtsgerichts zu Köln.

Oliver Haas kennt sie alle: die Nervösen, die Nägel kauen, mit dem Finger schnippen, wie Klassenstreber. Die Abgezockten, die regungslos dasitzen, bis zum dritten Aufruf des Auktionators warten und in letzter Sekunde das Höchstgebot abgeben. Und die Hinterlistigen, die andere Interessenten schon mal in den falschen Saal schicken. Mehr als 6000 Zwangsversteigerungen hat der Kölner mitgemacht, 300 pro Jahr, "die meisten unspektakulär, aber in letzter Zeit auch rasante Bietergefechte". Haas sucht „schwer vermittelbare Objekte“, mit Wasserschäden, säumigen Mietern oder Grundbuchlasten. Wenn er glaubt, ein Haus könnte nach "dem Beseitigen der Flöhe etwas einbringen", kauft er.

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Häuser ohne schwere Macken gibt es ohnehin kaum noch. Nicht in den Großstädten. Dort gehen gute Objekte bei Versteigerungen jetzt mitunter für den doppelten Schätzwert weg. Das liege an den vielen neuen Bietern, sagt Haas. „Früher waren Zwangsversteigerungen reines Insider-Business, heute drängeln sich dort schon mal 100 Amateure – wenn der Termin überhaupt zustande kommt.“ Immer öfter reist der Versteigerungsprofi umsonst an: Reiche Anleger rissen sich die Objekte schon vorher unter den Nagel, vermutet er, „die rennen zur Gläubiger-Bank, die das Verfahren betreibt, und legen dort das Geld auf den Tisch“.

Schnäppchenjäger haben es mittlerweile schwer auf dem deutschen Immobilienmarkt – nicht nur auf Zwangsversteigerungen. Makler berichten von sprunghaft gestiegener Nachfrage bei zugleich ausdünnendem Angebot. Immobilienfinanzierer machen Überstunden; Notare haben Terminprobleme; Bausparkassen werden von Immobilien-Suchenden überrannt. In Metropolen wie Hamburg und München hat ein Run auf die letzten Immobilien in guten Lagen eingesetzt: Kapitalanleger gegen Selbstnutzer, Jung gegen Alt, Einheimische gegen auswärtige Investoren, Betongold-Fans gegen Stuck-Liebhaber – jeder gegen jeden. Er könne sich „auch in Deutschland eine Immobilienblase vorstellen“, sagt der Kölner Vermögensverwalter Bert Flossbach, „vielleicht sind wir schon drin“.

In manchen Großstädten verzeichnet der Hypotheken-Vermittler Interhyp bis zu zehn Kreditanfragen verschiedener Interessenten für ein und dasselbe Objekt. Interhyp vermittelte im ersten Quartal 37 Prozent mehr Kredit als im Vorjahr, Wettbewerber Hypoport verschaffte im zweiten Quartal privaten Käufern 53 Prozent mehr Kredite. Ständig und überall suchen Interessenten nach geeigneten Objekten.

Zwei Vermessungsingenieure eines Straßenbauunternehmens aus dem Münchner Süden malten sich kürzlich ein großes Schild: „Kein Wohnungsbau!“ Sie waren es leid, ständig von Spaziergängern angesprochen zu werden: „Wird hier gebaut? Kann man da noch investieren?“ Laut Marktforscher Savills ist besonders die Nachfrage der kapitalkräftigen Großanleger hoch: Sie kauften im ersten Halbjahr 2011 rund 53 Prozent mehr Wohnimmobilien als im gleichen Vorjahreszeitraum. Und das Angebot wird knapp, vor allem in den Ballungsräumen.

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