Mietniveau soll sinken: Wohnen in London – bald für jedermann?

Mietniveau soll sinken: Wohnen in London – bald für jedermann?

, aktualisiert 23. September 2016, 08:08 Uhr
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Londons neuer Bürgermeister Sadiq Khan verspricht günstigen Wohnraum – doch sein Vorhaben ist enorm schwer umzusetzen.

Quelle:Handelsblatt Online

In London zahlen Einwohner bis zu zwei Drittel des Einkommens für ihre Wohnung. Der neue Londoner Bürgermeister Sadiq Khan will nun sein Wahlversprechen einlösen: Mehr Wohnraum schaffen und dadurch das Mietniveau senken.

LondonEr weiß, wie es ist, in beengten Verhältnissen zu leben. Mit seinen Eltern und sieben Geschwistern wuchs Sadiq Khan in einer Drei-Zimmer-Wohnung im Süden der britischen Hauptstadt auf. Der Platz sei zwar knapp gewesen, sagt Londons neuer Bürgermeister später in Interviews, „aber die Miete war bezahlbar“ für seinen Vater – einen pakistanischen Einwanderer, der als Busfahrer arbeitete. Jeden Monat konnte dieser zudem einen Teil seines Einkommens beiseite legen, bis das Ersparte ausreichte, um sich ein Haus zu kaufen.

Dafür reicht es bei vielen Menschen, die in London leben, angesichts steigender Mieten und Immobilienpreise inzwischen nicht mehr. Das will Khan ändern und mehr bezahlbaren Wohnraum schaffen. Dies war bereits eines seiner großen Versprechen vor seiner gewonnenen Wahl im Mai dieses Jahres. Nun hat er sein Vorhaben konkreter gemacht.

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Beim Besuch eines New Yorker Wohnprojekts für Geringverdiener hat er Details seiner Pläne für London bekannt gegeben. Khan hat dabei ein ambitioniertes Ziel im Visier: In Zukunft soll jedes zweite Haus, das in der britischen Hauptstadt neu gebaut wird, für Menschen aus der Unter- und Mittelschicht erschwinglich sein.

Nach Khans Vorstellung sind das Haushalte, die auf ein Jahreseinkommen von 35.000 Pfund bis 45.000 Pfund (umgerechnet 52.000 Euro) kommen. Diese sollen künftig bei dem vom Bürgermeister geförderten Projekt nicht mehr als ein Drittel ihrer Einnahmen für Miete zahlen – also etwa 1000 Pfund im Monat.

Die durchschnittliche Kaltmiete in London für eine Zwei-Zimmerwohnung liegt derzeit bei 1500 Pfund, also umgerechnet rund 1750 Euro, und ist nach Angaben des Immobilienversicherungsportals Homelet zuletzt um vier Prozent gestiegen. Experten zufolge geben Londoner teilweise zwei Drittel ihres Monatseinkommens für ihre Wohnung aus. Zum Vergleich: Ein Münchner muss laut dem Immobilienverband im Durchschnitt 24 Prozent seines Gehalts für die Miete aufbringen.


Taten müssen folgen

Schon Khans Vorgänger Boris Johnson warb mit mehreren Plänen, 55.000 neue Wohnungen in London zu bauen und so den durch Nachfragedruck verursachten Preisanstieg zu verlangsamen. Bis zum Ende seiner Amtszeit gelang ihm das nicht. „Unsere Stadt braucht mehr als 50.000 neue Wohnungen im Jahr“, sagt Khan vor seiner Wahl. Auf eine genaue Zahl möchte er sich aber bis heute nicht festlegen.

Paul Cheshire, Immobilienexperte und ehemaliger Geografie-Professor an der London School of Economics (LSE), sah bereits Johnsons Pläne kritisch. Auch Khans Versprechen sei nur schwer zu erfüllen. „Das Ziel ist zwar erstrebenswert, aber um es zu erreichen, bräuchte man einen Zauberstab“, sagt Cheshire.

Für neue Wohnungen gebe es schlicht nicht genügend Bauland. Solange es Regelungen gebe, die die Höhe neuer Bauten begrenzen und den Hausbau auf Grünflächen verbieten, seien Khans Pläne nur Wunschdenken. Seit 1947 darf der so genannte Green Belt, der Grüngürtel rund um London, nicht mehr bebaut werden. London habe daher keine Möglichkeit, sich ausdehnen, kritisiert Cheshire.

Um die Misere etwas zu lindern, will Khan offenbar vor allem Gelände für den privaten Hausbau gewinnen, die derzeit städtischen Betrieben wie dem Nahverkehrsbetreiber Transport for Londobn (TfL) gehören. Auf TfL-Geländen im Südosten von London sollen schon bald 400 Wohnungen entstehen – die Hälfte davon soll bezahlbarer Wohnraum sein.

Weitere Details zu seinem Projekt will Khan im nächsten Monat bekannt geben. Doch schon jetzt versucht er, die Erwartungen zu dämmen: „Man darf nicht vergessen“, erklärte er über den Kurznachrichtendienst Twitter, „dass die Wohnungskrise sich nicht über Nacht lösen lässt.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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