Nach dem Brexit: Die Immobilienrisiken der Banken

Nach dem Brexit: Die Immobilienrisiken der Banken

, aktualisiert 07. Juli 2016, 14:06 Uhr
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Ein Blick auf das "Gherkin /(Gurke)"-Gebäude, eines der Wahrzeichen in London. Die Preise für Gewerbeimmobilien in der britischen Hauptstadt geraten nach dem Breixit-Votum unter Druck,

Quelle:Handelsblatt Online

Das Einfrieren von Immobilienfonds in England dürfte die Preise dort weiter unter Druck setzen. Ein Kollaps der Immobilienpreise wäre laut Experten für Banken gefährlich. Zwei große Institute sind sehr stark engagiert.

LondonDie Royal Bank of Scotland (RBS) und die Lloyds Banking Group sind die beiden großen britischen Banken, die am stärksten am Gewerbeimmobilien-Markt engagiert sind. Das meint ein Analyst von JP Morgan Chase. Er leitet daraus Risiken ab, nachdem gleich mehrere britische Vermögensverwalter Geldabzüge aus Immobilienfonds gestoppt haben. Mit seiner Warnung steht er nicht alleine da.

RBS hat insgesamt 25,2 Milliarden Pfund (29,5 Milliarden Euro) an Krediten an den Sektor vergeben - was 66 Prozent des materiellen Buchwerts (TNAV) der Bank entspricht, heißt es in der Studie von JP Morgan. Bei Lloyds sind es 18,1 Milliarden Pfund (21,1 Milliarden Euro) oder rund 46 Prozent des Buchwertes, schreibt Analyst Raul Sinha weiter. Zwar sei das Risiko für große Banken „handhabbar“, doch kleinere Banken könnten größere Verluste verzeichnen.

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„Das Abwärtsrisiko aus den britischen Gewerbeimmobilien-Preisen wird wahrscheinlich die Bewertungen von inländischen Banken mit britischem Engagement unter Druck setzen“, meint Sinha in seiner Studie. Er verweist darauf, dass kleinere Banken einen relativen hohen Anteil an stärker gehebelten Gewerbeimmobilien-Krediten in den Büchern haben. Bei größeren britischen Banken seien die Standards bei der Gewährung von Krediten in den vergangenen Jahren auf breiter Front beibehalten worden.

In dieser Woche haben vier Vermögensverwalter die Geldabflüsse aus Immobilienfonds gestoppt, nachdem Investoren ihr Geld wegen Sorgen zur Zukunft der britischen Wirtschaft auf Grund des Brexit-Votums zurückhaben wollten. Das Pfund stürzte auf ein 31-Jahres-Tief ab. Die Bank von England erklärte am Dienstag, sie beobachte die Bewertungen auf dem Gewerbeimmobilienmarkt genau. Sie leitete zudem Schritte ein, um die Kapitalanforderungen an die Banken zu lockern.
Der Schock, der sich aus dem Einfrieren der Immobilienfonds ergibt, könnte laut Morgan Stanley mehr Abzüge nach sich ziehen und die Fonds weiter unter Druck setzen. Immerhin 45 Prozent der Fonds-Investoren seien nicht aus Großbritannien und würden daher zusätzlich unter dem Wertverlust des Pfunds leiden. Ein Anbieter hat bereits eine andere Variante gewählt, die deutlich macht, welche Dimension die derzeitigen Turbulenzen auf dem Londoner Immobilienmarkt haben.

Aberdeen Fund Managers friert einen 680 Millionen Euro schweren Fonds nicht ein, sondern macht die Rückgabe von Anteilen durch eine drastische Abwertung der Anteilsscheine unattraktiv. Die Anteilsscheine würden um 17 Prozent abgewertet, teilte das Unternehmen am späten Mittwochabend mit. Wer bereits Verkaufsorders erteilt habe, könne dies bis Donnerstagmittag überdenken – denn für 24 Stunden wird der Fonds doch eingefroren.


Was die Branche insgesamt an Krediten vergeben hat

Ein Kollaps der Immobilienpreise würde „Lloyds und RBS besonders hart treffen. Beide haben große Gewerbeimmobilien-Kreditportfolios. Und die bevorstehenden Rückgänge bei den Preis-Indizes für Gewerbeimmobilien werden zu höheren vorgeschriebenen Rückstellungen für Wertberichtigungen dafür führen“, schreibt auch Sandy Chen von Cenkos Securities in einer Notiz. Die Aktien beider Banken wurden erneut zum Verkauf empfohlen.

Die Branche als Ganzes hat 86 Milliarden Pfund (100 Milliarden Euro) an Gewerbeimmobilien-Krediten vergeben, heißt es bei JP Morgan. Das sei deutlich weniger als die mehr als 150 Milliarden Pfund (175 Milliarden Euro), die es noch vor fünf Jahren waren. Bei den großen Banken beläuft sich das Engagement den Angaben zufolge auf 69 Milliarden Pfund, die restlichen 17 Milliarden Pfund (20 Miliarden Euro) liegen bei kleineren Geschäftsbanken und Genossenschaftsbanken.

Analysten von Société Générale warnen genauso wie Sinha davor, dass das Risiko bei den kleineren Banken wegen der hohen Fremdverschuldung am größten sei.

Unterm Strich werden die Banken aber von Verlusten in einer Größenordnung wie 2008 und 2009 geschützt sein, weil sie ihr Portfolio geschrumpft haben und der Kreditanteil gegenüber dem Immobilienwert inzwischen geringer ist, schreiben Ivan Zubo und Robin Down, Analysten von HSBC Holding Plc. Sie verweisen dabei auf Risiko-Aversion, neue aufsichtsrechtliche Bestimmungen und den jüngsten Anstieg der Immobilienpreise.

JP Morgan hatte bereits in der vergangenen Woche die 2018-Prognose für den Gewinn je Aktien bei britischen Banken um 22 Prozent nach unten korrigiert. Die Aktienkurse von RBS und Lloyds sind seit dem Brexit-Votum um mehr als 40 Prozent im Xetra-Handel gefallen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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