Niedrigzinsen: Warum Baugeld billig bleibt

Niedrigzinsen: Warum Baugeld billig bleibt

, aktualisiert 07. November 2016, 13:44 Uhr
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Angesichts niedriger Zinsen erwägen immer mehr Privatleute den Hausbau.

von Reiner ReichelQuelle:Handelsblatt Online

„Super-Mario“ Draghi wird weiter Geld in den Kapitalmarkt pumpen, glauben Experten. Unter diesen Umständen kann Baugeld nicht teurer werden. Das erfreut den Häuslebauer – er kann somit langfristig planen.

FrankfurtOh Schreck! Der Zeitpunkt zum Hauskauf ist verpasst. Die Baugeldzinsen steigen wieder – ablesbar an den Indizes der FMH Finanzberatung über alle typischen Zinsbindungslaufzeiten über fünf, zehn, 15 und 20 Jahre. Doch keine Panik: Wir reden beim FMH-Index über Veränderungen an der zweiten Stelle hinter dem Komma.

Genau gesagt: Am Freitag zeigte der Index für Hypothekenkredite mit 15 Jahren Zinsbindung 1,54 Prozent gegenüber 1,50 Prozent zwei Wochen zuvor. Kürzere Laufzeiten sollte zurzeit nur abschließen, wer sicher ist, dass er am Ende der gewählten Laufzeit in großem Umfang tilgen kann – etwa weil eine Lebensversicherung ausgezahlt wird.

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Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING-Diba, ist davon überzeugt, dass die Zinsen niedrig bleiben – und zwar noch eine ganze Weile. „Die Europäische Zentralbank (EZB) wird frühestens im Jahr 2018 die Zinsen erhöhen“, sagte Brzeski bei einer Vertriebs-Veranstaltung der Bank, die zu den größten Finanzierern privater Bauherren in Deutschland zählt. Auch 2018 rechnet er nicht unbedingt mit einer Zinswende. Dann nämlich endet die Amtszeit von EZB-Chef Mario Draghi. Vielleicht, so Brzeski, werde man auf den nächsten Notenbank-Präsidenten warten müssen, ehe die Leitzinsen wieder erhöht würden.

So weit blickt Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender des Baugeld-Vermittlers Interhyp, nicht voraus. Doch auch er sagt deutlich: „Nachdem die EZB bei ihrer jüngsten Sitzung Mitte Oktober angekündigt hat, die expansive Geldpolitik fortzusetzen, ist weiterhin nicht mit einer signifikanten Trendwende bei den Zinsen zu rechnen.“ Zwar beeinflusst der Leitzins primär die kurzfristigen Kapitalmarktzinsen. Doch deren Änderungen schlagen regelmäßig auf langfristigen Zinsen wie die für Baugeld durch.


Konjunktur in Europa zu schwach für Zinserhöhung

Brzeski nannte gleich mehrere Gründe gegen steigende Zinsen. Obwohl am Kapitalmarkt über steigende Inflationsraten spekuliert wird, ist er überzeugt: „Bei einer Arbeitslosenquote von zehn Prozent in Europa gibt es keinen Inflationsdruck und keinen Grund für die EZB, die Zinsen zu erhöhen.“ Der Ökonom der ING-Diba geht außerdem davon aus, dass die Anleihekäufe der EZB über das geplante Ende im März 2017 weiterlaufen werden. Interhyp-Chef Goris wird konkreter: Er glaubt, dass die EZB das Anleihekaufprogramm noch einmal um sechs Monate verlängern wird. Brzeski resümierte in Frankfurt: „Deshalb bleibt der Zins niedrig.“

Zurzeit kauft die EZB jeden Monat für 80 Milliarden Euro Rentenpapiere. Vor der EZB-Sitzung am 20. Oktober war über einen schleichenden Ausstieg der Zentralbank aus dem Anleiheaufkaufprogramm spekuliert worden, sodass die Kapitalmarktzinsen leicht anzogen.

Aus den USA droht Brzesik zufolge auch keine Vertreibung der Häuslebauer aus dem Zinsparadies: „Selbst wenn die amerikanische Notenbank demnächst den Leitzins wieder erhöht, stehen wir noch lange nicht vor einer großen Zinswende.“ Mit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed rechnet der ING-Diba-Experte nur bei einem Wahlerfolg von Hillary Clinton. Die nächste Möglichkeit dazu böte sich im Dezember. Doch die Gründe für einen Zinsschritt nach oben sieht Brzeski schwinden: „Die US-Konjunktur kühlt sich bereits wieder ab.“ Ablesbar ist dies für ihn unter anderem am „nicht so rosigen“ Arbeitsmarkt.

Die Beobachtungen von Interhyp-Manager Goris sind fast identisch. Er sieht eine schwache Konjunktur- und Inflationsentwicklung. Die für das Interhyp-Zinsbarometer befragten Baufinanzierungsexperten der Banken erwarten mehrheitlich „kurzfristig weiter günstige Baugeldkonditionen“. Brzeskis Fazit geht noch weiter: „Wir werden uns auf eine lange Zeit niedriger Zinsen einstellen müssen.“ Sparer werden enttäuscht, Häuslebauer erfreut sein.

Doch für Letztere gilt auch in dieser Phase der Ratschlag des Baugeld-Vermittlers Interhyp: „Konditionenvergleich lohnt auch im Zinstief.“ Wie lohnend Vergleiche sind, zeigen die von der FMH-Finanzberatung bei Kreditinstituten erhobenen Zinsspannen. Die reichten am Freitag bei den Darlehn mit 15 Jahren Festzins von 1,21 bis 2,12 Prozent und waren zwei und vier Wochen zuvor genauso weit.

Quelle:  Handelsblatt Online
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