Preissteigerungen: Immobilien boomen ohne Ende

Preissteigerungen: Immobilien boomen ohne Ende

, aktualisiert 11. Februar 2017, 16:39 Uhr
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Durch den Einfluss der Landeshauptstadt war der Preisanstieg in Baden-Württemberg höher als vielerorts.

von Reiner ReichelQuelle:Handelsblatt Online

Die Immobilienpreise klettern unentwegt weiter. Erstaunlich ist: Büros verteuern sich stärker als Wohnungen. Ein Ende dieses Hypes ist nicht absehbar. Für Mieter ist das ein klares Signal.

DüsseldorfDeutschlands Immobilien werden teurer und teurer. vdp-research, das Analysehaus des Verbandes der deutschen Pfandbriefbanken, kann auch im dritten Quartal keine Änderung dieses Trends erkennen. Der Indikator: Der vdp-Immobilienpreisindex, der inzwischen 136,1 Punkte erreicht hat – ein Zuwachs von 6,7 Prozent gegenüber dem gleichen Vorjahresquartal. Ausschlaggebend sind laut vdp-Research das immer noch niedrige Zinsniveau und „eine Vielzahl von Risikofaktoren im weltwirtschaftlichen Umfeld, die eine Anlage in Sachwerte vergleichsweise attraktiv erscheinen lassen“.

Diese Analyse deckt sich mit der anderer Institute, die teils bereits das vierte Quartal ausgewertet haben. Doch die Zahlen von vdp-Research haben den Vorteil, dass sie auf tatsächlichen Geschäftsvorfällen basieren, die den Marktforschern von den Verbandsmitgliedern übermittelt werden. Die meisten anderen Studien basieren auf Angebotsmieten und -preisen, die aus Vermittlungsplattformen und Anzeigen abgelesen wurden. Die tatsächlichen Miet- und Kaufvertragsabschlüsse können davon abweichen.

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Im einzelnen stellt vdp-Reserach fest, dass sich selbst genutztes Wohneigentum im Vergleich der dritten Quartale um 6,6 Prozent verteuert hat, Mehrfamilienhäuser um 5,8 Prozent, Büroimmobilien sogar um 10,1 Prozent. Am geringsten waren die Preissteigerungen im Einzelhandelssektor (3,1 Prozent). „Auf den Wohnimmobilienmärkten in den Metropolregionen bleibt die Lage weiterhin angespannt, da die Nachfrage das vorhandene Angebot übersteigt“, stellen die vdp-Experten klar.

Auch die in fast allen dieser Märkte eingeführte Mietpreisbremse scheine nicht die gewünschte Wirkung zu entfalten. Die Neuvertragsmieten stiegen um vier Prozent. F+B Forschung und Beratung, ein auf Mietspiegel spezialisiertes Marktforschungsinstitut, stellte in der vergangenen Woche fest, dass die Mietspiegelmieten in ganz Deutschland im Schnitt um 1,8, Prozent gestiegen sind. In den südlichen Bundesländern Bayern und Baden-Württemberg mit den teuren Metropolen München und Stuttgart sowie in den Stadtstaaten Berlin und Hamburg war der Preisanstieg deutlich kräftiger Die Entwicklung der Mietspiegelmieten wird maßgeblich von den Mieterhöhungen im Bestand bestimmt.

In der Politik wird derweil über eine Verschärfung der Mietpreisbremse nachgedacht. Die Wohnungswirtschaft wie auch Analysehäuser verweisen immer wieder darauf, dass die Mietpreisbremse das Grundproblem fehlender Wohnung nicht löst. So äußerte Thomas Hegel, Vorstandschef von LEG Immobilien, dem drittgrößten börsennotierten Wohnungsvermieter, kürzlich: „Nur mit mehr Wohnungen bekommen wir den Druck aus dem Markt.“ Und vergaß nicht hinzuzufügen: „Jeder Politiker hat jetzt begriffen, dass die Mietpreisbremse nicht zu Neubau führt.“

Bei steigenden Mieten und gleichzeitig immer noch niedrigen Zinsen versuchen viele Mieter in Eigentum zu wechseln. Die Nachfrage übersteigt auch in diesem Segment das Angebot. Das zeigt sich in den Preisen für Ein- und Zweifamilienhäuser, die sich gegenüber dem dritten Vorjahresquartal um 6,5 Prozent verteuerten. Bei den Eigentumswohnungen scheint sich die Preisdynamik etwas abzumildern. Die Preise kletterten dort um sechs Prozent. Gewerbliche Immobilien verteuerten sich um 6,4 Prozent, was vor allem auf den hohen Preisanstieg für Büroimmobilien zurückzuführen ist.

Das macht vor allem institutionellen Anlegern wie Versicherern, aber auch Offenen Immobilienfonds für Privatanleger zu schaffen. Sie finden immer weniger Objekte, die zu ihren Renditevorstellungen passen. Die Helaba sieht für Immobilieninvestoren zurzeit generell nur einen Ausweg: „Sie müssen die Renditeerwartungen senken oder mehr Risiko in Kauf nehmen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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