
Herr Elgeti, sehen Sie eine Blase am deutschen Immobilienmarkt?
Alle reden darüber. Aber ich kann das nicht nachvollziehen. Wenn wir über den deutschen Immobilienmarkt sprechen, sehe ich nicht einmal annähernd eine Blase. Nur in einzelnen Städten gibt es eine Überhitzung.
Wo denn?
In Berlin zum Beispiel. Viele ausländische Investoren drängen in den Markt. Sie setzen Berlin mit Deutschland gleich, was natürlich schlichtweg falsch ist. Aber wenn man in London oder Paris sitzt, dann weiß man das eben nicht besser. Der Berliner Markt ist in manchen Bereichen völlig verzerrt.
Ärgert Sie das?
Im Gegenteil. Das ist eine fantastische Gelegenheit, um hin und wieder einzelne Mehrfamilienhäuser zu hohen Preisen zu verkaufen. Uns werden aktuell Preise geboten, die weit über dem Buchwert liegen. Es wäre sträflich, das nicht mitzunehmen.
Wer investiert in deutsche Immobilien?
Wohl situierte Privatleute, Vermögensverwalter von reichen Unternehmerfamilien. Zunehmend investieren Versicherungen und Pensionskassen. Es würde mich nicht wundern, wenn bald auch Staatsfonds größere Transaktionen tätigen.
Aus welchen Ländern kommt das meiste Geld?
Skandinavien, Österreich, Israel, USA, ein wenig aus der Schweiz.
Die zehn häufigsten Fehler bei der Baufinanzierung
Fallstrick 1: Zu wenig Eigenkapital
Vielen Bauherren wird zum Verhängnis, dass sie zu wenig eigenes Kapital für den Immobilienkauf angespart haben. 20 bis 30 Prozent Eigenkapital in der Baufinanzierung sollten es mindestens sein. Wer vermieteten Wohnraum kauft, sollte sich nicht von Finanzberatern überreden lassen, möglichst viel über Kredit zu finanzieren, um Steuern zu sparen. Das ist unsinnig, denn das Finanzamt zahlt maximal die Hälfte der Zinsen zurück.
Fallstrick 2: Zu langsam tilgen
Baugeld über 15 Jahre kostet derzeit etwa 3,0 Prozent pro Jahr. Wer baut oder kauft, sollte die Niedrigzinsen nutzen, um mehr zu tilgen. Ein Beispiel: Ein Bauherr nimmt 200.000 Euro zu 3,0 Prozent über 15 Jahre auf. Nach Ende der Zinsbindung steigt der Zins auf 5,0 Prozent. Tilgt er 2,0 Prozent pro Jahr ist er nach 28 Jahren und zehn Monaten schuldenfrei. Bei einer Tilgung von 1,0 Prozent pro Jahr dauert es 40 Jahre und acht Monate. Je länger die Baufinanzierung läuft, desto mehr Zinsen zahlt der Kreditnehmer.
Fallstrick 3: Extrakosten übersehen
Nicht alle Kosten, die die Bank für einen Baukredit berechnet, sind im effektiven Jahreszins enthalten. Einige Banken berechnen beispielsweise Bereitstellungszinsen, wenn das Darlehen bewilligt ist, aber nicht abgerufen wird, andere verzichten darauf. Diese Nebenkosten verteuern den Kredit. Wer diese Extras übersieht, schließt möglicherweise ein schlechteres Angebot ab.
Fallstrick 4: Keine Reserven eingeplant
Wer ein Haus baut oder eine gekaufte Immobilie saniert, muss immer mit bösen Überraschungen rechnen. Meist liegen die Baukosten höher als ursprünglich veranschlagt. Wenn das Ersparte und der Kredit nicht ausreichen, steht das Projekt auf der Kippe. Baufinanzierer sollten daher Mehrkosten von zehn bis 15 Prozent einplanen.
Fallstrick 5: Eigenleistung überschätzt
Viele Bauherren wollen selbst anpacken, um Geld zu sparen. Sie überschätzen oft ihre Fähigkeiten oder ihr Zeitbudget. Wenn dann doch Handwerker ranmüssen, stimmt die Kalkulation nicht mehr. Besser ist es, den Wert der Eigenleistung konservativ anzusetzen.
Fallstrick 6: Sanierungs-Rücklagen vergessen
Baufinanzierungen laufen über 30, 35 Jahre. In dieser Zeit fallen weitere Kosten für die Instandhaltung und Sanierung der Immobilie an. Wer nach Zins und Tilgung sein Budget ausgeschöpft hat, kann die Substanz seiner Immobilie nicht erhalten. Immobilieneigentümer sollten daher pro Jahr mindestens ein Prozent des Immobilienwerts als Rücklage ansparen.
Fallstrick 7: Familie nicht abgesichert
Eine Baufinanzierung ist ein Projekt mit vielen Unbekannten. Schicksalsschläge lassen sich weder einplanen noch vermeiden. Tod oder Berufsunfähigkeit des Hauptverdieners können die Angehörigen in finanzielle Not bringen. Ohne ausreichenden Versicherungsschutz, muss die Immobilie unter Umständen zwangsversteigert werden. Sinnvoll sind Risikolebensversicherungen und Berufsunfähigkeitsversicherungen.
Fallstrick 8: Anschlussfinanzierung verschlafen
Banken haben kein Interesse daran, bei sinkenden Marktzinsen, ihre eigenen Konditionen nach unten anzupassen. Wer nicht rechtzeitig umschuldet, zahlt für die Anschlussfinanzierung wahrscheinlich zu hohe Zinsen. Baufinanzierer sollten sich spätestens sechs Monate vor Auslaufen der Zinsbindung nach einer Anschlussfinanzierung umschauen. Dabei sollten sie auch Angebote von anderen Banken als nur von der Hausbank einholen.
Fallstrick 9: Zu teuer Bausparen
Viele Kinder bekommen schon bei der Geburt einen Bausparvertrag. Sie sollen sich damit später ein eigenes Heim finanzieren. Wer allein auf Bausparen setzt, zahlt jedoch am Ende zu viel für seine Baufinanzierung. Meist sind Bankkredite günstiger. Das liegt an der ungünstigen Kombination aus unattraktivem Sparzins und niedrigem Bauzins. Besser ist es, in Eigenregie anzusparen und damit den Eigenkapitalanteil erhöhen.
Fallstrick 10: Tilgungsfrei finanzieren
Wer eine Immobilie finanziert, kann neben der klassischen Finanzierung über Bankkredit oder Bauspardarlehen auch eine Lebensversicherung zur Tilgung einsetzen. Der Bauherr spart dabei in eine Lebensversicherung und zahlt Zinsen für das Baudarlehen. Später tilgt das Guthaben aus der Lebensversicherung den Kredit. Risiko: Oft ist das Guthaben aus der Police zu klein. Es bleibt eine Restschuld, die der Immobilieneigentümer abstottern muss. Besser ist es, auf tilgungsfreie Darlehen ganz zu verzichten.
Und Asien?
Das sehen wir bislang sehr wenig.
Viele Privatleute sind bereit, extrem hohe Preise für Immobilien in guter Lage zu zahlen. Ein Fehler?
Es gibt wohlhabende Zahnärzte, die für einzelne Objekte viel höhere Preise zahlen, als wir bereit wären zu zahlen. So etwas sorgt natürlich für Preissteigerungen. Wobei wir eigentlich kaum mit Privatanlegern konkurrieren. Wir schauen uns in ganz anderen Segmenten um. Die Preise, die wir bei den letzten großen Transaktionen bezahlt haben, waren sehr günstig.
Und die Privaten – kaufen die zu teuer?
Nicht unbedingt, die Leute sind ja nicht dumm. Selbst wenn Sie einen sehr hohen Kaufpreis zahlen, kann sich das angesichts der aktuell niedrigen Zinsen rechnen. Entscheidend ist doch, wie hoch die Zinskosten verglichen mit den möglichen Mieteinnahmen sind.
Geben Sie uns ein Beispiel.
Nehmen wir an, Sie wollen ein Haus kaufen, um es anschließend zu vermieten. Heute bekommen Sie als privater Investor mit guter Bonität einen Immobilienkredit für unter drei Prozent, auch langfristig. Selbst wenn Sie nun für ein Objekt das Zwanzigfache einer Jahresmiete zahlen müssten, dann würde sich das noch lohnen. Die Anfangsrendite läge bei fünf Prozent. Damit hätten Sie immer noch einen positiven Cashflow - kein schlechtes Geschäft.
Wenn das so ist, warum machen Sie das nicht auch? Klingt doch nach einer sicheren Sache.
Wenn man in den guten Lagen von Berlin und Hamburg kauft, dann macht man nichts falsch. Aber die Frage ist, ob man dort so große Steigerungen erwarten darf. An anderen Standorten gibt es einfach noch mehr für das Geld, ein besseres Verhältnis von Chance und Risiko - darauf kommt es beim Investieren an.
Von welchen Immobilien würden Sie die Finger lassen?
Alles was gut aussieht, was jeder haben will, ist für mich uninteressant. Ein Haus mit weißer Stuckfassade sieht schön aus, entsprechend hoch sind die Preise. Damit können Sie als Investor nicht viel gewinnen. Es gibt Objekte, die gut auf dem Foto aussehen, und es gibt die, die gut in der Gewinn-und-Verlustrechnung aussehen. Ich konzentriere mich auf die zweite Kategorie.






















