Sanierungzwang: Der Dämm-Schock

Sanierungzwang: Der Dämm-Schock

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Isolierung einer Hausfassade: Die Regierung will Immobilienbesitzer zur Wärmedämmung verpflichten

von Dieter Dürand, Martin Gerth, Christof Schürmann, Harald Schumacher und Max Haerder

Die Bundesregierung will den CO2-Ausstoß von Wohnhäusern bis 2050 um 80 Prozent drücken. Dafür sollen die Eigentümer schon jetzt teuer sanieren. Was die grüne Sparwelle Vermieter und Mieter kostet.

Es staubt als sich die Säge in den Sandstein frisst. Die historischen Fenstereinfassungen des Zehn-Parteien-Hauses im Frankfurter Nordend ragen einige Zentimeter über die Fassade hinaus. Hausverwalter Erich Arold, 74, lässt sie absägen, um eine ebene Fläche für Dämmplatten zu schaffen: „Natürlich haben sich die Nachbarn über den Lärm und den Staub beschwert, aber Ende November ist damit Schluss.“ Dann wird die Rückseite des um 1900 errichteten Wohnhauses um 18 Zentimeter Dämmschicht gewachsen sein. Das Budget der Eigentümer, darunter auch Architekt Arold, wird dagegen um 80 000 Euro Sanierungskosten geschrumpft sein. Die Vorderseite des Hauses lässt Arold unberührt: „Wegen der historischen Fassade hätten wir nur innen dämmen können, dafür hätten aber alle Eigentümer zustimmen müssen.“ Arold gehören lediglich sechs der zehn Wohnungen. Zudem glaubt er, dass wegen der Südwest-Lage die Vorderseite über das Mauerwerk genügend Sonnenwärme speichern kann. Hauseigentümer Arold hat sich für eine kostengünstige Lösung und dagegen entschieden, das Haus komplett zu dämmen.

Die Einwände der Verbände sind nicht die übliche Lobbyarbeit

Ginge es nach dem Willen der Bundesregierung, müsste der Frankfurter Architekt eigentlich mehr tun. Schließlich will die schwarz-gelbe Koalition den CO2-Ausstoß der 18 Millionen Immobilien in Deutschland bis 2050 um 80 Prozent drücken. So steht es im neuen Energiekonzept. Das in Wahrheit kein Konzept ist, sondern ein Wirrwarr aus Sanierungsvorschriften und Mietrechtsreform. Deshalb müssen nicht nur Immobilieneigner, sondern auch Menschen zittern, die es sich in fremden vier Wänden gemütlich eingerichtet haben.

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Um wie viel die Miete künftig teurer wird, wie hoch Sanierungskosten ausfallen, hängt vom Objekt, vom Willen und Zwang zur Sanierung und von Umlage- und Einsparmöglichkeiten ab. Was sich dabei für Immobilienbesitzer rechnet und was nicht, welche Dämmung vernünftig ist und was auf die 24 Millionen Mieterhaushalte hierzulande zukommen wird, lässt sich jedoch schon heute greifen.

24 Millionen Haushalten droht Mieterhöhung

Eines ist klar: Immobilienbesitzer werden zunächst viel Geld in die Hand nehmen müssen; Experten rechnen mit 70.000 Euro Kosten für ein durchschnittliches Einfamilienhaus, 30.000 Euro an Aufwand wären für eine Eigentumswohnung anzusetzen. Und Mieter sollten mit höheren Monatsraten kalkulieren. „Alle müssen sich vernünftig beteiligen“, so Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Deshalb plant der Bund, die Umlage von Sanierungskosten auf Mieter deutlicher als bisher erlaubt auszuweiten.

750 Euro je Quadratmeter

Dabei geht es nicht um ein paar Euro hier, ein paar Euro da. Die Bundesvereinigung Spitzenverbände der Immobilienwirtschaft (BSI) geht bei einer Sanierung inklusive Dämmung eines Mehrfamilienhauses mit 16 Wohneinheiten von Kosten in Höhe von 680 Euro je Quadratmeter Wohnfläche aus. Der Aufwand für Einfamilienhäuser liege mit 750 Euro je Quadratmeter noch höher. Eine Komplettmodernisierung des bundesweiten Gebäudebestandes erfordere Investitionen von etwa 2500 Milliarden Euro, wenn jährlich zwei Prozent des deutschen Immobilienstandes saniert würden, so die Kalkulation des BSI.

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