Spekulative Neubauten: Bei Gewerbeimmobilien droht der Absturz

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Spekulative Neubauten: Bei Gewerbeimmobilien droht der Absturz

von Harald Schumacher

Es mehren sich die Warnsignale: 2014 wird ein Rekordjahr für Gewerbeimmobilien - Umsätze mit Bürogebäuden gehen durch die Decke. Doch Experten erwarten sinkende Mieten und steigende Leerstände.

Die 36 000 Messeteilnehmer, die Immobilien planen, entwickeln, finanzieren, betreuen und mit ihnen handeln, reisen mit gemischten Gefühlen zur Expo Real, dem jährlichen Branchen-Großtreff, der in dieser Woche wieder in München beginnt. „Die Party wird nicht endlos weitergehen“, stimmt etwa Rainer Eichholz, Geschäftsführer des Bremer Bauunternehmens Zech Group und Vorstand der zu Zech gehörenden DIH Deutsche Immobilien Holding, sich und die Kollegen auf härtere Zeiten ein.

Wo die Immobilienpreise am stärksten steigen

  • Delitzsch (Sachsen, 25.000 Einwohner)

    Nettokaufpreis:

    2012: 110.000 Euro

    2013: 140.000 Euro

    Preisveränderung: +27,3 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert. Preisveränderung im Vergleich zum Vorjahr.

    Quelle: Immobilienverband Deutschland IVD - Bundesverband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen e.V.; veröffentlicht am 1. Oktober 2013

  • Bamberg

    Nettokaufpreis:

    2012: 237.500 Euro

    2013: 300.000 Euro

    Preisveränderung: +26,3 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Trier

    Nettokaufpreis:

    2012: 200.000 Euro

    2013: 250.000 Euro

    Preisveränderung: +25,0 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Montabaur

    Nettokaufpreis:

    2012: 118.000 Euro

    2013: 145.000 Euro

    Preisveränderung: +22,9 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Kaarst

    Nettokaufpreis:

    2012: 250.000 Euro

    2013: 300.000 Euro

    Preisveränderung: +20,0 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Bendorf

    Nettokaufpreis:

    2012: 150.000 Euro

    2013: 175.000 Euro

    Preisveränderung: +16,7 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Friedrichshafen

    Nettokaufpreis:

    2012: 330.000 Euro

    2013: 380.000 Euro

    Preisveränderung: +15,2 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Villingen-Schwenningen

    Nettokaufpreis:

    2012: 200.000 Euro

    2013: 230.000 Euro

    Preisveränderung: +15,0 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Sankt Peter Ording, Braunschweig, Neubrandenburg, Wernigerode, Sonneberg

    Sankt Peter Ording

    Nettokaufpreis:

    2012: 280.000 Euro

    2013: 320.000 Euro

    Braunschweig

    Nettokaufpreis:

    2012: 175.000 Euro

    2013: 200.000 Euro

    Neubrandenburg

    Nettokaufpreis:

    2012: 140.000 Euro

    2013: 160.000 Euro

    Wernigerode

    Nettokaufpreis:

    2012: 175.000 Euro

    2013: 200.000 Euro

    Sonneberg

    Nettokaufpreis:

    2012: 105000 Euro

    2013: 120000 Euro

    Preisveränderung bei allen genannten Städten: +14,3 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Hannover

    Nettokaufpreis:

    2012: 220.000 Euro

    2013: 250.000 Euro

    Preisveränderung: +13,6 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

Das sehen viele so. Im August brach der Immobilienklima-Index des Berliner Marktforschungsinstituts Bulwiengesa, das Brancheninsider nach ihren Investment- und Ertragserwartungen fragt, gegenüber dem Juli-Wert drastisch ein: um 15,7 Punkte oder 11,7 Prozent. Normalerweise verändert sich der Index nur homöopathisch.

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Preisanstieg für Eigentumswohnungen verliert an Dynamik

  • München

    Kaufpreisentwicklung für Eigentumswohnungen im ersten Halbjahr 2014 gegenüber dem 1. Halbjahr 2013 (Vorjahresvergleich)

    München
    +9,3 Prozent auf 5.280 Euro pro Quadratmeter gegenüber Vorjahr
    Im 1. Halbjahr: +2,9 Prozent

    Quelle: JLL

  • Hamburg

    +7,9 Prozent auf 3570 Euro pro Quadratmeter gegenüber Vorjahr

  • Frankfurt

    +11,7 Prozent auf 3540 Euro pro Quadratmeter gegenüber Vorjahr
    Im 1. Halbjahr: +5,4 Prozent

  • Stuttgart

    +18,5 Prozent auf 2970 Euro pro Quadratmeter gegenüber Vorjahr
    Im 1. Halbjahr: unbekannt

  • Düsseldorf

    +10,5 Prozent auf 2850 Euro pro Quadratmeter gegenüber Vorjahr
    Im 1. Halbjahr: +1,4 Prozent

  • Berlin

    +13 Prozent auf 2770 Euro pro Quadratmeter gegenüber Vorjahr
    Im 1. Halbjahr: +7,8 Prozent

  • Köln

    +15,6 Prozent auf 2680 Euro pro Quadratmeter gegenüber Vorjahr
    Im 1. Halbjahr: +8,5 Prozent

  • Leipzig

    -9,6 Prozent auf 1270 Euro pro Quadratmeter gegenüber Vorjahr

Andreas Pohl, Co-Chef der Nord/LB-Tochter Deutsche Hypo, hat die Wende angesichts der zunehmenden Bedrohungen aus Nahost, Osteuropa und Afrika erwartet: „Die Nachrichten präsentieren uns Tag für Tag mehrere Krisenherde in der Welt. Und immer stärker zeigen sich die Auswirkungen auch in der hiesigen Konjunktur.“

Dabei glänzt der Immobilienmarkt noch mit Rekordzahlen. Im ersten Halbjahr 2014 wurden in Deutschland Gewerbeimmobilien im Wert von 17 Milliarden Euro gekauft. Im zweiten Halbjahr, prognostiziert die Frankfurter Deutschland-Tochter des britischen Immobiliendienstleisters DTZ, sollen es 20 Milliarden sein. Mehr Umsatz mit deutschen Gewerbeimmobilien gab es zuletzt 2007 – und dann den Absturz in die Banken-, Staatsfinanz- und Wirtschaftskrise, die mit unsoliden Immobilieninvestments ihren Ausgang nahm.

Wo die Immobilienpreise am stärksten fallen

  • Stolberg (Rhld.)

    Nettokaufpreis:

    2012: 180.000 Euro

    2013: 165.000 Euro

    Preisveränderung: -8,3 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

    Quelle: Immobilienverband Deutschland IVD - Bundesverband der Immobilienberater, Makler, Verwalter und Sachverständigen e.V.; veröffentlicht am 1. Oktober 2013

  • Eschweiler

    Nettokaufpreis:

    2012: 175.000 Euro

    2013: 160.000 Euro

    Preisveränderung: -8,6 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Lüdenscheid, Ohrdruf

    Lüdenscheid

    Nettokaufpreis:

    2012: 220.000 Euro

    2013: 200.000 Euro

    Ohrdruf

    Nettokaufpreis:

    2012: 110.000 Euro

    2013: 100.000 Euro

    Preisveränderung in beiden Städten: -9,1 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Itzehoe

    Nettokaufpreis:

    2012: 150.000 Euro

    2013: 130.000 Euro

    Preisveränderung: -13,3 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Meiningen

    Nettokaufpreis:

    2012: 190.000 Euro

    2013: 160.000 Euro

    Preisveränderung: -15,8 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Neustadt an der Weinstraße

    Nettokaufpreis:

    2012: 245.000 Euro

    2013: 205.000 Euro

    Preisveränderung: -16,3 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Plettenberg

    Nettokaufpreis:

    2012: 270.000 Euro

    2013: 220.000 Euro

    Preisveränderung: -18,5 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Radevormwald

    Nettokaufpreis:

    2012: 235.000 Euro

    2013: 190.000 Euro

    Preisveränderung: -19,1 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Suhl

    Nettokaufpreis:

    2012: 105.000 Euro

    2013: 80.000 Euro

    Preisveränderung: -23,8 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

  • Dessau

    Nettokaufpreis:

    2012: 140.000 Euro

    2013: 90.000 Euro

    Preisveränderung: -35,7 Prozent

    Preise beziehen sich auf Einfamilienhäuser aus dem Bestand mit mittlerem Wohnwert

Kritisches Jahr 2015

Die nachlassende Konjunktur wird sich nach Einschätzung des internationalen Maklerhauses Savills spätestens 2015 in den Umsatzzahlen niederschlagen. Denn weniger Jobs erfordern weniger Bürohäuser, schwacher Konsum verringert den Bedarf an Einzelhandelsflächen, nachlassender Warenaustausch drückt die Nachfrage nach Logistikimmobilien. Noch aber werden über Monate vorbereitete Geschäfte unter Dach und Fach gebracht und zum Sieben-Jahres-Rekord beitragen.

So fand gerade das Hamburger Hochhaus-Highlight Tanzende Türme für 165 Millionen Euro einen Käufer. Entworfen hat die rund 80 und 90 Meter hohen Bürohäuser mit dem Knick in der Konstruktion der in der Hansestadt lebende Stararchitekt Hadi Teherani. Gemeinsam mit dem Entwickler Strabag Real Estate, der das Ensemble an der Reeperbahn 2013 fertiggestellt hat, gewann Teherani dafür drei Architektur- und Immobilienpreise.

Immobilien Mieten oder kaufen?

Steigende Immobilienpreise heizen einen Glaubensstreit an: Sollte man in Deutschlands Städten besser kaufen oder mieten? Aktuelle Daten zeigen, dass Mieter oft im Vorteil sind.

Deutschlands Immobilienmarkt brummt, vor allem in den gefragten Großstädten. Aber Mieten und Immobilienkaufpreise entwickeln sich nicht unbedingt im Gleichschritt. Mancherorts lohnt der Erwerb eines Eigenheims bereits nicht mehr. Quelle: dpa

Vermittelt hat den Verkauf die Frankfurter Niederlassung des US-Immobiliendienstleisters Jones Lang Lasalle. Käufer ist Hansainvest, die Hamburger Immobilientochter des Versicherers Signal Iduna. Die „spannendste Büroimmobilie Hamburgs“ nennt Hansainvest-Geschäftsführer Nicholas Brinckmann das neue Schmuckstück in seinem 17,5 Milliarden Euro schweren Portfolio. Für rund zehn Jahre ist dank frischer Mietverträge die fast vollständige Vermietung quasi garantiert. Zum Mieter-Mix gehören der österreichische Baukonzern Strabag, die internationale Anwaltskanzlei Osborne Clarke, der Spirituosenhersteller Diageo Germany und – im Untergeschoss – die Neuauflage der legendären Reeperbahn-Jazzbühne Mojo Club. Das alles macht die Tanzenden Türme zu einer sogenannten Core-Immobilie, die auch in schwierigerem Umfeld gefragt bleibt.

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2 Kommentare zu Spekulative Neubauten: Bei Gewerbeimmobilien droht der Absturz

  • Mir erscheint es ohnehin nicht sinnvoll in dem Bereich als Kleinanleger zu investieren, da das ganze sehr wenig liquide ist und man sich lange festlegt. Dafuer muesste man viel mehr Gegenleistung fordern. Gibt es eine Statistik fuer geschlossene Fonds in den Bereichen? Im Zweitmarkt liegen die Werte bei 46% - das sind aber nur die gehandelten Fonds.

  • Da gibt es selbst in Boomstädten eine Menge Jahrelanger Leerstand von Gewerbeimmobilien. Trotzdem wird viel neu Gebaut. Die Preise sind auch trotz Leerstand immer weiter gestiegen. Wenn die Preissteigerungen ein Ende haben, und man damit rechnen muss, die Immobilie bei Leerstand mit Verlust zu verkaufen, dürfte der Boom schnell in einer Flaute enden. Wenn der Leerstand im Markt gedrückt wird, lohnen sich Neubauten auch nicht mehr.

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