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Suche nach Sicherheit: Anleger flüchten in deutsche Immobilien

von Christian Hunziker Quelle: Handelsblatt Online

Für eine Investition in den deutschen Immobilienmarkt ist es noch nicht zu spät, sagen Experten. Das Umfeld sei nach wie vor attraktiv und trotz starker Nachfrage gebe es noch keine Preisblase. Doch das kann sich ändern.

In den letzten Jahren sind kaum Bürogebäude entstanden. Dadurch könnten die Mieten steigen. Quelle: dpa
In den letzten Jahren sind kaum Bürogebäude entstanden. Dadurch könnten die Mieten steigen. Quelle: dpa

BerlinSoll man angesichts der Preissteigerungen der vergangenen Monate noch in deutsche Immobilien investieren? Diese Frage bewegt nicht nur private Anleger, sondern auch institutionelle Investoren, wie diese Woche auf der hochkarätig besetzten Branchenkonferenz Quo Vadis in Berlin deutlich wurde. Die Antwort der meisten Profis: Ja, man kann noch kaufen, muss aber aufpassen, nicht zu hohe Preise zu bezahlen.

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„Es ist noch nicht zu spät für den Einstieg“, sagte Michael Ramm, der für die US-Bank J.P. Morgan Immobilienfonds betreut. Denn die Renditen befänden sich immer noch auf einem im langfristigen Vergleich „guten Niveau“. Außerdem seien in den vergangenen Jahren wenige neue Büro- und Einzelhandelsgebäude entstanden, so dass steigende Mieten zu erwarten seien. „Deutschland ist nach wie vor ein attraktiver Markt“, folgert Ramm.

Frisches Kapital aus aller Welt

Das sehen andere Investoren offenbar ähnlich, wie eine Umfrage des Branchenverbands Inrev unter europäischen Immobilienanlegern zeigt. Inrev vertritt die Interessen nichtbörsennotierter Immobilienfonds. Platz eins belegen bei den Investoren deutsche Einzelhandelsimmobilien; bereits auf dem dritten Platz folgen deutsche Wohnungen.

Diese Vorlieben haben einen einfachen Grund: Anleger suchen angesichts von Schuldenkrise und Turbulenzen an den Finanzmärkten Sicherheit – und diese glauben sie in deutschen Immobilien zu finden. „Aus allen Ländern der Welt fließt Geld nach Deutschland“, beobachtet Jan Bettink, Vorstand der Landesbank Berlin. „ Deutschland wird am ehesten zugetraut, die Turbulenzen unbeschadet zu überstehen.“

Hoch im Kurs stehen Wohnimmobilien in Großstädten. Trotz starker Nachfrage gebe es aber noch keine Preisblase, sagt Harald Simons, Vorstand des Beratungsunternehmens Empirica. Der Grund: „Mieten und Kaufpreise entwickeln sich gleichmäßig.“ In Berlin etwa stieg der Durchschnittspreis für neue Eigentumswohnungen seit 2004 um 23 Prozent. Die Mieten legten im selben Zeitraum aber sogar um 35 Prozent zu. Gleichzeitig warnt Simons Anleger davor, auf ungebremstes Mietwachstum zu setzen: In Berlin erwarte er eine „Verschnaufpause“, in München sei wegen der bereits jetzt sehr hohen Mieten „irgendwann einmal eine Grenze erreicht“.

Für völlig abwegig aber hält selbst Simons die Furcht vor einer Überhitzung des Markts keineswegs. Mit Blick auf die extrem niedrigen Zinsen räumt auch er ein, das billige Geld bereite „den Boden für eine gewisse Kaufpreisblase“.

Niedrige Zinsen bergen Risiken

Auch Stefan H. Brendgen, der beim Versicherungsriesen Allianz das deutsche Immobiliengeschäft verantwortet, stellt „in einigen Bereichen Preisüberhitzungstendenzen“ fest. Wirtschaftsprofessor Wolfgang Wiegard, einer der Autoren des auf dem Kongress vorgestellten Frühjahrsgutachtens des Rats der Immobilienweisen, will diese Gefahr ebenfalls nicht ausschließen: Um die Währungsunion zu retten, werde die Europäische Zentralbank weiteres billiges Geld bereitstellen – mit der Folge, dass noch mehr Kapital in Immobilien fließt. „Dann besteht durchaus die Gefahr, dass es zu einer Preisblase kommt.“

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