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Umstrittene Ersparnis: Kostenfalle Wärmedämmung

von Andreas Toller

Viele Hausbesitzer wollen Heizkosten sparen und investieren Unsummen in Fassadendämmungen. Aber anstelle einer Ersparnis steigen die Heizkosten sogar, sagen Kritiker. Was Immobilienbesitzer wissen sollten.

Alte Gemäuer

Historische Gebäude sind bei den Deutschen beliebt. Wie sehr die Bundesbürger ihre Fachwerk- und Backsteinschätzchen lieben, zeigt jetzt eine Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Immobilienunternehmens Pantera. Vor allem die Fassade hat es den Menschen (71 Prozent) angetan. Gerade Frauen zeigen sich begeistert von baulichen Besonderheiten wie den Stuck, einem Erker oder Sprossenfenstern.

Bild: dpa

Es klingt wie eine Sensation und hat das Potenzial zum Skandal: Eine lange verschollene Studie sei wieder aufgetaucht, hieß es vor wenigen Tagen im Fachmagazin Immobilienwirtschaft. Das brisante daran: In der Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Stuttgart aus dem Jahr 1985 findet sich dem bekannten Dämmkritiker und Architekten Konrad Fischer zufolge der wissenschaftliche Nachweis, dass durch eine wärmegedämmte Außenfassade die Heizkosten steigen. Eine gedämmte Fassade hätte demnach überhaupt keinen positiven Einspareffekt, sondern würde den Bedarf an Heizenergie sogar erhöhen. Die Studie liegt WirtschaftsWoche Online vor – ebenso wie die Richtigstellung durch das Fraunhofer Institut als Reaktion auf die Veröffentlichung im Fachmagazin Immobilienwirtschaft. Wenn das stimmt, wären Millionen verbauter Quadratmeter Fassadendämmung womöglich ein Geldgrab für die Hausbesitzer und nicht mehr als ein Konjunkturprogramm für die Hersteller von Dämmstoffen und das Bauhandwerk.

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Das Thema Wärmedämmung birgt eine Menge Sprengstoff. Denn die Investitionen sind für den Hausbesitzer hoch und sollen sich über die Jahre durch Einsparungen bei den Heizkosten amortisieren. Eine wirtschaftliche Entscheidung für oder gegen eine Gebäudedämmung steht und fällt daher mit einer realistischen Einschätzung der Sanierungskosten inklusive Folgekosten sowie der erzielbaren Einsparungen gegenüber dem ungedämmten Haus. Andererseits ist die Gebäudedämmung ein Riesengeschäft für Bauhandwerk und Baustoffindustrie. Und schließlich ist die Wärmedämmung auch noch politisch gewollt und für Neubauten und Sanierungsmaßnahmen sogar vorgeschrieben. Der Markt brummt, auch dank staatlicher Verordnung im Energieeinsparverordnung (EnEV), dass im Sanierungsfall Mindestkriterien für Wärmedämmung und Energieeffizienz formuliert.

Modell eines sanierten Gebäudes Quelle: dpa
Die Wärmedämmung eines Gebäudes kann auch zum finanziellen wie bautechnischen Desaster werden Quelle: dpa

Eine saubere Kalkulation der Wirtschaftlichkeit ist für den Hauseigentümer jedoch nicht einfach. Nicht selten locken Handwerksbetriebe und Dämmstoffindustrie mit einem Einsparpotenzial bei den Heizenergiekosten von 30 bis 50 Prozent. Gern wird dabei auch die Verbesserung des Wärmedurchgangskoeffizienten (sogenannter U-Wert) der Außenwände mit dem erzielbaren Einspareffekt gleich gesetzt. Die gedämmte Fassade eines Altbaus kann nämlich ohne weiteres den U-Wert der Außenwände um 85 Prozent verbessern. In der Heizkostenabrechnung schlägt sich diese Verbesserung jedoch deutlich geringer nieder, weil die Gesamtkosten für die Gebäudeheizung noch von vielen weiteren Faktoren abhängen: Fläche und Himmelsausrichtung der Außenwände, Effizienz der Heizanlage, Dämmeigenschaften in den übrigen Gebäudeteile wie Dach, Kellerdecke und Fenster, etc. Letztlich bleibt von der beworbenen Einsparung auf der Nebenkostenabrechnung nicht viel übrig.

30 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.01.2013, 16:40 UhrHandwerker

    Nur noch Idioten Dämmen heute noch ihr Einfamilienhaus. Auch bei vielen Architekten hat es sich inzwischen herumgesprochen das die vielen Nachteile die geringe Einsparung nicht aufwiegen. Es gibt kein Gesetz das eine Dämmung vorschreibt. Noch herrscht in Deutschland Vertragsfreiheit. Und die unwirtschaftlichkeit kann auch locker nachgwiesen werden und dann muss es sogar nicht gemacht werden. Bin mal gespannt wann der erste Mieter vor Gericht recht bekommt weil er die Mieterhöhung nicht bezahlen will.

  • 11.11.2012, 14:23 Uhrmeerwind7

    Meine Lebenserfahrung sagt ganz klar: Dämmung bringt Einsparung und warme Wohnungen. Und auch jede Berechnung ergibt dasselbe.
    Natürlich eine dünne Holzständerwand mit Dämmung schlechter als eine Massivwand mit sehr guten Dämmziegeln mitgleichem k-Wert bzw. u-Wert, wenn letztere zusätzlich Wärme speichert.
    Bei Dämmung ist halt auch ein Dachüberstand besonders ratsam. Den lassen viele modische Architekten dummerweise weg. Dann braucht man sich über Fassadenschäden nicht zu wundern

  • 22.10.2012, 07:49 UhrKonradFischer

    @Saatweber: Ich habe den Eindruck, Sie erzählen von einer Vollsanierung, die nicht nur die Außenwanddämmung betraf. Das wäre dann Äpfel mit Birnen verglichen, oder?

    Die Meßdaten des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik, die Sie offenbar gar nicht kennen, erzählen dagegen eine klare Geschichte: Außendwanddämmung verursacht höhere Heizkosten. Dazu wurden viele Vergleichsuntersuchungen an gedämmten und ungedämmten Testhäusern durch geführt. Und alle Messungen ergaben dieses Ergebnis. Wenn das keine statistische Signifikanz ist! Übrigens wird im Novemberheft der "Immobilienwirtschaft" eine sogenannte "Richtigstellung" des Instituts (verfaßt von den Herren Professoren Hauser und Sedlbauer) erscheinen. Und zwar neben einer Stellungnahme des angegriffenen Journalisten dazu.

    Spannung garantiert!

    Konrad Fischer
    Dämmketzer

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