Umstrittene Ersparnis: Kostenfalle Wärmedämmung

ThemaImmobilien

Umstrittene Ersparnis: Kostenfalle Wärmedämmung

von Andreas Toller

Viele Hausbesitzer wollen Heizkosten sparen und investieren Unsummen in Fassadendämmungen. Aber anstelle einer Ersparnis steigen die Heizkosten sogar, sagen Kritiker. Was Immobilienbesitzer wissen sollten.

Es klingt wie eine Sensation und hat das Potenzial zum Skandal: Eine lange verschollene Studie sei wieder aufgetaucht, hieß es vor wenigen Tagen im Fachmagazin Immobilienwirtschaft. Das brisante daran: In der Studie des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik in Stuttgart aus dem Jahr 1985 findet sich dem bekannten Dämmkritiker und Architekten Konrad Fischer zufolge der wissenschaftliche Nachweis, dass durch eine wärmegedämmte Außenfassade die Heizkosten steigen. Eine gedämmte Fassade hätte demnach überhaupt keinen positiven Einspareffekt, sondern würde den Bedarf an Heizenergie sogar erhöhen. Die Studie liegt WirtschaftsWoche Online vor – ebenso wie die Richtigstellung durch das Fraunhofer Institut als Reaktion auf die Veröffentlichung im Fachmagazin Immobilienwirtschaft. Wenn das stimmt, wären Millionen verbauter Quadratmeter Fassadendämmung womöglich ein Geldgrab für die Hausbesitzer und nicht mehr als ein Konjunkturprogramm für die Hersteller von Dämmstoffen und das Bauhandwerk.

Das Thema Wärmedämmung birgt eine Menge Sprengstoff. Denn die Investitionen sind für den Hausbesitzer hoch und sollen sich über die Jahre durch Einsparungen bei den Heizkosten amortisieren. Eine wirtschaftliche Entscheidung für oder gegen eine Gebäudedämmung steht und fällt daher mit einer realistischen Einschätzung der Sanierungskosten inklusive Folgekosten sowie der erzielbaren Einsparungen gegenüber dem ungedämmten Haus. Andererseits ist die Gebäudedämmung ein Riesengeschäft für Bauhandwerk und Baustoffindustrie. Und schließlich ist die Wärmedämmung auch noch politisch gewollt und für Neubauten und Sanierungsmaßnahmen sogar vorgeschrieben. Der Markt brummt, auch dank staatlicher Verordnung im Energieeinsparverordnung (EnEV), dass im Sanierungsfall Mindestkriterien für Wärmedämmung und Energieeffizienz formuliert.

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Modell eines sanierten Gebäudes Quelle: dpa

Die Wärmedämmung eines Gebäudes kann auch zum finanziellen wie bautechnischen Desaster werden

Bild: dpa

Eine saubere Kalkulation der Wirtschaftlichkeit ist für den Hauseigentümer jedoch nicht einfach. Nicht selten locken Handwerksbetriebe und Dämmstoffindustrie mit einem Einsparpotenzial bei den Heizenergiekosten von 30 bis 50 Prozent. Gern wird dabei auch die Verbesserung des Wärmedurchgangskoeffizienten (sogenannter U-Wert) der Außenwände mit dem erzielbaren Einspareffekt gleich gesetzt. Die gedämmte Fassade eines Altbaus kann nämlich ohne weiteres den U-Wert der Außenwände um 85 Prozent verbessern. In der Heizkostenabrechnung schlägt sich diese Verbesserung jedoch deutlich geringer nieder, weil die Gesamtkosten für die Gebäudeheizung noch von vielen weiteren Faktoren abhängen: Fläche und Himmelsausrichtung der Außenwände, Effizienz der Heizanlage, Dämmeigenschaften in den übrigen Gebäudeteile wie Dach, Kellerdecke und Fenster, etc. Letztlich bleibt von der beworbenen Einsparung auf der Nebenkostenabrechnung nicht viel übrig.

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29 Kommentare zu Umstrittene Ersparnis: Kostenfalle Wärmedämmung

  • Die Stellungnahme des Instituts für Bauphysik überrascht mich NICHT. Ich halte ein Zitat aus seiner selbst erstellten 1983er Studie dagegen:

    "Überheizungen über 24°C, was insbesondere in den Übergangsmonaten infolge Sonneneinstrahlung möglich war, wurde mit Hilfe automatisch gesteuerter Rolläden vermieden."
    aus: "Untersuchungen über den effektiven Wärmeschutz verschiedener Ziegelaußenwandkonstruktionen, Bericht über den 1. und 2. Untersuchungsabschnitt, B Ho 8/83-II, Blatt 5, 1. Abs., Z. 10-12., Holzkirchen, 5. Juli 1983.

    Jeder, der die hier maßgeblichen IBP-Studien aus den Jahren 1983 und 1985 liest, kann es selber prüfen: In keinem einzigen Fall haben die diversen Außendämmungen mit den Dämmstärken von 6,5 - 23 (!) cm Polystyrol zu irgendeiner Verminderung der Heizkosten geführt, sondern IMMER die Heizkosten gegenüber dem reinen Massivbau ERHÖHT. Und das korrespondiert geradezu 1:1 mit den GEWOS-Untersuchungen.

    Und entspricht allen sonstigen mir vorliegenden Untersuchungen und mündlichen Aussagen der Wohnungswirtschaft, bei denen Fälle mit NUR WÄRMEDÄMMVERBUNDSYSTEMFASSADE - also ohne Heizungssanierung usw. - betrachtet wurden. Da kann die Expertenkunst dagegenrechnen, was sie will.

    Konrad Fischer
    Dämm- und Expertenskeptiker

  • Wenn ich sehe wie massenhaft schöne Altbaufassaden mit Styropor zugekleistert werden, wird mir schlecht! Das Zeug wird in absehbarer Zeit zerbröseln, ist in zerbröselter Form aber "unkaputtbar" und bleibt auf ewige Zeiten in der Umwelt erhalten! Einzigster Ausweg: Verbrennen! Dabei entstehen aber hochgiftige Rückstände. Deswegen ist es als Blumentopf schnell wieder verschwunden und als Verpackung sollte es Ende der 80er Jahre auch weg und verboten werden. In der Firma, in der ich damals arbeitete wurden gerade alle Styroporverpackungen durch alternative ersetzt, als es plötzlich hieß: Kommando zurück, Styropur wird nicht ersetzt! Als Grund hieß es damals: Die chemische Industrie hat die Politik dahingehend erpreßt, daß sie schnellstmöglich an die halbe Million Arbeitsplätze abbaut falls Styropor verboten wird!
    In den folgenden Jahren nahmen nicht nur die Styropor-Verpackungen immer mehr zu, es kamen auch die häßlichen Fahrradhelme aus dem Zeugs auf und nun wirklich rauhe Mengen an die Fassaden!
    In übrigen bin ich mir sicher, daß der größte Fehler war. die Wärmequelle für die Raumbeheizung von der Innenwand unter das Fenster zu versetzen. Der Kachelofen beheizte 2 Räume mit einer handvoll Brennmaterial. Für eine sitzende Tätigkeit begab man sich auf die Ofenbank und für Tätigkeiten in Bewegung ja nachdem in eine andere Klimazone des Raumes.
    Heute muß der ganze Raum, auch am Fenster, die volle Heiztemperatur haben - und weil immer mehr Leute nur sitzen und sich wenig(er) bewegen - wird die auch noch immer höher! Und das nur, weil die 70er Jh. Schrankwand nicht in eine Wohnung mit Ofen paßt! Schade, daß wir noch keine B-Arche mit (Möbel-)Designern und ähnlichen "wertvollen" Mitbürgern losgeschickt haben!

  • Und was soll daran neu sein?
    Wer den Aussagen der deutschen Politiker irgend einen minimalstwert an Wahrheit unterstellt, hat dieses deutsche, korrupte System noch nicht gut genug verstanden.
    Herr Toller, lassen Siemes sich sagen: So kommen Sie nie in den Kanzlerflieger.

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