Vertrauenskrise: Das Ende der Immobilienfonds

Vertrauenskrise: Das Ende der Immobilienfonds

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Schnell weg Der Deka-Immobilienfonds nahm dem CS Euroreal den 140-Millionen-Euro-Büroklotz in Amsterdam ab (oben) Taiga-Grau Ein anonymer russischer Oligarch schnappte sich diesen Londoner Bürobau für 66 Millionen Pfund, der TMW-Fonds zahlte einst 82 Millionen

von Heike Schwerdtfeger

Fondsmanager in Zeitnot verramschen Immobilien. Anleger der Krisenfonds sehen trotzdem kaum Geld: Erst einmal sind die Banken dran. Sie haben die Fonds mit Krediten aufgepumpt und fordern ihre Milliarden zurück.

Als mündelsicher galten sie einmal, als Wertpapiere, bei denen ein Verlustrisiko ausgeschlossen ist, sodass ein Vormund selbst das Geld von Waisen dort anlegen darf. Noch 2009 stufte das Amtsgericht Fürth den SEB Immoinvest als mündelsicher ein. Gerd Merkel kann darüber heute nur noch bitter lachen. Ihm geht es wie rund einer Million Anlegern in Deutschland: Sein Geld hängt in Immobilienfonds fest, die ihm von Bankberatern als sichere Investments verkauft wurden. Beide Fonds, in die er investiert hat, stehen vor dem Aus, neben dem sechs Milliarden Euro schweren SEB Immoinvest auch noch der halb so große Axa Immoselect. Von seinem Höchstkurs Anfang Mai hat der SEB-Fonds schon sechs Prozent verloren, der Axa-Fonds ist seit seinem Hoch Ende 2010 um 7,3 Prozent gefallen. Doch das sind nur die offiziellen, von den Fondsgesellschaften ausgewiesenen Zahlen. Anleger misstrauen diesen zu Recht. Wer den SEB-Fonds an der Börse verkauft, bekommt 35 Prozent weniger, beim Axa-Fonds liegt der Abschlag bei 53 Prozent.

Die beiden Fonds und noch sechs weitere müssen in den nächsten Jahren sämtliche Immobilien verkaufen und werden dann zwangsweise aufgelöst. SEB Asset Management und die Credit Suisse mit ihrem Fonds CS Euroreal hatten in diesem Mai mit einer verzweifelt anmutenden Abstimmung versucht, die Fonds zu retten: Anleger sollten entscheiden, ob die Fonds im Normalbetrieb weitergeführt werden sollten – dann hätten sie ihre Anteile behalten müssen – oder ob sie ihr Geld zurück haben wollten, selbst wenn sie die Fonds damit in die Abwicklung schickten. Beide Plebiszite scheiterten krachend: Beim CS Euroreal wollten Anleger Anteile im Wert von knapp drei Milliarden Euro zurückgeben, bei nur 5,7 Milliarden Euro Fondsvermögen, das zum Großteil in Büroimmobilien steckt, die sich nicht von einem Tag auf den anderen verkaufen lassen. Bei SEB AM, die zu der Zahl der Rückzahlungsbegehren schweigt, dürfte das Ergebnis ähnlich gewesen sein. 60 Prozent der Anleger, die den SEB-Fonds im Depot bei der Münchner DAB Bank halten, wollten verkaufen, kamen aber nicht zum Zuge.

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Investor Merkel sagt, er hätte sich nicht träumen lassen, dass beide Fonds, die anfangs nur mal für sechs Monate vorübergehend geschlossen werden sollten, jetzt dichtgemacht werden. Er rechne mit hohen Verlusten, sagt er, so wie die, die Anleger mit dem Morgan Stanley P2 Value erlitten haben, der seit Schließung die Hälfte an Wert verloren hat – auch nach offiziellen Zahlen. „Ich vermisse bei den Fondsgesellschaften das Bewusstsein für den Anleger, der auf das Geld angewiesen ist“, sagt Merkel. Jetzt sei er froh, nur überschaubare Summen investiert zu haben. Trotzdem beunruhigt es ihn, dass er vergeblich auf eine für April angekündigte Ausschüttung der Axa wartete. „Ich hoffe, dass alles mit rechten Dingen zugeht und Anleger nicht an der Nase herumgeführt werden.“

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