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Immobilienblase: Sandkasten-Spiele in Dubai

von Hauke Reimer, Christof Schürmann, Hans Jakob Ginsburg, Stefan Hajek, Heike Schwerdtfeger, Matthias Kamp, Cornelius Welp und Yvonne Esterházy

Die absurde Immobilienblase ist geplatzt, Dubai bedient seine Schulden nicht. Die Krise ist ein Weckruf: Überbewertung und Verschuldung bedrohen Finanzmärkte und Weltwirtschaft.

Ein Kamelreiter am Strand Quelle: REUTERS
Ein Kamelreiter am Strand Jumeirah in Dubai, Vereinigte Arabische Emirate Quelle: REUTERS

Auf den Britischen Inseln ist es einfach nur ruhig, beängstigend ruhig. Am Horizont erstarren ein paar Baukräne. Von Deutschland hierher – das war eine kurze Überfahrt in einem kleinen Motorboot. Das Boot soll Kaufinteressenten befördern, eigentlich. Doch potenzielle Käufer interessieren sich nicht mehr für den kunstvoll aufgeschütteten Sand im flachen Meer. Auch in Deutschland ist nichts los. Überall nur Sandhaufen.

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Das alles ist natürlich nicht unsere Welt, sondern „The World“, die zweite künstliche Inselgruppe vor der Küste von Dubai, nach der viel beschriebenen „Palme“, auf deren Wedeln reihenhausartig aufgereihte Villen der Bewohner harren und ein riesiges Luxushotel mit Rabatten lockt. Die „Welt“ ist eine Ansammlung von Inselchen, die aus der Luft wie eine Weltkarte aussehen. Die arabischen Länder wurden noch verkauft, heißt es. Europa ist dagegen noch zu haben. Interessenten können sich bei Nakheel melden. Nakheel – das ist der Baukonzern, der jetzt erklärte, Mitte Dezember werde er eine fällige Anleihe über 3,5 Milliarden Dollar vorerst nicht bedienen.

Dem Konzern geht es schlecht, weil der Bauboom in Dubai vorbei ist und weil jetzt überall Wolkenkratzer stehen, voll mit Wohnungen und Büroräumen, die niemand braucht. Nakheel gehört zum Konglomerat Dubai World, Dubai World gehört dem Herrscher von Dubai: Scheich Mohammed regiert einen Stadtstaat, der bis vor Kurzem als wirtschaftlicher Motor der Vereinigten Arabischen Emirate galt – als ökonomisches Morgenland, wo Reichtum und ungehinderte Wirtschaftsmacht eine Finanzmetropole des 21. Jahrhunderts schaffen, so wie Singapur und Shanghai, mindestens. Doch jetzt muss Dubai World insgesamt 26 Milliarden Dollar umschulden.

Auftakt zur Weltfinanzkrise 2.0?

In den Handelsräumen im Westen gingen rote Lampen an: Ist das der Auftakt zur Weltfinanzkrise 2.0 – oder doch nur ein Warnschuss für naive Investoren, die sich an Hochglanzbroschüren orientalischer Immobilienentwickler begeisterten? Oder wird der Absturz des Wirtschaftswunderländchens Dubai eine Domino-Reaktion auslösen: Erst kippen die Golfstaaten, dann Schwellenländer in aller Welt – und am Ende leiden die von der Finanzkrise schon geschwächten Ökonomien der Industrieländer?

„Angesichts der weltweit bevorstehenden Kreditausfälle ist Dubai keine große Sache. Aber es erinnert uns daran, dass auch Regierungen als Schuldner ausfallen können“, sagt der legendäre Investor und Asienkenner Marc Faber: „Dubai war nur die Spitze des Eisbergs.“ Viele Regierungen würden noch pleitegehen. Selbst Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann warnte beim Kanzlerinnen-Gipfel vergangene Woche vor Gefahren durch kleinere Länder mit Finanzproblemen.

Briten mit 50 Milliarden Dollar investiert

Die ersten Antworten zu Dubai kamen aus London. Von hier aus wurden die Emirate, in deutschen Atlanten „Befriedete Piratenküste“ benannt, bis 1971 regiert. Britische Banken haben 50 Milliarden Dollar Kredite in die Emirate vergeben – und wiegeln jetzt ab: „Anfangs sah es kurzfristig nach einem globalen Problem aus, jetzt wirkt es wie ein lokales“, sagt Gerard Lyons, Chefvolkswirt der britischen Bank Standard Chartered, die selbst fast acht Milliarden Dollar in die Emirate verliehen hat. Anders als bei der Asienkrise der späten Neunzigerjahre rechne er nicht mit einem Domino-Effekt.

„Auf Basis der öffentlich zugänglichen Informationen sind wir über die fundamentalen Folgen der Dubai-Krise für die europäischen Banken nicht sonderlich besorgt“, – so windet sich die britische Barclays Bank, die immerhin 3,6 Milliarden Dollar Kredite im Feuer hat.

„Alles halb so wild“, stimmen die Banker in Frankfurt ein. „Wer einmal dort war, weiß doch, dass Dubai schon wegen der extremen Hitze das halbe Jahr über unbewohnbar ist“, sagt ein Bankvorstand. Häufig dort waren deutsche Wirtschaftsdelegationen – der guten Geschäfte wegen. Von Infrastruktur bis Rüstungsgütern galten die Scheichs als attraktive Kunden. Im Zwei-Jahres-Rhythmus reisten Ex-Kanzler Gerhard Schröder und Nachfolgerin Merkel an den Golf.

11 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 10.12.2009, 09:54 UhrAnonymer Benutzer: Klumpatsch

    Dubai hat eigentlich nur das gemacht, was Großindustrielle der halben Welt gemacht haben - Sie haben Kredit in der Welt genommen und in eine Zukunft kühn investiert. Das Emirats Dubai ist mit ca. 88,1 Mrd. Dollar verschuldet. Die Auslandsverschuldung ist bei ca. 103 % vom biP. Fast 50 Mrd. Dollar müssen in den nächsten 3 Jahren refinanziert / getilgt werden, was ein Problem darstellt, da der Leerstand und zu kurzfristig finanziert (dabei Zinsen um 1%, langfristige Zinsen wären bei 3% - 4 %) den finanziellen Spielraum enger werden lassen. bei schlechteren Geschäftsaussichten wird die Zahl der investoren, die bereit sind Geld für das Emirats Dubai zu leihen auf jeden Fall weniger, was den Zins noch weiter steigen lässt.

  • 10.12.2009, 09:39 UhrAnonymer Benutzer: Bino

    Der von @Heinz genannte Link funktioniert nicht. Nehmt mal den:
    http://www.europolitan.de/Politik/Welt/Scheichs-eroeffnen-kuenstliche-Palmeninsel-Jumeirah---und-lassen-es-krachen/278,15172,0,0.html

  • 09.12.2009, 19:08 UhrAnonymer Benutzer: Hamburger

    Der immobilienarm von DubaiWorld ist pleite !
    Schulden : 20 Mia.$ ; Schuldendienst : 5% = 1 Mia.$ p.a. .
    Halbjahresumsatz: 400 millionen $ !
    Aktiva der Gesellschaft . von 40 Mia$ auf 37 Mia.$ abgewertet, obwohl die Marktpreise für immobilien um über 50% gesunken sind u. weitere 30$ Abwertungen kommen sollen; d.h. defakto hat die Fa. noch 14 Mia$ an Werten, muß aber 20 Mia$ Schulden abzahlen.
    Selbst die Mieten für ein Haus auf der berühmten Palmeninsel ist auf 1/3 ca. 1200 Gb-Pound pro Monat gefallen u. der künstliche inselboden soll jährlich um 5mm absinken, bei gleichzeitig steigendem Meeresspiegel, ein 2. Atlantis, was dieser Hybris ein Ende bereitet steht Dubai bevor, ob vom Wasser oder vom Sand, das Ergebnis bleibt das Gleiche !

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