Immobilienfonds: Grandhotel Heiligendamm: Triste Noblesse - Seite 2

Immobilienfonds: Grandhotel Heiligendamm: Triste Noblesse

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Es sei typisch für Fundus, „auf Zeit zu spielen und sich aus der Verantwortung zu stehlen“, sagt Frauke Gimpel, Anwältin in der Kanzlei Brinker & Partner in Hamm, die mehrere Anleger anderer Fundus-Fonds vertritt. Ob die Strategie Jagdfelds in diesem Fall aufgeht? Die Zeit wird knapp – und Alternativen sind rar. Der Vorschlag, frisches Eigenkapital ins Hotel zu stecken, stößt bei den Anlegern auf noch weniger Gegenliebe als die Bitte um einen Kredit. Ähnlich aussichtslos: eine Bank zu finden, die das Darlehen von der HypoVereinsbank ablöst. Das sei schwierig, „solange das Hotel keine Überschüsse erwirtschaftet“, räumte Jagdfeld auf der Gesellschafterversammlung ein. Und » ein Co-Investor? Er denke gar nicht daran, ein Objekt dieser Qualität „Heuschrecken“ zu überlassen, tönte der Fundus-Chef. Die Hoffnung auf neue Privatanleger ist wohl eine Illusion, trotz der werbenden Umschläge in den Hotelzimmern. Auch den Gästen dürfte die Finanzkrise nicht entgangen sein, ebenso wenig wie der wohl in vielen Augen massive Imageverlust der Fundus-Gruppe, einst ein wichtiger Player auf dem deutschen Immobilienmarkt. Denn Heiligendamm ist nicht der einzige Problemfall: Mehrere Fundus-Fonds laufen unbefriedigend. Vor allem die Anleger des Bürohauses Pyramide in Berlin und der Leipziger Gutenberg-Galerie fühlen sich getäuscht und zogen reihenweise vor Gericht. Auch bei den Investoren des Berliner Renommeehotels Adlon wächst der Unmut. Die Fundus-Mannen betonen zwar immer wieder, noch keinen Prozess verloren zu haben. Doch das ist nur die halbe Wahrheit, wenn es brenzlig wird, sorgen sie offenbar vor: Fundus habe einem Mandanten kurz vor einer Urteilsverkündung einen „vorteilhaften Vergleich“ angeboten, berichtet der Münchner Anwalt Peter Mattil. Je länger Geld fehlt, desto weiter in die Ferne rücken überfällige Baumaßnahmen auf dem Hotelgelände. So erinnert bei der „Perlenkette“ aus weißen Villen nur noch der Name an einstigen Glanz. Die sieben historischen Häuser im östlichen Teil des Areals sind in einem schlechten Zustand. Mindestens zwei – die Villen „Schwan“ und „Möwe“ – sollen abgerissen werden, die „Perle“ wurde bereits dem Erdboden gleichgemacht. Das hat heftige Proteste von Denkmalschützern ausgelöst, die Initiative „Pro Heiligendamm“ verweist auf den Vertrag zwischen der ECH und der Stadt Doberan, demzufolge die Baufirma „denkmalpflegerische Belange“ achten muss. Die Villen „werden wieder aufgebaut“, verspricht Beermann. Den Zeitpunkt nennt er nicht. Zwei Faktoren sollen dieses Jahr endlich für den Turn-around sorgen. Erstens: Die „Einfriedung“ des Geländes, in Jagdfelds Augen ein „Kernthema für den Hotelerfolg“. Zahlreiche Gäste seien nicht wiedergekommen, weil sie sich von den übers Gelände laufenden Schaulustigen belästigt fühlten, meint er. In der Tat strömten gerade im Sommer scharenweise Neugierige am Strand entlang gen Hotel und klopften angeblich schon mal ans Fenster. Mit solch bizarren Aufeinandertreffen soll Schluss sein, künftig ist die Hautevolee in Heiligendamm unter sich. Just am Vorabend, verkündete Jagdfeld auf der Gesellschafterversammlung am 7. Dezember stolz, habe der Bad Doberaner Stadtrat dem Vorhaben endlich zugestimmt, mit elf Ja-Stimmen, zehn Nein-Stimmen und einer Enthaltung.

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Zweiter Hoffnungspunkt: die Staatschefs. Neben der Werbung fürs Hotel durch die weltweit ausgestrahlten Bilder vom G8- Gipfel setzt Jagdfeld auf die bessere Infrastruktur. Im Vorfeld seien Straßen rund um Heiligendamm erneuert worden, zudem sei die A 20 endlich fertig, sodass Heiligendamm von Hamburg binnen zwei Stunden erreichbar sei. Allein, vielen fehlt der Glaube. Zu weit weg scheint die Gewinnzone, und auch die besten Straßen ändern nichts daran, dass das von dichten Buchenwäldern und verschlafenen Städtchen umgebene Heiligendamm von den Wohnorten der Reichen und Schönen weit entfernt ist. Jagdfeld habe den Standortnachteil unterschätzt, kritisiert ein Anleger. Und durch seine Fixierung auf absoluten Luxus sei die Zielgruppe für ein Objekt in dieser Größe und Abgeschiedenheit einfach zu klein. Vor allem unter der Woche kommen nur wenige Gäste, auch eine Folge der bescheidenen Konferenzzone: Die Räume seien zu klein und allenfalls für Familienfeiern geeignet, monierte ein Anleger auf der Gesellschafterversammlung. Im Gegensatz zu anderen Fundus-Fonds sind bisher keine juristischen Schritte bekannt. Das könnte sich bald ändern, gerade die umstrittene Platzierungsgarantie sorgt für Unmut. Das Problem: Deren Erfüllung müsste nach Ansicht von Juristen die Fondsgesellschaft einklagen, und deren Geschäfte führt Jagdfeld praktischerweise selber. Die Gesellschafter bräuchten also eine Mehrheit auf der Gesellschafterversammlung – und das ist bei geschlossenen Fonds traditionell knifflig. Denn obwohl sie eine „unternehmerische Beteiligung“ eingegangen sind, sehen die meisten Investoren darin eine gewöhnliche Geldanlage und bleiben den Versammlungen fern. Wenn sie nicht anderes bestimmt haben, liegen die Stimmrechte dann beim Treuhänder. Der heißt in Heiligendamm Jagdfeld & Partner und verfügt dank hoher Abwesenheitsquoten meist über bequeme Mehrheiten. Obwohl die Anleger das Risiko tragen, geht also in aller Regel nichts gegen den Willen der Fundus-Leute. Damit das so bleibt und kein aufmüpfiger Anleger seine Leidensgenossen zusammentrommelt, rückt Fundus die Adressen der Gesellschafter nicht raus. Die Gesellschafter hätten der Herausgabe ihrer Daten nicht zugestimmt. Diese Praxis entbehre „jeder rechtlichen Grundlage“, meint Anwältin Gimpel. Um Mitstreiter zu mobilisieren, müssen kritische Anleger deshalb in mühevoller Kleinarbeit Kontakte sammeln. Genau das gelang einer Gruppe von Investoren der Leipziger Gutenberg-Galerie. Das Resultat: Auf einem Gesellschaftertreffen entmachteten sie die Fundus-Manager und beschlossen, einen unabhängigen Sanierer zu engagieren (siehe Seite 174). Anwalt Mattil: „Wer in einen geschlossenen Fonds investiert, sollte bereit sein, seine Stimmrechte wahrzunehmen.“ Sonst bleibt nach dem Gipfel alles beim Alten in Heiligendamm.

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