Insiderhandel: Internationale Jagd auf Börseninsider

Insiderhandel: Internationale Jagd auf Börseninsider

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Don Ching Trang Chu (links) mit seinem Anwalt

von Andreas Henry und Yvonne Esterházy

Die öffentliche Wut auf die Banker treibt Börsenaufseher in den USA und in London zu neuen Ermittlungen an.

Kein Wort kam über seine Lippen, als der 56-jährige Don Ching Trang Chu am letzten Mittwoch im November mit seinen Anwälten die Stufen des Bundesgerichts in Manhattan herabschritt. Kurz zuvor war er von FBI-Agenten verhaftet worden. Chu soll Mitglied eines Insiderrings sein, gegen den die Behörden seit drei Jahren ermitteln. Er soll Unternehmensinsider, die über wertvolle und nicht veröffentlichte Informationen verfügten, mit Investoren zusammengebracht haben, sodass die dann auf Basis der Informationen handeln konnten. Der Richter ließ ihn nur gegen eine Million Dollar Kaution frei.

Die Verhaftung und Hausdurchsuchungen bei mehreren Fonds beunruhigen die Wall Street. Die Insideruntersuchung, die ihren vorläufigen Höhepunkt mit der Verhaftung des Hedgefondsgründers Raj Rajaratnam vor rund einem Jahr erlebte, scheint in ihre Endphase zu gelangen. Bisher sind in einem der größten Insiderskandale 23 Angeklagte bekannt. Weitere Verhaftungen sind wahrscheinlich.

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Die Aufsichtsbehörden ziehen die Zügel an

Keine Frage: Die Aufsichtsbehörden ziehen die Zügel an. In New York und London spüren Ermittler politischen Rückenwind – zu groß ist der Volkszorn über die im Zuge der Finanzkrise aufgedeckten Skandale um gierige Banker und Börsianer. Selbst in Deutschland, wo die Finanzaufsicht BaFin lange als zahnloser Tiger galt und Staatsanwälte zum Jagen getragen werden mussten, läuft aktuell die bisher größte Ermittlung wegen Kursmanipulation. Ende September durchsuchten 160 Polizeibeamte rund 50 Büros und Wohnungen, darunter die Büros der Anlegerorganisation SdK, der VEM Aktienbank und diverser Börsenbrief-Herausgeber. Drei Beschuldigte kamen in U-Haft. Sie sollen in einem mafiaähnlichen Netzwerk Aktien gekauft oder auf fallende Kurse spekuliert und dazu gezielt Nachrichten zu den Firmen verbreitet haben.

Die Gerichte spielen mit: Anwälte von Hedgefondsmanager Rajaratnam scheiterten gerade mit ihrem Gesuch, Beweismaterial aus abgehörten Telefonaten vor Gericht nicht zuzulassen. Auch Chu ist den Ermittlern so womöglich ins Netz gegangen. Er hatte eine andere beteiligte Person davor gewarnt, E-Mails zu nutzen, nur reden solle er, aber "nichts aufschreiben, nichts aufschreiben, gefährlich".

Chus kalifornische Firma Primary Global Research ist Teil eines sogenannten Expertennetzwerks, das Hedgefonds, Investmentfonds und Analysten Informationen lieferte – nicht nur Analyseergebnisse, so die Ermittler, sondern vor allem illegale Insiderinformationen. Einige an der Wall Street halten die Vorwürfe gegen Expertennetzwerke für absurd. Es sei legal, sich durch fleißige Recherche einen Informationsvorsprung zu verschaffen.

Doch andere, wie der Bostoner Rechtsprofessor Tamar Frankel, erkennen darin einen „geschlossenen Markt für Insiderinformationen“. Es gebe klare Muster und Serientäter, sagte SEC-Direktor Scott Friestad kürzlich auf einer Juristenkonferenz: "Spieler hatten immer wieder Zugang zu Insiderinformationen und haben diese auch immer wieder genutzt."

Ermittler kooperieren global

Auch die britische Aufsicht FSA hat den Kampf gegen Insiderhandel intensiviert. "Wir legen deutlich mehr Wert auf einen investigativen Ansatz, der global ausgerichtet ist", heißt es in britischen Aufsichtskreisen. Die Zusammenarbeit, etwa mit der SEC, scheint zu funktionieren: Gerade wurde Arnold McClellan, ein in den USA lebender Ex-Partner der Wirtschaftsprüfergesellschaft Deloitte, mit seiner Frau von der SEC wegen des Verdachtes auf Insiderhandel angeklagt.

Angeblich hatte das Paar McClellans Schwägerin und deren Mann in London über geplante Übernahmen und Fusionen informiert. Die Londoner Verwandten und drei ihrer Partner, die mit der britischen Brokerfirma Blue Index in Verbindung standen, waren bereits vor einer Woche in Großbritannien angeklagt worden, hier hatte die FSA die Federführung übernommen. "Insiderhandel ist kein Kavaliersdelikt und kein Verbrechen ohne Opfer", sagt Margaret Cole, Leiterin der für Strafverfolgung zuständigen FSA-Abteilung. Wie die SEC hat auch die FSA die Zahl der Ermittler deutlich aufgestockt. Die Behörde hat derzeit noch mindestens 15 weitere Personen wegen Insiderhandels im Visier. Den Aufsehern in London und New York war vor der Finanzkrise oft vorgeworfen worden, sie verfolgten, um Banker und Investoren nicht zu verschrecken, einen eher laxen Kurs gegen Insiderhandel und Kursmanipulation.

Diese Zeiten sind jetzt vorbei.

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