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Interview Harald Joos: "Keine Abschwächung"

von Anton Riedl

Harald Joos, Chef des MDax-Werts Demag Cranes, über Konjunkturrisiken, Chancen nach dem Kurssturz und höhere Dividenden.

Demag-Cranes-Chef Harald Joos Quelle: Pressefoto
Demag-Cranes-Chef Harald Joos Quelle: Pressefoto

WirtschaftsWoche: Herr Joos, die USA steuern in die Rezession, in Europa flaut die Konjunktur ab und Sie sagen, dass Demag davon kaum betroffen sei. Wie passt das zusammen?

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Harald Joos: Wir sind mit unseren Bereichen Industriekrane, Hafentechnologie und Services sehr robust aufgestellt. Eventuelle konjunkturelle Schwächen in den etablierten Märkten können wir über den starken Wachstumstrend in den Schwellenländern teilweise sogar überkompensieren.

Aber auch in Brasilien, Russland, Indien oder China wachsen die Risiken.

Wir können definitiv keine Abschwächung erkennen. Unser Auftragsbestand im Segment Industriekrane, über das wir dort in erster Linie wachsen, sichert uns aktuell die Produktion für mehr als sechs Monate. Und in Europa läuft das Geschäft besser, als es die Stimmung an den Kapitalmärkten vermuten lässt.

Zwei Drittel Ihres Gewinns brachte zuletzt das Servicegeschäft. Schieben Ihre Kunden in schwierigeren Zeiten nicht auch notwendige Wartungen hinaus?

Das ist so nicht richtig. In einer Boomphase zum Beispiel werden durch die hohe Belastung der Krane in erster Linie Ersatzteile nachgefragt. In konjunkturell schwierigen Zeiten hingegen werden Neu-Investitionen zurückgestellt und verstärkt Reparaturen und Modernisierungen durchgeführt. Das Servicegeschäft wächst stabil und ist überhaupt nicht zyklisch. Weltweit sind über 650 000 Krane und Hebezeuge mit dem Demag-Logo im Einsatz – da bekommen wir noch viel zu tun.

Können Sie sich wieder Zukäufe leisten?

Nach dem Schuldenabbau der vergangenen Jahre ist das möglich. Insbesondere in den Schwellenländern wollen wir zulegen und den Umsatzanteil in den nächsten Jahren von heute 25 auf 40 Prozent ausbauen.

Machen Ihnen bei der Herstellung hohe Kosten für Rohstoffe und Energie zu schaffen?

Wir spüren das zwar, aber damit müssen alle in der Branche leben, auch unsere Wettbewerber und Kunden.

Schmerzt der schwache Dollar?

In unseren Prognosen für das laufende Geschäftsjahr ist ein durchschnittlicher Euro-Dollar-Kurs von 1,50 berücksichtigt. Zudem registrieren wir, dass weltweit immer mehr Kunden Geschäfte in Euro abwickeln. Das ist ein Vorteil für uns.

Sie sprechen von stabilen Geschäften, 2007 aber schockten Sie Anleger mit einer Gewinnwarnung.

Verantwortlich dafür war die neueste Generation von Hafenmobilkranen. Hier lagen die Herstellkosten höher als erwartet. Das haben wir jetzt im Griff. So haben wir bei Bauteilen nach Kundenwünschen besser standardisiert und das Controlling effektiver aufgestellt. Ab dem Geschäftsjahr 2008/09 erreichen wir damit einen positiven Ergebniseffekt von 15 Millionen Euro pro Jahr. Schon in diesem Geschäftsjahr, das am 30. September endet, gehen wir in der Hafentechnologie, die knapp ein Drittel unseres Umsatzes bringt, von einer Verdopplung der Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern auf sechs Prozent aus.

Offiziell haben Sie für 2007/08 ein Umsatzziel von bis zu 1,16 Milliarden Euro und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern von 110 Millionen ausgegeben. Schaffen Sie mehr?

Das erste Quartal 2007/08 verlief sehr gut, mit dem Verlauf des zweiten sind wir sehr zufrieden. Unsere bisherige Jahresprognose ist sehr konservativ, sie liegt am untersten Rand unserer Möglichkeiten.

Ist es möglich, dass Sie die Prognose anheben?

Erst warten wir die endgültigen Zahlen des zweiten Quartals ab, dann entscheiden wir über eine mögliche Anhebung.

Gegenüber dem Vorjahr verdienen Sie 2007/08 mindestens 16 Prozent mehr. Bekommen Aktionäre eine höhere Dividende?

Die zuletzt gezahlten 1,10 Euro entsprachen 45,6 Prozent des bereinigten Jahresüberschusses. Unsere Politik bleibt es, 35 bis 45 Prozent davon auszuschütten.

Bei 45 Prozent wären für 2007/08 auch 1,25 Euro Dividende drin.

Anleger sollen an unserem Erfolg angemessen beteiligt werden.

1 KommentarAlle Kommentare lesen
  • 14.04.2008, 14:03 UhrAnonymer Benutzer: nordseekindhb

    Die Manager großer banken haben lange Zeit den wirklichen Umfang
    der Hypothekenkrise, die nun immer mehr zur allgemeinen börsenkrise
    geworden ist, verborgen gehalten. Doch jetzt, wo die bilanzen fertiggestellt
    und und veröffentlich werden müssen, wird der Umfang immer deutlicher.
    Aber alle schlauen Moderatoren nennen das Kind nicht beim Namen.
    Wie konnte so etwas möglich sein gerade in einem Land mit einer
    so großen und erfahrenen Finanzwelt. Hier in Deutschland predigt man
    den kleinen Kreditsachbearbeitern noch mehr Sicherheit nach basel ii.
    Aber die großen Manager der Landesbanken kauften in USA ungedeckte immobilienfonds. Man finanzierte in den USA massenweise Häuslebauer
    ohne Sicherheiten und persönlicher Kreditwürdigkeit.
    Oder war alles nur ein Trick, um sich bei europäischen banken mit
    Milliarden zu bereichern? Eigentlich eine einfache Methode.
    Man refinanzierte diese immobilienkredite mit Fonds, die man zunächst
    mit einer hohen Rendite anbot. Ein Jahr später sagte man, daß alle
    Häuslebauer pleite sind, keine Zinsen mehr bezahlen können und daß auch
    keine Sicherheiten dafür in Anspruch genommen werden können.
    Kann man soetwas noch bankwesen nennen?
    Sind diese Fondsmanager in den USA nicht eine Art von Verbrechern?
    in allen Kommentaren sind diese Tatsachen nur sehr vage und
    ungenügend angeprangert worden.
    Man sollte doch hierzu etwas deutlicher werden.

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