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Investment-Banking: Neue Hackordnung unter Banken

von Michael Maisch Quelle: Handelsblatt Online

Die Finanzkrise sorgt für eine Machtverschiebung im internationalen Investment-Banking: Experten sehen Chancen, dass die Etablierten, die die Krise gut überstanden haben, ihren geschwächten Kontrahenten Marktanteile abnehmen werden. Doch auch eine Reihe kleiner Spieler könnte die Gelegenheit zum Aufstieg nutzen.

Credit Suisse gehört zu den Instituten, die von der Situation profitieren könnten. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com
Credit Suisse gehört zu den Instituten, die von der Situation profitieren könnten. Quelle: dpa Quelle: handelsblatt.com

LONDON. Die Finanzkrise hat im Investment-Banking die Spreu vom Weizen getrennt. Analysten sehen gute Chancen, dass etablierte Platzhirsche, die die Verwerfungen vergleichsweise gut überstanden haben, ihren geschwächten Rivalen Marktanteile abnehmen werden. Doch nicht nur die Großen der Branche könnten am Ende zu den Profiteuren zählen. Auch eine Reihe kleinerer Spieler will die Gelegenheit nutzen, um mit kräftigen Investitionen in die erste Liga des Investment-Bankings aufzusteigen.

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Huw van Steenis, Bankenanalyst bei Morgan Stanley in London, glaubt, dass die Platzhirsche JP Morgan, Goldman Sachs und die Deutsche Bank dabei sind, sich einen Vorsprung vor der Konkurrenz zu sichern, die durch die Krise geschwächt ist. Auch für Credit Suisse und Morgan Stanley sehen viele Banker gute Chancen. Zu den Instituten, die derzeit mit Problemen kämpfen, zählen dagegen die Schweizer UBS, die amerikanische Großbank Citigroup und das von der Bank of America geschluckte Wall-Street-Haus Merrill Lynch.

Verschiebungen von Marktanteilen sieht Analyst van Steenis derzeit vor allem im Massengeschäft mit Anleihen, Devisen und Derivaten, mit dem die Banken im ersten Quartal 2009 sehr gut verdient haben. Goldman fuhr in dieser Sparte beispielsweise Rekorderträge von 6,6 Mrd. Dollar ein - mehr als doppelt so viel wie in den ersten drei Monaten 2008. Zu den etablierten Häusern kommt eine Reihe von Spielern aus der zweiten Reihe, die trotz der Finanzkrise Geld in die Hand nehmen, um im Investmentbanking voranzukommen.

Sehr viel Ehrgeiz entwickeln die japanischen Banken. Erst gestern meldete Daiwa Securities SMBC die Übernahme des Beratungsgeschäfts der britischen Bank Close Brothers. Damit stoßen die Japaner ins europäische Geschäft mit Fusionen und Übernahmen vor und sichern sich durch den Frankfurter Ableger von Close Brothers auch den Zugang zum deutschen Markt. "Marktanteile lassen sich besser in turbulenten Zeiten als in ruhigen Phasen gewinnen", meint Eishu Kosuge, Europachef von Daiwa Securities. Während andere Investmentbanken massiv Personal abbauen, haben die Japaner ihre Belegschaft seit Ausbruch der Krise um zehn Prozent aufgestockt. "Die japanischen Investmentbanken sind nach wie vor stark auf den Heimatmarkt konzentriert, für uns ist es wichtig die Einnahmen international zu diversifizieren, erläutert Kosuge. Diese Devise gilt auch für das Wertpapierhaus Nomura, das sich die Reste des kollabierten Wall-Street-Hauses Lehman Brothers in Europa und in Asien sicherte.

Auch Nomura wirbt derzeit massiv Personal bei geschwächten Konkurrenten ab, zum Beispiel bei Dresdner Kleinwort. Der verlustreiche Ableger der Dresdner Bank baut nach der Übernahme durch die Commerzbank massiv Personal ab und soll sich in Zukunft deutlich stärker auf den deutschen Heimatmarkt konzentrieren. Aber nicht nur die Japaner nutzen die Schwäche vieler Konkurrenten. Das britische Geldhaus Barclays, übernahm das US-Geschäfts der kollabierten Investmentbank Lehman Brothers und expandiert weiter. "Das Umfeld der Wettbewerber ist dezimiert. Im Moment ist die beste Gelegenheit für Neueinstellungen", meint Jerry del Missier, President von Barclays Capital. Die britische Bank hat ihre Stärken traditionell im Geschäft mit Anleihen, Devisen, Derivaten und Großkrediten, jetzt will Barclays auch im Aktiengeschäft und in der Fusionsberatung an die Spitze vorstoßen.

"Derzeit fallen die Würfel für die zukünftige Marktverteilung im europäischen Investment-Banking", meint ein hochrangiger Londoner Banker und fügt hinzu: "Wer jetzt die Kraft und den Mut hat, zu investieren, hat große Chancen, aber die Risiken eines Strategiewechsels sind in der Krise natürlich noch größer als ohnehin.

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