Investmentbanken: Das schlimmste beste Jahr für Goldman

KommentarInvestmentbanken: Das schlimmste beste Jahr für Goldman

von Andreas Henry

Die erfolgreichste Investmentbank der Welt hat erneut Rekordzahlen vorgelegt. Und sie übt sich in neuer Bescheidenheit. Doch ist das mehr als eine Reaktion auf die Anti-Banken-Stimmung?

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Goldman Sachs-Hauptquartier in New York

Erwartet hatten die Analysten einen Gewinn von 5,20 Dollar pro Aktie für das vierte Quartal. Was Goldman Sachs gestern dann verkündete, hätte den Aktienkurs eigentlich steil nach oben schießen lassen müssen: 8,20 Dollar Gewinn allein in den letzten drei Monaten 2009, die Erwartungen um fast 60 Prozent übertroffen.

Doch nichts ist normal in diesen Tagen an der Wall Street. Die Ankündigung von US-Präsident Barack Obama, der Bankbranche riskante Geschäfte zu verbieten oder zumindest zu erschweren, schickte die Goldman-Aktie zusammen mit den anderen Bankaktien auf die Abwärtsrampe.

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Der deutlich über den Berechnungen der Analysten liegende Quartalsgewinn kam zudem nur zustande, weil etwas Unerwartetes passiert war: Die Goldmänner üben sich bei ihren Boni in etwas mehr Bescheidenheit. In den ersten drei Quartalen hatte die Bank bereits 16,7 Milliarden Dollar für die Vergütung ihrer Mitarbeiter zurück gelegt – sie befand sich damit auf Rekordkurs und hätte voraussichtlich sogar die Zahlungen des Jahres 2007 übertroffen. Von durchschnittlich mehr als 700.000 Dollar pro Goldman-Angestelltem – von der Sekretärin bis zum Vorstandchef – war die Rede. Doch im vierten Quartal wuchs dieser Bonuskuchen überhaupt nicht mehr. Im Gegenteil, er schrumpfte sogar um 500 Millionen Dollar, die die Bank einer Stiftung vermachte. Damit wird Goldman für 2009 „nur“ 35,8 Prozent des verbuchten Umsatzes für Gehälter und Bonuszahlungen ausgeben, in den Vorjahren waren es im Schnitt fast 47 Prozent. 

Ganz offensichtlich war die Angst vor dem öffentlichen Aufschrei zu groß. Die Investmentbank ist im vergangenen Jahr gewaltig unter Druck geraten. Ein PR-Desaster folgte auf das nächste. Eine Story im Magazin „Rolling Stone“ bezeichnete die Bank im Sommer als  große amerikanische Blasenmaschine, als „Vampir-Krake“, die „unbarmherzig ihren Blutsauger in alles rammt, das nach Geld riecht“. Vorstandschef Lloyd Blankfein machte mit dem Ausspruch Schlagzeilen, man verrichte bei der Bank nur „Gottes Werk“ – ein reichlich misslungener Witz. Vor einem Ausschuss in Washington, der die Finanzkrise aufarbeiten soll, musste sich Blankfein anhören, das Geschäft der Bank erinnere an einen Autohändler, der ein Fahrzeug mit defekten Bremsen verkaufe und gleichzeitig eine Lebensversicherung auf den Käufer abschließe. Goldman-Bashing hat Hochkonjunktur. In einem kürzlich veröffentlichten Cartoon des „New Yorker“ entschuldigt sich ein Räuber, der einen dicken Sack Geld schleppt, mit den Worten: „Wir können nicht alle für Goldman Sachs arbeiten.“

Noch ist unklar, ob es sich bei der neuen Bescheidenheit bei den Gehältern und Bonuszahlungen um einen einmaligen Ausrutscher oder um eine grundsätzlich neue Geschäftspolitik handelt. Im Prinzip bliebe mehr für die Aktionäre übrig, wenn sich die Goldman-Angestellten weniger in die eigenen Taschen stecken.  

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