
Vom hauswandgroßen Plakat am Baugerüst in der Frankfurter Innenstadt grinst ein Riesensparschwein die Passanten an: „Berlin hat Knut, Frankfurt hat Schwein“ steht darauf. Die Fondsgesellschaft DWS wirbt damit für ihre neue „RiesterRente Premium“, und die beschert der Deutschen-Bank-Tochter bereits einen Ansturm wie Eisbärbaby Knut dem Berliner Zoo. Das Erstaunliche daran: Der Verkaufserfolg stellt die Gesetze von Markt und Preisbildung auf den Kopf. Ausgerechnet einem teuren Anbieter laufen die Kunden zu, ohne dass sein Angebot schon nachgewiesen hat, besser zu sein. Andreas Leckelt, Vorstand der Laransa-Fonds-Broker aus Berlin, staunt: „Beim Telefonieren und Fliegen haben sich längst Discountangebote durchgesetzt, nur bei den Finanzen nehmen es die Kunden nicht so genau.“ Und zahlen jede Menge Gebühren, vom Ausgabeaufschlag bis zum Depot. Sind es bei traditionellen Aktienfonds Aufschläge um die fünf Prozent, die an der Rendite zehren, kommt es für Anleger beim neuen DWS-Produkt dicker: Die Fondsgesellschaft zieht einem 20-jährigen Anleger in den ersten fünf Jahren von seinen monatlich eingezahlten 100 Euro 44 Euro ab, um damit ihren Verkäufer zu honorieren. Das geht günstiger. Ein kleiner Fondsvermittler aus Hamburg bietet jetzt als Erster offiziell das neue DWS-Riester-Produkt mit Rabatt an. Wenden sich Anleger zum Vertragsabschluss online oder per Telefon an die 4free AG, vergütet das Haus jährlich nachträglich etwa ein Drittel der Kosten. Der Vermittler beteiligt die Kunden so an seiner Provision. Damit ist die Rabattschlacht, die bei anderen Fonds längst tobt, auch auf dem Riester-Markt eröffnet. Fonds gibt es mittlerweile auf vielen Wegen günstiger als zum Listenpreis, den der Hersteller empfiehlt: - Direktbanken und Online-Fondsvermittler buhlen mit hohen Preisnachlässen beim Ausgabeaufschlag um Kundschaft. - Internet-Suchmaschinen wie Biallo.de und Forium.de machen die Rabatte vergleichbar. - Bei den Fondsgesellschaften Fidelity und DWS können Kunden mit Online-Depots ebenfalls sparen. - Börsen haben den Fondshandel als lukrative Nische entdeckt. - Auf Fondsdepots spezialisierte Banken wie die Münchner Ebase oder die Frankfurter Fondsbank vereinfachen das Geschäft der Finanzvermittler, die Kundendepots dort führen lassen. Die Suche nach günstigen Anbietern lohnt: Wer zehn Jahre lang monatlich 100 Euro in einen Fonds investiert, aber bei jeder Einzahlung fünf Prozent Ausgabeaufschlag bezahlt und jährlich Depotgebühren von 25 Euro überweist, verzichtet auf 1107 Euro bei einer Rendite von sechs Prozent – ohne diese Kosten könnte er 16.326 Euro einstreichen. Entscheidend für die Rendite bleibt aber, ob die ausgewählten Fondsmanager ihr Handwerk verstehen und der Fonds gut läuft. Welche Top-Fonds wo günstig angeboten werden, zeigt die Tabelle. Am besten also einen Top-Fonds ohne viel Papierkram günstig kaufen. Hier zum Beispiel: Direktbanken. Viele Fonds zum Nulltarif und ein kostenloses Depot, damit locken Direktbanken Kunden. War das Angebot bisher häufig auf Verkaufsaktionen wie einen „Fonds des Monat“ begrenzt, werden die Rabattlisten jetzt immer länger und konstanter. Die DAB-Bank begrüßt ihre Kunden im „Fonds-Paradies“ und bietet alle Fonds zum halben Ausgabeaufschlag an. Bei 30 sogenannten Bestseller- und Trendseller-Fonds wie dem Pioneer Global Ecology steigt der Rabatt vereinzelt auf 70 Prozent. Auch die Konkurrenten von der ING-Diba schmeicheln sich mit mehreren Hundert Fonds ohne Ausgabeaufschlag beim Anleger ein, Comdirect hat 15 Nulltarif-Fonds – allerdings nur für Kunden, die mindestens 1000 Euro anlegen, Sparplananleger mit monatlichen Raten zahlen nach den aktuellen Konditionen den halben Ausgabeaufschlag.
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Manchmal sind die frischen Trends der Banken allerdings nur etwas für Spekulanten: Für den Trendfonds des Monats bei der DAB-Bank, den Meridio Arab World, verlangt das Institut zwar nur noch ein Prozent Ausgabeaufschlag. Doch der Aktienfonds, der in Unternehmen aus arabischen Ländern investiert, ist riskant – er kann schnell zum Albtraum aus tausendundeiner Nacht werden. Börsen. Investoren können ihre Bank beauftragen, Fondskäufe direkt an die Börse zu leiten. Regionalbörsen wie Berlin-Bremen und Hamburg-Hannover sowie die Deutsche Börse in Frankfurt haben sich mit dem Fondshandel ein weiteres Standbein geschaffen. Allein in Berlin werden 3090 Fonds angeboten, da bleibt kaum ein Wunsch unerfüllt. Zum Nulltarif ist der Börsenhandel zwar nicht, aber mit den üblichen Bankkosten für den Wertpapierhandel von etwa 0,5 Prozent des Ordervolumens plus 0,08 Prozent Maklercourtage kommen Anleger immer noch günstiger weg als mit fünf Prozent Ausgabeaufschlag. Beim Kauf eines Immobilienfonds kann sich der Gang an die Börse lohnen, wenn Anleger ihn über andere Quellen nicht mit Rabatt bekommen, wie beispielsweise den erfolgreichen KanAm Grundinvest. Er gehört an der Börse Berlin-Bremen immer wieder zu den Umsatzspitzenreitern. Der Spread, also die Differenz zwischen dem Kauf- und Verkaufskurs, die Anleger ebenfalls als Kosten einkalkulieren müssen, bewegte sich in der vergangenen Woche zwischen 0,7 und 1,5 Prozent. Börsen und andere Billiganbieter warten gespannt auf die Umsetzung eines Urteils des Bundesgerichtshofs und der EU-Richtlinie Mifid. Dann müssen Fondsverkäufer ihren Kunden offenlegen, was sie am einzelnen Produktverkauf verdienen. „Das wird den Anlegern die Augen öffnen, dass sie die vermeintlich kostenlose Beratung doch bezahlen“, freut sich Andreas Leckelt vom Fondsanbieter Laransa. Fondsvermittler. Laransa ist einer von etwa 100 Online-Fondssupermärkten. Mit ihnen expandieren viele der einst nur lokal tätigen Fondsvermittler. Erleichtert wird ihnen das Geschäft durch Fondsspezialbanken, an die sie sämtliche Kundenorders weiterleiten und die wiederum Fonds vieler Gesellschaften in einem Depot bündeln. Das senkt die Depotgebühren. Laransa-Kunden führen beispielsweise ihr Depot bei der DWS-Fondsplattform und wickeln auch alle Geldüberweisungen direkt über die DWS ab – ohne Zugriffsmöglichkeit des Vermittlers. Geld verdient der Vermittler durch die jährlichen Bestandsprovisionen, die die Fondsgesellschaft ihm zahlt. Das Unternehmen bietet 1800 Investmentfonds mit 90 Prozent Rabatt auf den Ausgabeaufschlag. Discountbroker wie Finanzoptimierung.de, die mit einem Komplettrabatt locken, haben auch geschlossene Fonds und Versicherungen im Programm. „Wer den Nulltarif bietet, der spekuliert darauf, dass er den Fondskunden auch noch diese provisionsstärkeren Angebote verkaufen kann. Erst dann rechnet es sich“, glaubt Leckelt. Beim Nulltarif kann Antonio Sommese nicht immer mithalten, aber dafür hilft der Vermögensberater aus Mainz ratlosen Kunden gerne bei ihren Fragen weiter. Er hat sich mit der Seite Fondsrabatt-Mainz.de und dem günstigen Angebot von Riester-Verträgen überregional ausgebreitet. Seine Kunden können ihr Depot bei der Münchner Ebase-Fondsbank online verwalten. Um zu Sommese zu wechseln, müssen sie oft nicht einmal das Depot verändern. „Der depotführenden Fondsbank können Anleger jederzeit einen Vermittlerwechsel schriftlich mitteilen“, erklärt Sommese. Alle weiteren Einzahlungen werden dann zu den Konditionen des neuen Vermittlers abgerechnet. Die Frankfurter Kundin Heide Lohmüller will ihren Finanzberater auf eben diese Weise vor die Tür setzen. Er hatte sie vor einem Jahr zur Kündigung einer Lebensversicherung gedrängt, um das Geld vermeintlich rentabler in Fonds anzulegen – und dabei vor allem selbst abzukassieren. Für sie hat sich das nicht gerechnet, auf so einen Berater kann sie gern verzichten.








