Investmentfonds und Madoff: Entschädigung lässt auf sich warten

Investmentfonds und Madoff: Entschädigung lässt auf sich warten

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Der inzwischen zu 150 Jahren Haft verurteilte Milliardenbetrüger Bernard Madoff auf dem Weg zum Gericht

Vor einem Jahr flog der US-Betrugsskandal um den Fondsmanager Bernard Madoff auf. Tausende deutsche Fondssparer, die sich über Dachfonds in das Madoffs Schneeballsystem eingekauft hatten, hofften, dass sie von den Depotbanken HSBC und UBS schnell entschädigt würden. Die hatten Gelder an Madoff-Firmen ausgelagert.

Mit dem Madoff-Schneeballsystem ist auch die Illusion geplatzt, dass Depotbanken die wahren Hüter der Gelder von Investmentfonds sind. Eigentlich sollen die Fondsgelder als Sondervermögen vor dem unerlaubten Zugriff geschützt werden und Depotbanken darüber wachen. Tatsächlich aber haben Depotbank-Töchter der britischen Bank HSBC und der Schweizer UBS Depotbankaufgaben an Madoff-Unternehmen ausgelagert und ihnen auch noch die Geldanlage überlassen. Das Geld der Herald und Thema-Fonds, für das HSBC-Töchter als Depotbanken in Luxemburg und Irland verantwortlich waren, ist ebenso verschwunden wie das des Luxalpha-Fonds, für den die UBS als Depotbank zuständig war. Es geht um rund 1,5 Milliarden Euro.

Kaum Entgegenkommen der Banken

Die belgische Anwaltsvereinigung Deminor wirft den Depotbanken vor, dass die Fonds unter dem Bruch europäischer Regeln etabliert wurden, Investoren getäuscht worden seien und Dienstleistungsunternehmen bei der Erfüllung ihrer gesetzlichen und vertraglichen Pflichten versagt hätten. Neben den Depotbanken waren das die zuständigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Ernst & Young und PriceWaterhouseCoopers.

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All diese Vorwürfe bewegten die Banken bislang aber noch nicht zu großem Entgegenkommen. Seitdem es um Madoff ruhiger wird, scheint sie auch der Imageschaden nicht mehr so stark zu interessieren. Deminor klagt jetzt gegen die UBS in Luxemburg und will auch gerichtliche Schritte gegen HSBC, Citco, Ernst&Young sowie PwC einleiten.

Dass viele Anleger von seiner Bank enttäuscht sind und auf Geld warten, ficht den HSBC-Chef Stephan Green nicht an. Er fand in der Finanzkrise Zeit, ein Buch mit dem Titel „Wahre Werte“ zu schreiben und das stellte er in der vergangenen Woche auch in Frankfurt vor. Für Anleger, die mit von HSBC-Töchtern offenbar nicht ausreichend kontrollierten Fonds viel Geld verloren haben, sind es Unverschämtheiten, die Green von sich gibt. Er verteidigt Kapitalismus und Marktwirtschaft und salbadert, dass Profitmaximierung keinen Wert an sich darstelle. Seine Bank sei nicht nur aufs Geldverdienen aus, sondern zur Verantwortung für das Gemeinwohl angehalten. Konkret im Fall Madoff könnte Green sehr schnell Verantwortung übernehmen und Anleger entschädigen. Aber Buch und Business sind dann doch wohl wieder unterschiedliche Dinge.

Depotbanken bleiben unbehelligt

Auch die Luxemburger Fondsindustrie wurde durch Madoff nicht nachhaltig beeinträchtigt.

Die Luxemburgische Fondsaufsicht  CSSF hat in dem Jahr zwar eine Reihe von Ermittlungen gestartet, aber Sanktionen, die den Depotbanken weh getan hätten, gab es weder von der Luxemburger noch der irischen Aufsichtsbehörde. Bei vielen anderen Fonds sind die Häuser HSBC und UBS weiterhin als Depotbanken aktiv.

Die Luxemburger Aufsicht verweist die Schadenersatzfälle an die dortigen Gerichte und da ziehen sich solche Verfahren nicht nur in Luxemburg.  „Zwischen anderthalb und zehn Jahre kann es dauern“ so Bomans von Deminor.

„Der Finanzplatz Luxemburg hat seine Fähigkeit zum schnellen Handeln immer wieder beweisen können“, heißt es in einem Grußwort von Claude Kremer, Präsident der Luxemburger Fondsbranche, anlässlich einer Fondskonferenz seiner Organisation in Frankfurt. Im Fall neuer Geschäfte gilt das bestimmt, im Fall des Anlegerschutzes bleibt das Großherzogtum diesen Beweis schuldig. 

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