Investor Relations: Gute Informationen zahlen sich aus

Investor Relations: Gute Informationen zahlen sich aus

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Stromleitungen bei Schwerin

Die Finanzkrise hat gezeigt, wie wichtig vorbildliche Investor Relations sind. Wer mauert oder gar täuscht, wird an der Börse bestraft. Aktionäre fordern von Unternehmen regelmäßige, schnelle und relevante Informationen. Im Dax liefern Continental, RWE und die Deutsche Bank die besten Auskünfte für Investoren.

Eigentlich wollte sich Thomas Gruber mit seinem Anruf bei Continental „auch mal ordentlich Luft machen“. Der 46-jährige Privatanleger aus Eichenau bei München war frustriert. „Seit Monaten waren meine Conti-Aktien im freien Fall, dabei gab es aus dem Unternehmen scheinbar nur Gutes zu vermelden.“ Gruber suchte im Internet die Telefonnummer der Investor-Relations-(IR-)Abteilung heraus und rief an – entschlossen, die IR-Leute so lange zu nerven, bis er einen Entschluss gefasst hätte. „Vielleicht sind die Kursverluste übertrieben, oder es gibt eine plausible Erklärung dafür. Aber wenn sie mir dumm kommen, verkaufe ich sofort.“

Vom Verlauf des Gesprächs war Gruber einigermaßen überrascht: „Ich dachte, jetzt werde ich mit ein paar Floskeln abgespeist, aber die haben sich wirklich Zeit für mich genommen.“ Fast 40 Minuten sprach eine IR-Mitarbeiterin mit dem Immobilienkaufmann, erklärte ihm die komplexe Finanzierung der Übernahme des Zulieferers VDO bis ins Detail.

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Das hat offenbar System beim hannoverschen Dax-Unternehmen. Keine andere deutsche Aktiengesellschaft betreibt für ihre Investoren einen derart hohen Aufwand – und keine wird von ihren Anteilseignern so gut bewertet, wenn es um die Qualität der Kapitalmarkt-Informationen geht.

Anlageprofis wie Analysten, Fondsmanager und Vermögensverwalter geizen in der aktuellen Umfrage des Londoner Researcher-Hauses Thomson Reuters Extel nicht mit Lob für die Conti-IR. „Die Geschäftsberichte sind extrem detailliert und dennoch verständlich, das Management ist engagiert und fast immer für Investoren erreichbar“, fasst Christian Breitsprecher, Analyst bei Sal. Oppenheim, zusammen.

Das bringt Conti den Preis für die beste Investor-Relations-Arbeit in Deutschland ein – noch vor dem Energieversorger RWE und der Deutschen Bank. Gestern verliehen der Branchenverband DIRK und die WirtschaftsWoche den Preis; neben den drei Dax-Vertretern werden mittelgroße Unternehmen wie Deutsche Euroshop, Fraport, Pfeiffer Vacuum und MPC Capital für herausragende IR-Leistungen geehrt.

Mehr als 900 Kapitalmarktprofis aus 17 Ländern, die bei 275 Fondsgesellschaften, Vermögensverwaltern, Versicherungen, Pensionskassen, Banken und Brokern arbeiten, wurden vom Datendienstleister Thomson Reuters Extel seit Februar befragt. Die Berufsinvestoren verteilten Punkte für Transparenz und Genauigkeit der Jahres- und Quartalsberichte, Korrektheit der Prognosen, Erreichbarkeit des Vorstands sowie Fach- und Branchenwissen der IR-Abteilung.

Konkret: Wie verlässlich und exakt waren die publizierten Zahlen? Wie oft wurden den Anlegern Überraschungen aufgetischt? Wie schnell reagierte ein Unternehmen auf detaillierte Nachfragen? Gab es Werksbesichtigungen und Gespräche mit Fachleuten aus der zweiten Reihe des Unternehmens? Oder wurden Fonds und Privatanleger nur mit den immer gleichen IR- und Werbe-Mitteilungen abgespeist?

„Die Stimmen der Investoren haben wir nach deren Aktien-Kaufkraft gewichtet“, erklärt Steve Kelly, Chef von Thomson Reuters Extel in London, „wer viel in deutsche Aktien investiert, dessen Stimme zählt viel“. Kleine Fonds und Vermögensverwalter haben entsprechend weniger Gewicht.

„Insgesamt spielt die IR der deutschen Unternehmen inzwischen international in der Top-Liga“, lobt Kelly. Das war nicht immer so. Zu Zeiten der Deutschland AG, als die Unternehmen wechselseitig die Aufsichtsräte besetzten, fand IR im Wesentlichen auf dem Golfplatz statt; eigene Abteilungen gab es selten, und wenn, dann waren sie „reine Folien- und Kofferträger der Finanzvorstände. Noch vor wenigen Jahren wartete man mitunter Tage auf einen Rückruf, wenn man etwas wissen wollte, das nicht im Geschäftsbericht stand“, erinnert sich Eberhard Weinberger, Vorstand bei Deutschlands größtem Vermögensverwalter Dr. Jens Ehrhardt Kapital.

Das hat sich geändert. Sechs bis sieben hauptberufliche, hoch qualifizierte IR-Leute sind im Dax inzwischen Standard, zwei IR-Spezialisten im MDax oder TecDax; Finanzvorstände wie Alan Hippe von Conti verbringen bis zu einem Fünftel ihrer Arbeitszeit im direkten Investoren-Kontakt; selbst Vorstandsvorsitzende stehen ihren Anteilseignern auf Unternehmenspräsentationen (sogenannten Roadshows) und Analystenkonferenzen persönlich Rede und Antwort. „Etwa zehn Prozent meiner Zeit widme ich den Aktionären“, sagt RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann. Auch mittelgroße Unternehmen treiben ansehnlichen Aufwand: „Unser IR-Team führte in 2007 rund 340 Einzelgespräche, rund ein Drittel davon bestritten der Vorstandsvorsitzende oder der Finanzvorstand“, sagt Matthias Zieschang, Finanzchef des Flughafenbetreibers Fraport.

Der Aufwand zahlt sich aus – zumindest aus Sicht der Aktionäre: „Fast alle deutschen Blue Chips aus dem Dax und viele deutsche Unternehmen, die in Neben-werte-indizes gelistet sind, reagieren heute professionell und binnen weniger Stunden auf komplexe Investorenfragen. Das kann man bei Weitem nicht von allen europäischen oder asiatischen Aktiengesellschaften behaupten“, lobt Kelly. In den USA, eigentlich das Mutterland der IR, werde diese „leider noch immer allzu oft als zweites Werbe-Standbein missbraucht“, sagt Kelly. „Dort ist immer alles ,great‘, die aktuellen Zahlen und erst recht die Aussichten aufs nächste Quartal. Das kommt bei den Investoren in Europa nicht so gut an.“

Punkte bei den Investoren sammelten die Sieger wie Conti, RWE oder Pfeiffer Vacuum hierzulande wegen ihrer Geradlinigkeit und Offenheit: „Auch schwierige Themen wie die VDO-Übernahme und deren Finanzierung hat Conti gut kommuniziert“, findet Oliver Caspari, Analyst beim Bankhaus Lampe. Sein Kollege Sven Diermeier von Independent Research lobt Conti für deren „hohe Verlässlichkeit. Es gibt eine große Übereinstimmung zwischen dem, was uns von der IR-Abteilung das ganze Jahr über angedeutet wird – der sogenannten Guidance – und den Zahlen, die hinterher schwarz auf weiß im Quartalsbericht stehen.“

Denn nichts scheuen Analysten mehr, als ihre Gewinnschätzungen, Kursziele oder gar Aktien-Empfehlungen aufgrund überraschender Zahlen drastisch korrigieren zu müssen.

„Eine gute IR minimiert diese Gefahr“, so Portfoliomanager Weinberger, „Conti hat auch Probleme – wie den vermeintlich zu hohen Kaufpreis für VDO und die dortigen Überkapazitäten – nicht schöngeredet oder vertuscht, sondern offen angesprochen.“

Dafür betreiben die Niedersachsen aber auch einen hohen Aufwand. Übers Jahr führen sie rund 550 Einzelgespräche mit Fondsmanagern. „Das ist deutlich mehr als der Durchschnitt im Dax, der bei etwa 350 Investoren-Meetings im Jahr liegt“, weiß Thomson-Manager Kelly. Und „dank umfangreicher Marktforschung“ kennt Conti „rund 84 Prozent unserer Aktionäre mit Namen und Anschrift“, wie IR-Leiter Rolf Woller sagt. „Rund 30 Millionen unserer 160 Millionen Aktien wechseln in einem durchschnittlichen Jahr den Besitzer, da ist es wichtig, zu wissen, wer kauft und wer Bestände abgibt.“

2007 zogen die Aktienumsätze an den Börsen nach drei eher ruhigen Hausse-Jahren wieder deutlich an – und erstmals seit Jahren ging es häufig auch nach unten statt ständig nach oben. „Für viele IR-Leute, die noch nicht so lange dabei sind, waren Kursverluste von 40 Prozent und mehr eine ganz neue Erfahrung“, sagt Kelly von Thomson. „2007 war gute IR über weite Strecken gleichzusetzen mit guter Krisen-IR; die Finanzkrise trennte ab August gnadenlos die Spreu vom Weizen.“

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