James Tobin: Wie man Spekulanten bändigt

James Tobin: Wie man Spekulanten bändigt

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James Tobin (1918-2002): Plädoyer gegen kurzfristige Spekulation - und für die Globalisierung

Der Nobelpreisträger James Tobin entwickelte ein Konzept zur Eindämmung kurzfristiger Devisenspekulation. Vor den Karren der Globalisierungsgegner aber ließ er sich nie spannen.

Einmal mehr hätte er sich in Krisenzeiten wie diesen bestätigt gesehen: Die Märkte können sich nicht alleine regulieren. James Tobin, US-Ökonom und Nobelpreisträger, wollte sich nicht dem liberalen Credo der Monetaristen und Neoklassiker beugen. Stattdessen focht er über Jahrzehnte hinweg für eine Synthese von Markt und Staat – und für die Bändigung von Spekulanten.

Einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde Tobin, der 2002 starb, durch eine Idee, die er 1972 entworfen hatte, die aber erst in den Neunzigerjahren populär wurde – eine Steuer auf Devisengeschäfte. Das Konzept: Bei jedem Umtausch von einer Währung in eine andere wird an den Finanzmärkten eine Steuer von 0,5 Prozent des Umsatzes erhoben – und zwar weltweit. Damit will Tobin Spekulanten abschrecken, ihre Gelder sehr kurzfristig in Fremdwährungen anzulegen. Wenn diese Gelder plötzlich abziehen, müssen die Länder ihre Zinsen drastisch anheben, um die Währung attraktiv zu halten – und riskieren so einen realwirtschaftlichen Abschwung. Tobin sah diese Gefahr lange vor Ereignissen wie der asiatischen Währungskrise 1997.

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Tobin-Steuer nie umgesetzt

Mit einer Spekulationssteuer könne gerade kleineren Staaten eine unabhängigere Geldpolitik ermöglicht werden, argumentierte der Ökonom. Die Wechselkurse würden stärker realwirtschaftliche Fundamentaldaten als kurzfristige spekulative Erwartungen widerspiegeln.

Umgesetzt wurde die „Tobin-Tax“ freilich nie, auch wenn Staaten wie Frankreich, Belgien und Österreich sich offiziell dafür ausgesprochen haben. Denn das Konzept funktioniert nur, wenn jedes Land der Erde mitspielt – und keine unbesteuerten Offshore-Finanzplätze übrig bleiben, wohin Kapital abwandern kann. Und das ist nun mal ziemlich unrealistisch.

Gleichwohl ist die Tobin-Steuer ganz nach dem Geschmack von Kapitalismuskritikern und Globalisierungsgegnern, und viele haben auch versucht, Tobin für sich zu vereinnahmen. Doch vergeblich: Deren Thesen und Positionen seien zwar gut gemeint, aber schlecht durchdacht, kritisierte Tobin wenige Monate vor seinem Tod. Eine Einladung der Organisation Attac, vor mehreren Tausend Anhängern in Paris zu sprechen, schlug er aus. „Ich bin Ökonom und wie die meisten Ökonomen ein Anhänger des Freihandels. Ich befürworte den Internationalen Währungsfonds, die Weltbank und die Welthandelsorganisation – all das, wogegen diese Bewegung anrennt. Die missbrauchen meinen Namen“, lautete sein Urteil.

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