Jan-Christian Dreesen im Interview: "Gnadenlose Spekulationen"

Jan-Christian Dreesen im Interview: "Gnadenlose Spekulationen"

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Jan-Christian Dreesen, der Deutschland-Chef der Bank UBS

Wie der Deutschland-Chef der UBS-Bank auf die Finanzkrise reagiert und was er seinen Kunden rät.

WirtschaftsWoche: Herr Dreesen, nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kursierten Gerüchte über die UBS, der Aktienkurs brach ein. Ist die UBS stabil?

Dreesen: Absolut. Aber im jetzigen Marktumfeld gibt es fast gnadenlose Spekulationen auf Kurse von Unternehmen, die ohnehin schon geschwächt sind. Da werden Milliarden vernichtet.

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Was können Sie tun?

Wir können nur mit Fakten argumentieren, und die Fakten stehen auf unserer Seite.

Das haben wir schon oft gehört.

Wir haben immer gesagt, dass die Krise nicht vorbei ist. Wir sind bislang von einer Normalisierung erst im nächsten Jahr ausgegangen. Mit dem, was derzeit mit den US-Investmentbanken passiert, konnte allerdings keiner rechnen. Das erlebt man in seinem Berufsleben zum Glück nur sehr, sehr selten.

Die UBS ist auch stark im Investmentbanking.

Natürlich, wir machen nicht nur Vermögensverwaltung. Wir sind von den Marktturbulenzen immer mit betroffen. Und selbst wenn sich die Lage im nächsten Jahr normalisiert, wird es dauern, bis alles verdaut ist. Die Märkte bleiben sehr volatil und wir müssen sehen, wie stark die Finanzkrise auf die Realwirtschaft übergreift.

Was prognostizieren Sie?

Die letzten Wirtschaftsindikatoren sind rückläufig. Wie stark das mit der Finanzkrise zusammenhängt, können wir noch nicht bewerten. Aber je länger die Krise dauert, desto größer ist die Gefahr. Wir können nicht so tun, als ob dieser Sektor isoliert ist, sich allmählich regeneriert und drumherum die heile Welt ist. Die Lage in den USA ist weiter schwierig. Sicher ist Europa heute unabhängiger davon, kann sich aber nicht von der größten Volkswirtschaft der Welt abkoppeln.

Haben wir das Schlimmste schon hinter uns?

Wir haben ein gutes Stück hinter uns und befinden uns mitten im Tal. Ob das dann schon die Talsohle ist, kann Ihnen derzeit niemand seriös sagen.

Wo steht die UBS?

Ich bin mir sicher, dass wir das Gröbste überstanden haben. Wir haben genug Kapital und Liquidität. Außerdem haben wir transparent und zügig abgeschrieben, was unsere Reputation beschädigt hat. Sicher auch zu Recht, weil wir selbst Fehler gemacht haben. Das ist nicht wie eine Naturkatastrophe über uns gekommen.

Wie reagieren Ihre Kunden?

Gerade in den letzten Tagen mussten wir einige Fragen beantworten, zum Markt und auch zu uns. Die Leute rufen an und fragen, ob ihr Geld noch sicher ist. Einige haben sogar Bedenken wegen des Einlagensicherungsfonds.

Wie viele Kunden haben Sie verloren?

In den vergangenen zwölf Monaten mehr als üblich. Die UBS hatte wohl so ziemlich den solidesten Ruf aller Banken. Bis dieser wiederhergestellt ist, werden Monate, vielleicht auch Jahre vergehen. Solange können wir nur mit Ergebnissen überzeugen. Aber auch wenn es Sie wundert: Die Zahl unserer Kunden ist in Deutschland sogar gestiegen.

Auch für das verwaltete Vermögen bin ich optimistisch.Was wird aus Ihren Wachstumspläne in Deutschland?

Wir haben hier 15 Niederlassungen, gerade eine in Dortmund eröffnet und werden das in diesem Jahr auch in Nürnberg tun. Deutschland bleibt für uns ein Kernmarkt, wir halten an unserer Strategie fest. Ich will nicht ausschließen, dass in den kommenden Jahren weitere Standorte hinzukommen. Wir sind voll im Plan.

Das Geschäft mit den Reichen ist so umkämpft wie nie. Wer setzt sich durch?

Der Markt wächst jährlich um fünf bis sieben Prozent. Das reicht nicht für alle, die da mitspielen wollen, der Verteilungskampf ist hart. Nicht jede Bank ist in der Lage, langfristig ein attraktives Angebot zu machen. Man braucht dazu den nötigen Betreuerstamm, die nötige Expertise und die nötige technische Plattform. Wir werden auch im Geschäft mit der Vermögensverwaltung eine weitere Konsolidierung sehen.

Die Nachfrage nach riskanten Papieren dürfte stark sinken.

Die Krise wirkt sich natürlich auf das Anlageverhalten aus. Die Kunden verlangen mehr Transparenz, verständlichere Produkte, mehr Sicherheit. Sie haben in den vergangenen Tagen überdurchschnittlich viele Wertpapiere verkauft.

Was raten Sie Ihren Kunden?

Viele Unternehmen sind günstig bewertet, auf mittlerer Sicht müssten die Kurse steigen. Angesichts der derzeitigen Volatilität des Marktes würde ich aber mit kühlem Kopf abwarten. Es wird auch weiterhin Enstiegschancen geben.

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