Japan: Die nächste Krise

KommentarJapan: Die nächste Krise

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Es kommentiert WirtschaftsWoche-Redakteur Mark Böschen

Hedgefonds haben den nächsten Crash-Kandidaten ausgemacht: Japan. Die zweitgrößte Wirtschaftsnation der Welt droht bald unter der riesigen Schuldenlast zusammenzubrechen.

Es lohnt sich, dem Texaner Kyle Bass zuzuhören, auch wenn er meist schlechte Nachrichten verbreitet: Monate vor dem Zusammenbruch des US-Schrottimmobilienmarkts warnte der Gründer des Hedgefonds Hayman Advisors seine Kunden und wettete auf Crash. Gut ein Jahr vor Ausbruch der Schuldenkrise in Südeuropa prophezeite er „mehrere Staatsbankrotte in den kommenden Jahren“ und spekulierte gegen europäische Staatsanleihen. Nun spekuliert er auf eine Schuldenkrise in Japan. „Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist kurz davor, in eine echte Staatsanleihenkrise zu stürzen“, warnt Bass. Wenn das Orakel aus Dallas auch diesmal richtig liegt, wird der Japan-Crash die Märkte weltweit erschüttern.

Tokio wird von ausländischen Geldgebern abhängig

Japans Staatsschulden betragen 215 Prozent der Wirtschaftsleistung, bei Europas Sorgenkind Griechenland sind es nur 115 Prozent. So viel Schulden machen konnte Japan nur, weil einheimische Sparer bereit sind, dem Staat zu minimalen Zinsen von derzeit 1,1 Prozent Geld für zehn Jahre zu leihen. Das ist für japanische Bürger attraktiv, weil die Preise nicht steigen, sondern fallen. 95 Prozent der Staatsschulden werden von Japanern finanziert, deshalb ist Tokio anders als Athen nicht von ausländischen Geldgebern abhängig. Doch das ändert sich nun. Denn ein immer größerer Anteil der Bevölkerung spart nicht mehr, sondern lebt als Rentner von den Ersparnissen: aktuell jeder vierte, 2020 schon fast jeder dritte Japaner. Schon in fünf Jahren werden die Staatsschulden höher sein als die Geld-Ersparnisse aller Japaner von aktuell zehn Billionen Euro. „Bald wird es nicht mehr genug Nachfrage für neue japanische Staatsanleihen geben“, sagt Bass. Anleger aus dem Ausland mit höheren Zinsen zu locken kann sich Tokio schlicht nicht leisten. „Schon jetzt zahlt der Staat für Schuldendienst und Sozialleistungen mehr, als er an Steuern einnimmt“, so der Hedgefondsmanager.

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IWF warnt vor Krise in Japan

Vor wenigen Tagen warnte Japans ehemaliger Wirtschaftsminister Heizo Takenaka, dass Tokio eine Krise drohe, wie Athen sie schon durchleidet. „Das Land braucht eine starke politische Führung, um ein Griechenland-Szenario zu verhindern, dürfte eine solche Führung aber kaum bekommen“, sagt Takenaka. Kurz danach verlor Ministerpräsident Naoto Kan die Mehrheit im Oberhaus des Parlaments, weil er eine Mehrwertsteuer-Erhöhung angekündigt hatte. Vergangene Woche warnte auch der Internationale Währungsfonds, dass das Risiko einer Krise in Japan gestiegen sei.

Schlechte Nachrichten aus Japan über Politik-Chaos und Schulden-Exzesse sind wir seit Jahren gewohnt. Doch bald werden wir sie nicht mehr so leicht ignorieren können.

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