Japan: Notenbank pumpt Rekordsumme in die Wirtschaft

Japan: Notenbank pumpt Rekordsumme in die Wirtschaft

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Zentralgebäude der Bank of Japan (BOJ) in Tokio

In Japan stürzen die Börsenkurse ab, die Notenbank pumpt eine Rekordsumme in die japanische Wirtschaft. Die bleibt aber vorerst erstarrt, viele Firmen haben die Produktionen eingestellt. Auf die Weltwirtschaft scheint sich die Katastrophe jedoch weniger stark auszuwirken, als zunächst befürchtet.

Die Bevölkerung Japans kommt nicht zur Ruhe: Am heutigen Montag hat ein weiteres Nachbeben der Stärke 6,2 die Erde erschüttert, im Kraftwerk Fukushima hat es eine weitere Explosion gegeben. Nach Angaben der Regierung handelte es sich um eine Wasserstoffexplosion, die Stahlhülle des betroffenen Blocks drei habe aber standgehalten. Das Nachbeben hat den öffentlichen Verkehr in Tokio fast vollständig lahmgelegt. Noch immer ist die Lage unübersichtlich, die Stromversorgung größtenteils unterbrochen.

18 Billionen Yen Soforthilfe für die Wirtschaft

Doch das sind nicht die einzigen Auswirkungen der verheerenden Naturkatastrophe: Die japanische Wirtschaft liegt am Boden, die Notenbank Boj pumpte 15 Billionen Yen (rund 130 Milliarden Euro) in den Markt, um angesichts des Kurseinbruchs und des steigenden Kreditrisikos die Finanzstabilität zu sichern. Das berichtete die Agentur Kyodo. Am Mittwoch soll die Boj weitere drei Billionen Yen dem Markt zur Verfügung stellen. Zuletzt hatten die Notenbanker im Mai vergangenen Jahres zusätzliche Liquidität in die Wirtschaft gepumpt, um die Auswirkungen der griechischen Schuldenkrise abzufedern.

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Zusätzlich hat Notenbankgouverneur Masaaki Shirakawa, zuständig für den Bereich der Geldmarktpolitik, den Etat zum Aufkauf von Staatsanleihen und börsennotierten Fonds auf zehn Billionen Yen ausgeweitet, macht ein Plus von umgerechnet 44 Milliarden Euro. Das entspricht einer Verdopplung des Volumens des Aktiva-Aufkaufs-Programms der Notenbank. Der Japanische Finanzminister Yoshihiko Noda nannte diesen  Schritt der Notenbanker eine „angemessene und rasche Entscheidung“. Zuvor hatte die Boj bereits den Leitzins auf 0,1 Prozent  gesenkt. Kazushige Kamiyama von der Notenbank sagte dazu, dass man so viel Geld zur Verfügung stellen werde, wie es nötig sei, um die Finanzmärkte zu stabilisieren. Man wolle außerdem verhindern, dass sich die Stimmung bei Privathaushalten und Unternehmen weiter verschlechtere und so der angeschlagenen Wirtschaft weiter schade. Trotzdem wird die Industrieproduktion der drittgrößten Wirtschaftsnation der Welt bis auf Weiteres zurückgehen. Der Autobauer Toyota beispielsweise kündigte an, die Produktion bis mindestens Mittwoch ruhen zu lassen, der Technikkonzern Sony hat die Produktion in Japan ebenfalls bis auf Weiteres eingestellt.

Die zusätzlichen Geldspritzen wirken sich natürlich auch auf den Yen aus: Heute Morgen kostete ein Dollar um die 82 Yen, im frühen Geschäft waren es noch 80,68 Yen. Das ist der tiefste Stand seit Herbst letzten Jahres. Der Euro kostete zuletzt 113,86 Yen, am Morgen waren es noch 114,41; vor dem Beben kostete ein Euro 114,40 Yen. Höchstwahrscheinlich werden die ökonomischen Auswirkungen der Katastrophe aber lokal begrenzt bleiben. „Die Katastrophe in Japan hat am Devisenmarkt nicht zu einer allgemeinen Flucht in Qualität geführt“, heißt es beispielsweise in einer Studie der Commerzbank. Ähnlich äußerte sich auch der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz: „Eine erneute globale Rezession befürchte ich nicht, auch nicht eine hiesige deutliche Konjunkturabschwächung.“

Auto-, Elektronik- und Energiebranche besonders betroffen

Die Börsen in Japan sind am ersten Handelstag nach dem Beben erwartungsgemäß abgestürzt. Besonders schwer erwischte es die Kurse von Automobil- und Elektronikkonzernen, wie auch die Öl- und Versicherungsbranche. Der Nikkei verlor 6,18 Prozent auf 9620,49 Punkte. Auch für den Topx ging es bergab: Minus 7,49 Prozent auf 846,96 Punkte. Der MSCI Asia Pacific fiel um 2,9 Prozent auf 131,11 Zähler.

Besonders hart traf es beispielsweise Toyota, Honda, Nissan, Canon, Sony und Panasonic, die ihre Produktionen wegen zu großer Schäden einstellen mussten. Toyota-Aktien büßten 7,93 Prozent ein, Honda verlor um 6,5 Prozent. Hinzu kommt, dass durch das Beben viele bereits produzierte Autos zerstört wurden, so dass die Unternehmen in doppelter Hinsicht Schaden nahmen. Bei den Exportwerten Sony und Canon ging es jeweils um 9,12 und 5,92 Prozent nach unten. Richtig düster sieht es an der Börse für die Versicherer aus: Die Papiere der MS&AD Insurance verloren rund neun, die von Japans größten Versicherer, Tokio Marine Holdings Inc, sogar um 12,42 Prozent. Übertroffen wird dies bloß noch von den Kursverlusten der Energieversorger: Der Betreiber des Unglücks-Kraftwerks Fukushima, Tokyo Electric Power, verlor mehr als 23 Prozent. Für die Aktie von Toshiba Corp., einem Hersteller von Atomreaktoren, ging es 16,3 Prozent nach unten. Die Betreiberfirma anderer Reaktoren, Tepco, wurde wegen der vielen Verkaufsaufträgen sogar vom Handel ausgesetzt. Fast fünf Millionen Anteilsscheine an Energiekonzernen sind heute bereits verkauft worden, die Sorge um die Energieversorgung treibt den Ausverkauf weiter an.

Zu den wenigen Gewinnern der Tokioter Börse gehört die Baubranche. Aktien von Firmen wie Daiwa House Industry kletterten um bis zu 12,14 Prozent nach oben.

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