Jochen Felsenheimer im Interview: "Die Kreditmärkte haben sich deutlich entspannt"

Jochen Felsenheimer im Interview: "Die Kreditmärkte haben sich deutlich entspannt"

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Bulle oder Bär? Jochen Felsenheimer gibt eine Einschätzung, wie es jetzt an der Börse weitergeht.

Der Kreditexperte Jochen Felsenheimer über die Folgen der Schuldenkrise für Unternehmen und Investoren – und Hoffnungen auf ein mögliches Ende des Finanzdesasters.

WirtschaftsWoche: Herr Felsenheimer, die Finanzkrise wütet schon seit knapp zwei Jahren, aber erst jetzt spüren die meisten Menschen die Auswirkungen. Wie lange wird uns die Krise noch beschäftigen?

Felsenheimer: Nach allem, was wir aus der Historie wissen, laufen Finanz- und Wirtschaftskrisen dieses Ausmaßes in drei Phasen ab: Sie beginnen mit dem Platzen einer Liquiditätsblase; dann folgen massive Verluste und Abschreibungen bei den Banken – das ist der Höhepunkt der Fieberkurve, mit Bankenpleiten und Ängsten vor einem totalen Zusammenbruch des Finanzsystems. Dieser Prozess ist zwar noch nicht abgeschlossen, weil sich die drei Phasen teilweise überlappen. Aber vieles spricht dafür, dass wir schon mitten in der dritten und letzten Phase stecken, dem ökonomischen Wachstumseinbruch.

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Das klingt ja beinahe tröstlich.Nun, es kommt darauf an, für wen. Die Investoren haben wohl das Gröbste hinter sich – auch, wenn etwa der Aktienmarkt die Tiefs noch mal testen kann. Aber die dritte Phase ist die längste – und der Krisenabschnitt, der für die meisten Menschen die einschneidendsten Folgen hat. Hier finden viele Grausamkeiten statt, etwa ein massiver Jobabbau in der Industrie. Bisher stand die Krise in der Zeitung, jetzt steht sie im Büro. Und die dritte Phase wird leider nicht schon dieses Jahr enden.

Wie lange kann die Rezession dauern?Das weiß niemand, aber allein der enorme Rückgang der Aufträge in vielen Branchen dürfte eine schnelle Erholung verhindern.

Ist wenigstens die Gefahr eines kollabierenden Finanzsystems gebannt?Sie ist jedenfalls weit kleiner als im vergangenen Herbst. Die Kreditmärkte haben sich deutlich entspannt. Ich behaupte nicht, dass sich die Banken schon wieder uneingeschränkt vertrauen und munter gegenseitig Geld leihen. Die Märkte sind sicher noch nicht wieder dort, wo sie 2007 waren, die Notenbanken werden sie noch eine Weile stützen müssen. Aber das Risiko weiterer Bankpleiten ist erheblich gesunken. Vieles deutet darauf hin, dass die Lehman-Pleite der Höhepunkt war.

Der Markt sieht das anders: Die Gebühren für die Versicherung gegen Kreditausfälle etwa sind vielfach noch historisch hoch, ebenso die Renditeaufschläge, die Unternehmen gegenüber sicheren Staatsanleihen bezahlen müssen.Sie sind teilweise stark übertrieben. Die Ausfallrisiken werden heute in Summe als höher eingestuft als in der Großen Depression. Damals fielen binnen fünf Jahren 45 Prozent der Unternehmenskredite aus, von einer solchen Größenordnung gehen in dieser Krise nicht einmal Pessimisten aus. Allerdings ist ein solches Überschießen der Risikoangst nichts Ungewöhnliches.

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