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Kapitalrücknahme beschränkt: Hedgefonds frieren Kundengelder ein

von Mark Böschen (Frankfurt) und Yvonne Esterházy (London)

Immer mehr Hedgefonds frieren das Geld ihrer Kunden ein. Die laufen dagegen Sturm. Auch deutsche Privatanleger und Versicherte sind betroffen.

Kenneth Griffin, Hedgefonds-Manager von Citatel, hat auf die Krise reagiert und Kundengelder eingefroren.
Kenneth Griffin, Hedgefonds-Manager von Citatel, hat auf die Krise reagiert und Kundengelder eingefroren.

Eine Dreiviertelstunde vor der Anhörung des Finanzausschusses im britischen Unterhaus taucht Chris Hohn auf, der Gründer des Hedgefonds TCI, ein gefürchteter Aktivist und Großaktionär der Deutschen Börse. Im marineblauen Anzug von der Stange geht er rasch mit zwei Begleitern den Gang entlang. 15 Minuten später schlendert Douglas Shaw vom Fondsriesen Blackrock vorbei, allein, mit einer kleinen Aktentasche. Auf der Straße würde er glatt als Buchhalter durchgehen. Paul Marshall, Mitbegründer des Hedgefonds Marshall Wace, dagegen rückt mit einer Phalanx von Beratern an.

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Hedgefonds-Vermögen sind dramatisch geschmolzen

An diesem grauen Wintertag ist Demut geboten. Die sonst so selbstbewussten „Hedgies“ geben sich unterwürfig und sagen, sie seien selbst zum Opfer geworden: „Den Hedgefonds-Managern die Schuld für die Bankenkrise zuzuschieben ist so, als wenn man die Passagiere für den Busunfall verantwortlich macht“, sagt Marshall.

Als Passagiere im zerbeulten Unfall-Bus fühlen sich derzeit aber vor allem die Hedgefonds-Kunden: Sie wollen raus – aber nun geht die Tür nicht auf. Manager wie Kenneth Griffin von Citadel oder Philip Falcone von Harbinger Capital reagieren auf die Krise, indem sie Kundenkapital einfrieren. Hohn musste vor dem Ausschuss einräumen, dass das von ihm verwaltete Vermögen inzwischen auf 9,5 Milliarden Dollar geschrumpft ist – früher waren es über drei Milliarden Dollar mehr. Seine Investoren mussten sich von Anfang an verpflichten, ihr Geld auf mindestens drei oder fünf Jahre festzulegen.

Beschränkte Kapitalrücknahme

Die meisten Fonds aber nutzen jetzt erst Klauseln in ihren Prospekten, mit denen sie Kapitalrücknahmen auf 10 oder 20 Prozent des Kapitals beschränken können; weitere Anleger müssen bis zum nächsten Kündigungstermin warten. Auch Blackrock hat am 16. Februar die Anteilsrückgabe beim Dach-Hedgefonds Absolute Return Strategies beschränkt, nachdem der in London gelistete Fonds seit dem Start im April 2008 fast die Hälfte des Börsenwerts eingebüßt hat. Blackrock verweist darauf, immerhin eine eingeschränkte Rückgabemöglichkeit zu bieten, obwohl die Gesellschaft hierzu nicht verpflichtet sei.

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17 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.03.2009, 17:25 UhrAnonymer Benutzer: Roger

    @michael: ihr intellektuelles Niveau ist ebenso eindrucksvoll wie ihre große Klappe. Was wäre volkswirtschaftlich so schlimm daran, wenn Fluggesellschaften, bauern u.a. keine Terminkontrakte mehr abschließen können ? Sie haben offenbar immer noch nicht begriffen, daß dem (vermeintlichen) Vorteil Einzelner unkontrollierbare Gefahren für die Weltwirtschaft gegenüber stehen.
    Und ihr fabulierender Hinweis auf die Risiken, die die Spekulanten völlig selbstlos auf sich nehmen, ist an Naivität oder auch Dummdreistigkeit kaum noch zu übertreffen.

  • 28.02.2009, 13:22 UhrAnonymer Benutzer: Melanie Gatzke

    Der Turmbau zu babel hat sich wiederholt. Jetzt ist er eingestürzt.
    Zur Zeit hat wohl keiner einigermaßen eine Orientierung, was Sache ist. Jeder weiß alles und nichts zugleich. Die bruchstücke, mit denen sie in den Nachrichtenstudios gefüttert werden, haben mit der Realität wenig gemeinsam. Alle hoffen, dass es gut wird, alle hoffen weiterhin die herannahende Gewissheit nicht zu hören, weil sie niemand sehen will, und auch nicht wahrhaben will.
    Alle haben zu lange geschlafen, alle haben alles treiben lassen, die Gewinner und Diktatoren dieses Spiels hatten die Meinungsführerschaft und alle haben ihnen geglaubt. Nun sind dummerweise die Gewinner ebenfalls zu Verlierern geworden, nur die ganz Großen, die haben sich vom Acker gemacht mit dem vielen Geld.
    Die Wahrheit sagt immer noch niemand. immer wieder heißt es lapidar: da wurden wir überrascht, das konnte doch keiner ahnen, das haben wir nicht so vorhergesehen, so geht das bis heute.
    Alles ist eine ganz große Überraschung. Wo haben diese Leute denn gelebt? Hinter dem Mond? Ja wenn man an den Turmbau zu babel glaubt - seine Vollendung-- dann wurde man überrascht. Das waren leider fast alle. Was für eine grandiose Dummheit.
    JEDER KONNTE ES SEHEN; WAS SiCH DiE LETZTEN JAHRE GETAN HAT: Ja, und alle haben mitgespielt, niemand zog die bremse. Weder Politiker noch die Medien. Da wurden sogar namhafte Professoren und Ökonomen der Lächerlichkeit preisgegeben, so groß war die Arroganz und die Dummheit.
    Jetzt rollt das Geschäft, aber in den Ruin. Zumindest die ironie über alle Warner ist verstummt.

  • 26.02.2009, 13:45 UhrAnonymer Benutzer: Erich Gengerke

    Es ist schon richtig, dass die Preisabsicherung der Händler per Terminkontrakt recht sinnvoll ist. So ist das Geschäft historisch auch mal entstanden. Nur mit Hedgefondsgeschäften der Fonds, die gerade ihre Kundengelder einfrieren, hat das nun wirklich gar nichts zu tun.

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