Kirche: Lohnt sich Kirche?

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Kirche: Lohnt sich Kirche?

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Pfarrer Steinhäuser freut sich auch über nicht-zahlende Gäste

von Niklas Hoyer

Glaubenszweifel, Missbrauchsskandale und Kritik an der Kirchenführung stehen zwar im Vordergrund. Am Ende aber treibt die Kirchensteuer Christen zum Austritt – ein handfestes materielles Motiv. Zeit deshalb für eine ökonomisch-ökumenische Bilanz.

Freie Plätze in einem guten Kinderhort sind ähnlich rar wie Sechser im Lotto. Angehende Eltern halten deshalb schon vor der Geburt Ausschau – und nutzen jede Gelegenheit, um Informationen einzuholen. So wird bei der Schwangerschaftsgymnastik der Düsseldorfer Elternschule nicht nur gemeinsam geschwitzt. „Die katholische Kindertagesstätte in der Altstadt ist wirklich gut“, berichtet eine Mutter in der Pause zwischen Wadendehnung und Beckenkreisen. Ihre erste Tochter, mittlerweile fünf Jahre alt, habe sich da sehr wohl gefühlt. Die Plätze seien zwar begehrt, aber „wer in der Kirchengemeinde aktiv ist, hat auch bei der Tagesstätte gute Karten“. Die werdende Mutter auf der nächsten Yogamatte, Ende 20, ist für den Tipp dankbar.

Mitglieder bevorzugt

„Wir dürfen katholische Kinder aus unseren Gemeinden bevorzugen“, räumt Pfarrer Rolf Steinhäuser ein. Er betreut die Düsseldorfer Gemeinden Sankt Maximilian, Sankt Lambertus und Maria Empfängnis und ist auch Vorsitzender der Kindertagesstätte. Tatsächlich seien die 40 Plätze in der 2004 neu gebauten Tagesstätte in der Altstadt besonders gefragt. Die Folge: Obwohl die Tagesstätte prinzipiell allen Kindern offensteht, sind 90 Prozent dort katholisch, berichtet Steinhäuser – und lässt seinen Blick durch das Pfarrbüro schweifen, über die wilde Sammlung von Topfpflanzen und kleinen Figuren auf der Fensterbank, das abgesessene Ledersofa mit dem Stoffhund in der Ecke. Hängen bleibt er an der Tafel neben dem Sofa. „Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“, steht darauf geschrieben.

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Überraschende Ergebnisse

Darf sich die Kirche aber so viel Freiheit nehmen? Ist es legitim, dass sie ihre Mitglieder bevorzugt, obwohl doch auch ihre Kindergärten zum Großteil vom Staat finanziert werden? Bekommen Kirchenmitglieder für ihre Kirchensteuer nicht nur die – ohnehin unbezahlbare – seelische Erbauung, seelsorgerische Begleitung und tröstliche Aussicht auf ein Leben nach dem Tod, sondern geldwerte Vorteile hier auf Erden? Und sind, andersherum, Atheisten oder aus der Kirche Ausgetretene Schmarotzer, wenn sie kirchliche Leistungen beanspruchen, seien es Kindergärten oder Schulen – oder wenn sie zu Weihnachten mit der Familie in die Christmette gehen, der schönen Stimmung wegen?

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