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Kirche: Lohnt sich Kirche?

von Niklas Hoyer

Glaubenszweifel, Missbrauchsskandale und Kritik an der Kirchenführung stehen zwar im Vordergrund. Am Ende aber treibt die Kirchensteuer Christen zum Austritt – ein handfestes materielles Motiv. Zeit deshalb für eine ökonomisch-ökumenische Bilanz.

Pfarrer Steinhäuser freut sich auch über nicht-zahlende Gäste Quelle: Frank Reinhold für Wirtschaftswoche
Pfarrer Steinhäuser freut sich auch über nicht-zahlende Gäste Quelle: Frank Reinhold für Wirtschaftswoche

Freie Plätze in einem guten Kinderhort sind ähnlich rar wie Sechser im Lotto. Angehende Eltern halten deshalb schon vor der Geburt Ausschau – und nutzen jede Gelegenheit, um Informationen einzuholen. So wird bei der Schwangerschaftsgymnastik der Düsseldorfer Elternschule nicht nur gemeinsam geschwitzt. „Die katholische Kindertagesstätte in der Altstadt ist wirklich gut“, berichtet eine Mutter in der Pause zwischen Wadendehnung und Beckenkreisen. Ihre erste Tochter, mittlerweile fünf Jahre alt, habe sich da sehr wohl gefühlt. Die Plätze seien zwar begehrt, aber „wer in der Kirchengemeinde aktiv ist, hat auch bei der Tagesstätte gute Karten“. Die werdende Mutter auf der nächsten Yogamatte, Ende 20, ist für den Tipp dankbar.

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Mitglieder bevorzugt

„Wir dürfen katholische Kinder aus unseren Gemeinden bevorzugen“, räumt Pfarrer Rolf Steinhäuser ein. Er betreut die Düsseldorfer Gemeinden Sankt Maximilian, Sankt Lambertus und Maria Empfängnis und ist auch Vorsitzender der Kindertagesstätte. Tatsächlich seien die 40 Plätze in der 2004 neu gebauten Tagesstätte in der Altstadt besonders gefragt. Die Folge: Obwohl die Tagesstätte prinzipiell allen Kindern offensteht, sind 90 Prozent dort katholisch, berichtet Steinhäuser – und lässt seinen Blick durch das Pfarrbüro schweifen, über die wilde Sammlung von Topfpflanzen und kleinen Figuren auf der Fensterbank, das abgesessene Ledersofa mit dem Stoffhund in der Ecke. Hängen bleibt er an der Tafel neben dem Sofa. „Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“, steht darauf geschrieben.

Überraschende Ergebnisse

Darf sich die Kirche aber so viel Freiheit nehmen? Ist es legitim, dass sie ihre Mitglieder bevorzugt, obwohl doch auch ihre Kindergärten zum Großteil vom Staat finanziert werden? Bekommen Kirchenmitglieder für ihre Kirchensteuer nicht nur die – ohnehin unbezahlbare – seelische Erbauung, seelsorgerische Begleitung und tröstliche Aussicht auf ein Leben nach dem Tod, sondern geldwerte Vorteile hier auf Erden? Und sind, andersherum, Atheisten oder aus der Kirche Ausgetretene Schmarotzer, wenn sie kirchliche Leistungen beanspruchen, seien es Kindergärten oder Schulen – oder wenn sie zu Weihnachten mit der Familie in die Christmette gehen, der schönen Stimmung wegen?

Die Suche nach Antworten führt quer durch Deutschland und zu überraschenden Ergebnissen.

50 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 12.09.2011, 22:17 UhrAnonymer Benutzer: Tine S.

    @Dipl.-ing. Conrad Zewalt: Versuchen Sie es doch mal mit den Predigten in der Düsseldorfer Andreaskirche. ich vermute, Sie wären überrascht.

  • 03.05.2011, 20:17 UhrAnonymer Benutzer: Münchner

    Von einer Kirchensteuer steht im Evangelium kein Wort. Dafür aber eine Menge anderer Dinge und die sind aktueller denn je. Mein lieber Herr Gesangsverein! Mir reicht schon meine Sünderhaut, in der ich stecke. ich will mit keinem "Hirten" der durch Steuer-silberlinge bezahlten Kirchen tauschen.

    Denn wer wird schlimmer bestraft? Das Schaf das in die irre geht, oder der Hirte der es in die irre leitet?

    Es steckt eine Menge Verantwortung in der finanziellen Unterstützung von Hirten .......

  • 29.04.2011, 00:53 UhrAnonymer Benutzer: Dipl.-Ing. Conrad Zewalt

    Ach, lieber Heinz Luttkowski, wo leben Sie denn? Meldet sich "die Kirche" mal zu Wort, dann geht es doch fast nur noch um die von ihnen erwähnten Themen. ich gehöre trotz aller Frustration immer noch zu den regelmäßigen Kirchgängern. Was bekomme ich seit über vierzig Jahren immer und immer wieder zu hören? Genau die Dinge, die Sie angeblich vermissen. Vom Seelenheil habe ich dagegen zuletzt in meiner Kindheit etwas gehört, von einem Pfarrer der alten Schule, wie man so sagt. Der hat noch über Seelenheil, Sünde und andere "unmoderne" Sachen gesprochen, musste dann aber das Feld räumen, weil er einigen Gemeindegliedern zu konservativ war. Seitdem, und ich bin aus beruflichen Gründen sehr viel herumgekommen und habe dementsprechend viele Kirchgemeinden erlebt, habe ich nur noch diesen (meistens von links inspirierten) Weltverbesserungskram zu hören bekommen. ich bin auch für Frieden, Gerechtigkeit, Schutz der Umwelt und so weiter, doch muss ich deshalb nicht unbedingt in eine Kirche gehen. Es gibt tausend andere Möglichkeiten, sich für diese wichtigen Dinge zu engagieren. Mal ganz abgesehen davon, dass man zu praktisch allen Sachverhalten höchst unterschiedliche Ansichten vertreten kann. Die Kirche war stets gut beraten, wenn sie sich aus Tagespolitik und ideologischen Streitereien herausgehalten hat. So einfach ist die Welt nun einmal nicht, dass man alles in die Kategorien richtig/falsch oder gar gut/böse einteilen könnte. Das kann nur ein grün oder rot wählender deutscher Wohlstandsbürger, der nichts so sehr hasst wie kirchliche Dogmen, sich aber längst seine eigenen Dogmen geschaffen hat.
    P.S.: Sollten Sie einen Pfarrer kennen, der noch vom Seelenheil predigt, dann geben Sie doch bitte den Namen und die Wirkungsstätte bekannt. Es wäre der von mir seit langem ersehnte beweis, dass es in der heutigen Kirche nicht nur selbsternannte Gutmenschen, sondern noch echte Geistliche gibt.

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