Kommentar: EZB bleibt vom Zinssenkungsfieber verschont

Kommentar: EZB bleibt vom Zinssenkungsfieber verschont

Bild vergrößern

Der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, äußerte sich am Donnerstag vor Journalisten zur Zinsentscheidung seines Hauses.

Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen heute unverändert gelassen. Auf der anschließenden Pressekonferenz betonte EZB-Chef Jean Claude Trichet jedoch die Abwärtsrisiken für die Konjunktur - und stieß damit die Tür für künftige Zinssenkungen einen Spalt weit auf. Doch die Währungshüter sind gut beraten, sich nicht vom Zinssenkungsfieber anderer Notenbanken anstecken zu lassen.

In der Haut der Frankfurter Währungshüter möchte man derzeit wahrlich nicht stecken. Denn während sich die Aussichten für die Konjunktur rasant eintrüben, klettert die Inflationsrate immer weiter nach oben. Mit 3,2 Prozent liegt sie derzeit so hoch wie seit Jahren nicht mehr. Ökonomen sehen daher schon das Szenario einer Stagflation heraufziehen wie in den Siebzigerjahren, als die Wirtschaft bei steigenden Inflationsraten vor sich hin dümpelte.

Was immer eine Zentralbank in dieser Situation auch macht – es ist immer  das Falsche. Senkt sie die Zinsen, um die Konjunktur zu stützen, riskiert sie, die Geldentwertung zu beschleunigen. Erhöht sie dagegen die Zinsen, um die Inflation zu bekämpfen, läuft sie Gefahr, die Wirtschaft in die Rezession zu stürzen.

Anzeige

Angesichts der großen Risiken sowohl für die Konjunktur als auch für die Preisstabilität war es daher eine weise Entscheidung der EZB, sich mit der stärkeren Betonung der konjunkturellen Abwärtsrisiken von ihrer bisherigen Neigung zu Zinserhöhungen zu verabschieden. So erklärte Trichet, die Entscheidung für unveränderte Leitzinsen sei einstimmig gefallein. Niemand im Zentralbankrat habe also mehr für Zinserhöhungen votiert. Damit hat die EZB nun eine neutrale Haltung eingenommen, die ihr für die kommenden Monate eine maximale Flexibilität in der Zinspolitik verschafft.   Allerdings heißt das nicht, dass sie auf die schwächelnde Konjunktur nun mit raschen Zinssenkungen reagieren sollte. Denn dazu ist die Teuerungsrate viel zu hoch. Und die Aussichten, dass diese in den nächsten Monaten wieder sinkt, sind nicht gerade gut.

Denn der kräftige Anstieg der Energie- und Nahrungsmittelpreise ist kein kurzfristiges Phänomen. Vielmehr entpuppt er sich immer mehr als ein säkularer Aufwärtstrend. Die weltweit steigende Nachfrage nach Öl und Gas trifft auf ein unelastisches Angebot, das durch Förderengpässe geprägt ist. Weiterhin steigende Preise für Energie sind die Folge. Hinzu kommt die politische Entscheidung, wegen des Klimawandels die Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren und auf erneuerbare Energien zu setzen. Beides wird die Kosten für den Energieverbrauch weiter in die Höhe treiben.   Auch bei den Nahrungsmitteln zeichnet sich noch kein Ende des Höhenflugs ab. Im Gegenteil. In den vergangenen Tagen ist der Preis für Weizen auf ein neues Rekordhoch geklettert. Mit einem Plus von 17 Prozent hat sich das Getreide seit Jahresbeginn auf den Weltmärkten damit sogar noch stärker verteuert als Rohöl und Kupfer.

Setzen dann auch noch die Gewerkschaften saftige Lohnerhöhungen durch, entsteht ein Inflationscocktail, bei dem die EZB die Zinsen nicht senken kann und darf. Denn anders als die US-Notenbank Fed, die nicht nur für stabile Preise, sondern auch ein möglichst hohes Wirtschaftswachstum sorgen soll, ist die EZB zuvorderst auf die Sicherung der Preisniveaustabilität verpflichtet. Daher war es richtig, dass sie sich vom Zinssenkungsfieber der Fed bisher nicht anstecken ließ.

Dass die Konjunktur nun auf Talfahrt geht, sollte die EZB nicht weiter beunruhigen. Denn eine geringere gesamtwirtschaftliche Nachfrageexpansion entlastet die Produktionskapazitäten und erschwert es den Unternehmen, die Preise für ihre Produkte anzuheben.   An Leitzinssenkungen sollte die EZB erst denken, wenn mehrere Bedingungen erfüllt sind: Erstens muss die aktuelle Tarifrunde ohne überzogene Lohnabschlüsse zu Ende gehen. Zweitens muss der Aufwärtstrend bei Nahrungsmittel- und Energiepreisen nachlassen. Drittens muss das Wachstum der Geldmenge deutlich nachlassen.

Solange diese Bedingungen nicht erfüllt sind, ist die EZB gut beraten, die Zinsen auf dem aktuellen Niveau zu belassen.

Anzeige
Immobilien-Wertfinder:Was Mieten und Kaufen in Ihrer Region kostet
Immobilien-Wertefinder

Mit unserem interaktiven Tool finden Sie Interessierte Mieten und Kaufpreise in ihrem Viertel und ihrer Straße. Mehr...

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%