Kontrolleure in der Kritik: Ämterhäufung bei Aufsichtsräten

Kontrolleure in der Kritik: Ämterhäufung bei Aufsichtsräten

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Gerhard Cromme verdiente im Jahr 2007 mit drei Mandaten bei Dax-Konzernen mehr als eine Million Euro.

Trotz Wirtschaftskrise tagen Aufsichtsräte selten, halten aber weiter kräftig die Hand auf. Ihre Vergütung hängt meist von Gewinnziffern ab, die der Vorstand steuert. Konsequenz: Die Kontrolleure tun, was Manager wollen – auf Kosten der Aktionäre.

Leicht hat es Gerhard Cromme nun wirklich nicht. „Hochkomplex und zeitintensiv“ sei sie, die Arbeit eines Aufsichtsrats. Die schwere Tätigkeit verlange deshalb „ihren Preis“. Hochkomplex muss es für Cromme vor allem sein, Sitzungen so zu legen, dass er auch wirklich daran teilnehmen kann: Er ist Chefkontrolleur bei Siemens und ThyssenKrupp, soll als Aufsichtsrat die Allianz, den Axel-Springer-Verlag und den französischen Baukonzern Saint-Gobain überwachen. Zudem ist er Vize-Chef des Kuratoriums der Essener Krupp-Stiftung – und bei Siemens amtiert er, über seinen Job als Aufsichtsratschef hinaus, in fünf weiteren Ausschüssen. Der Lohn: Mehr als eine Million Euro kassierte Cromme im Jahr 2007 allein aus seinen drei Mandaten bei Dax-Unternehmen.

Dass es für 2008 weniger sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Trotz Wirtschaftskrise, so schätzen die Vergütungsexperten von Towers Perrin, werden die Tantiemen, die Dax-Aufsichtsratschefs für das Krisenjahr 2008 beziehen, um mehr als acht Prozent steigen. Rund 279.800 Euro dürfte ein Chefaufseher im Schnitt kassieren. Genaueres werden die Bilanzen im Frühjahr zeigen. Aktionäre, deren Depotwerte sich halbiert haben, fragen zu Recht, ob die Kontrolleure ihr Geld wert sind, was sie dafür tun – und ob sie unabhängig genug sind, Fehler zu erkennen und abzustellen.

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Deutschlands Aufsichtsräte verhinderten weder überteuerte Übernahmen (Deutsche Bank/Postbank, Commerzbank/Dresdner, Continental/VDO) noch Skandale (Siemens-Schmiergelder, Telekom-Spitzelaffäre) oder Beinahe-Pleiten (Hypo Real Estate, IKB). Trotzdem steigen ihre Vergütungen unaufhaltsam.

Gesetzliche Anforderungen sollen steigen

Der Aufsichtsrat soll im Auftrag der Aktionäre den Vorstand überwachen. Eines seiner wichtigsten Gremien ist der Prüfungsausschuss, der das Zahlenwerk unter die Lupe nehmen und im Zweifel den Vorstand zwingen soll, Fehler zu korrigieren. Über eine Reform des deutschen Handelsgesetzbuchs verschärft Bundesjustizministerin Brigitte Zypries gerade die Anforderungen an den Prüfungsausschuss. Dabei geht es auch um Haftungsfragen – im Zweifel können Aktionäre ihre Aufsichtsräte verklagen, muss die Justiz aktiv werden, wenn Räte ihre Pflichten verletzt haben. „Es muss auch in der Wirtschaft gelten: Wer etwas falsch gemacht hat, muss dafür geradestehen“, so Ministerin Zypries.

Um strengeren Gesetzen zu entgehen, haben die deutschen Unternehmen einen Kodex entwickelt, der helfen soll, Interessenkonflikte zu vermeiden. Das Regelwerk hat die Kommission für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) erstellt, die von Cromme jahrelang geleitet wurde. Eine zentrale Regel des Kodex: Ein Manager solle nicht vom Chefsessel des Vorstands auf den des Aufsichtsrats rutschen. So weit die Theorie.

Die Finanzkrise brachte Ernüchterung

In der Praxis hat sich spätestens mit Ausbruch der Finanzkrise und den De-facto-Zusammenbrüchen IKB und Hypo Real Estate gezeigt, dass die Kontrolleure alles andere tun, als den Brandstiftern in den Managementetagen auf die Finger zu schauen. Das gilt nicht nur für die etwa im IKB-Aufsichtsrat reichlich vertretenen Politiker. Selbst vermeintliche Fachleute bewirkten wenig. Ex-Bundesbankpräsident Hans Tietmeyer etwa übersah als Hypo-Real-Aufsichtsrat die halsbrecherischen Finanzierungen der Skandalbank. Ex-Post-Chef Klaus Zumwinkel soll als Aufsichtsratschef der Telekom Anweisungen zur Überwachung von Aufsichtsräten und Journalisten gegeben haben – das wäre ein klarer Verstoß gegen das deutsche Aktienrecht.

Auch Cromme selbst gilt als unrühmliches Vorbild für die Manager-Kaste: Der Ex-Thyssen-Chef trat beim Stahlunternehmen nicht ab, sondern sicherte sich nach seiner Vorstandstätigkeit ein warmes Plätzchen als Oberkontrolleur – exakt gegen die Weisung, die die nach ihm benannte Runde („Cromme-Kommission“) vor knapp sieben Jahren in den Corporate-Governance-Kodex diktiert hatte. Auch bei Siemens wurde Cromme Aufsichtsratschef, nachdem er von 2005 bis 2007 das heikle Amt des Prüfungsausschuss-Vorsitzenden innegehabt hatte. Trotz Mehrfachfunktion im Konzern – seit 2003 sitzt Cromme im Siemens-Aufsichtsrat – entging ihm, dass über Jahre 1,3 Milliarden Euro an Schmiergeldern an Siemens-Kunden und durch die Siemens-Bücher flossen. Die Aktionäre büßen dies mit einer Milliardenstrafe, die Siemens nun zu zahlen hat.

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