Krankenkassen: AOK: "Drei Tage bis zum Termin beim Arzt"

Krankenkassen: AOK: "Drei Tage bis zum Termin beim Arzt"

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Das AOK-Logo. Die AOK Rheinland/Hamburg ist die sechstgrößte deutsche Krankenkasse

Wilfried Jacobs, AOK-Regionalchef für Rheinland/Hamburg, im Interview über Beitragserhöhungen und Service für Versicherte.

WirtschaftsWoche: Herr Jacobs, am 1. Januar 2009 wird in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) über den Gesundheitsfonds Geld an die Kassen verteilt. Wer mehr braucht, muss Zusatzbeiträge verlangen. Bekommen Ihre Versicherten nächstes Jahr den Brief mit der Zahlungsaufforderung?

Jacobs: Nein. Die Haushaltsplanung für 2009 war zwar nicht einfach, da wir erst sehr spät wussten, mit welchen Pauschalen und Einnahmen wir aus dem Gesundheitsfonds rechnen können. Der einheitliche Beitrag von 15,5 Prozent ist äußerst knapp bemessen. Insbesondere drohen weit höhere Ausgaben für Krankenhäuser als die bisher bekannten zusätzlichen 3,5 Milliarden Euro. Trotz allem werden wir 2009 keinen Zusatzbeitrag erheben.

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15,5 Prozent sind zwar zu wenig, aber sie reichen – wie geht denn das? Die Mehrausgaben für die Krankenhäuser und Ärzte sind zum Teil im Beitragssatz von 15,5 Prozent eingepreist. Wir sehen aber den Gesetzgeber in der Verantwortung, die Steigerungen bei den Krankenhausausgaben tatsächlich auf die besagten 3,5 Milliarden Euro zu begrenzen.

Wie realistisch ist das? Ich hoffe sehr realistisch. Gelingt die Kostenbegrenzung bei den Krankenhäusern nicht, dann muss sie bei den Arzneimitteln funktionieren. Im internationalen Vergleich, zum Beispiel zur Schweiz, sind Deutschlands Preise für Medikamente viel zu hoch.

Werden Sie freiwillige Leistungen streichen? Auf keinen Fall. Vieles, was die Krankenkassen zusätzlich anbieten, sind Vorsorgeleistungen. Diese einzuschränken wäre völlig falsch.

Wie sieht es bei anderen Kassen aus? Werden 2009 freiwillige Leistungen gekürzt? Eine Krankenkasse, die Leistungen kürzt, hätte nicht begriffen, wie Wettbewerb abläuft. Man darf doch das Produkt nicht verschlechtern, wenn immer höhere Beiträge verlangt werden.

Worin unterscheiden sich dann die Krankenkassen in Zukunft für den Versicherten noch? Die Politik hat den Bürgern immer wieder gesagt, dass der Beitragssatz das alleinige Kriterium für die Effizienz einer Krankenkasse ist. Das war und ist grundlegend falsch. Die Frage ist doch: Wie ist das Preis-Leistungs-Verhältnis? Wie kompetent und leistungsfähig, wie leistungsbereit und wie serviceorientiert ist meine Krankenkasse? Dies wird künftig bei einem Einheitsbeitrag entscheidend für die Wahl der Krankenkasse sein. Der Qualitätswettbewerb hat für uns schon lange vor dem Gesundheitsfonds begonnen.

Wo zum Beispiel? Wir bieten unseren Versicherten an, für sie innerhalb von drei Tagen einen Termin beim Arzt oder im Krankenhaus zu organisieren. Und wer schwer erkrankt ist, kann von einem unserer namhaften Experten schnell eine zweite Meinung einholen. Der Versicherte muss sehen, dass seine Kasse für ihn da ist. Auch bei den Leistungen müssen wir flexibel sein, beispielsweise durch Zusatzversicherungen.

Der Schätzerkreis der GKV hat jüngst berechnet, dass dem Gesundheitsfonds im nächsten Jahr etwa 440 Millionen Euro fehlen. Wird der Gesetzgeber dann im Leistungskatalog den Rotstift ansetzen? Dies wäre der völlig falsche Weg. Die Krankenkassen müssen bei den Leistungen mehr selbst gestalten können.

Steigt dafür der Beitragssatz? Der Druck auf den Beitragssatz bleibt bestehen. Für 2009 ist er festgelegt, für 2010 wird man sicher über eine Anpassung reden müssen. Die Jahre 2009 und 2010 sind insgesamt schwierige Jahre. Das schlechtere wirtschaftliche Umfeld wird auch die Beitragseinnahmen der Krankenversicherungen senken.

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