Krankenkassen: Hunderttausende wechseln die Krankenkasse

Krankenkassen: Hunderttausende wechseln die Krankenkasse

DAK und KKH-Allianz sehen von ihren Mitgliedern nur noch die Absätze. Mehr als 650.000 Versicherte wechselten zur Konkurrenz, weil sie dort keine Zusatzbeiträge zahlen müssen. Das geht aus der Jahresbilanz der Versicherer hervor.

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Die Krankenkassen, die keine Zusatzbeiträge erheben, freuen sich über neue Mitglieder

Wettbewerb belebt das Geschäft, das müssen nun auch die Krankenkassen lernen. Die deutsche Angestellten-Krankenkasse (DAK) sowie die KKH-Allianz fordern von ihren Mitgliedern seit Anfang 2010 acht Euro mehr im Monat. Zwar ist der Beitragssatz gesetzlich vorgegeben - er beträgt 14,9 Prozent des Bruttogehalts, wovon der Arbeitgeber 7 Prozent übernimmt. Die Kassen, die damit nicht auskommen, können jedoch zusätzliche Beiträge erheben.

Insgesamt sechs Kassen nutzten diese Möglichkeit: Die BKK advita,  BKK Phoenix, BKK Gesundheit, Deutsche BKK sowie DAK und KKH-Allianz fordern monatlich acht Euro mehr von ihren Versicherten. Zum Januar 2011 zogen dann vier weitere Krankenversicherungen nach und führten neue Beiträge ein: Die BKK Publik - Partner der BKK Salzgitter begnügt sich mit acht Euro monatlichen Mehrkosten, die BKK für Heilberufe nimmt schon zehn Euro pro Monat und die City BKK sowie deren Tochter Kranke Kasse verlangen 15 Euro zusätzlich. Rund zehn Millionen Versicherte waren von den Erhöhungen betroffen, mehr als einer halben Million schmeckte das nicht, sie kündigten.

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Ohrfeige für die Versicherer

Das Sonderkündigungsrecht ermöglicht es den Kunden in einem solchen Fall, die Kasse zu wechseln. Der politische Gedanke dahinter: Wirtschaftlich arbeitende Versicherer sollen belohnt werden, solche, die ihre Kosten nur mit immer neuen Beiträgen decken können, werden abgewatscht. Und genau das passiert gerade.

Mehr als 650000 Versicherte haben bisher die Konsequenzen gezogen und vom Sonderkündigungsrecht Gebrauch gemacht. Besonders hart hat das die DAK erwischt. Binnen eines Jahres kündigten 460000 Versicherte, im Januar 2011 betrug die Mitgliederzahl nur noch 5,8, 2010 waren es 6,3 Millionen  - das sind mehr als sieben Prozent Verlust. Auch die KKH-Allianz verlor – prozentual sogar noch kräftiger: Fast zehn Prozent der Versicherten kehrten ihr den Rücken zu. 190000 wanderten ab, 1,86 Millionen sind geblieben. Ein großer Teil der Kündigungen sei auf die Einführung des Zusatzbeitrags und das Sonderkündigungsrecht zurückzuführen, heißt es seitens der KKH-Allianz.

Des einen Leid, des andern Freud

Profiteure dieser Kündigungen sind die großen Krankenkassen, die keine zusätzlichen Beiträge erhoben haben. Am besten stehen derzeit die Barmer GEK und die Techniker Krankenkasse (TK) da. Der TK strömten 339000 Menschen zu, was eine Gesamtzahl von  7,6 Millionen Mitgliedern macht. Zur Barmer kamen 100000 neue Mitglieder, 8,6 Millionen sind nun dort versichert. Die IKK Classic wuchs um 46.000 auf 1,86 Millionen, die Knappschaft um 44.800 auf 1,72 Millionen und die Vereinigte IKK um knapp 26.000 auf 1,65 Millionen Versicherte.

Im vergangenen Jahr hatten nur wenige Kassen klipp und klar erklärt, dass sie keine neuen Beiträge einführen werden. Dazu gehörten beispielsweise einige Ortskrankenkassen der AOK sowie die Signal Iduna IKK und die BIG direkt gesund. Für 2011 äußern sich die Versicherer konkreter: In diesem Jahr sollte es kaum noch Gründe zum Wechseln geben. Mehr als 90 gesetzliche Krankenkassen planen, in 2011 ohne Zusatzbeitrag auszukommen. Darüber hinaus garantieren mehr als 50 Kassen ihren Kunden, dass bis Ende 2011 kein Zusatzbeitrag verlangt wird.

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