
BERLIN. Die gesamten Beiträge dürften um drei Prozent zurückgehen, erklärte der Branchenverband GDV in Berlin. 2009 legen die Beitragseinnahmen zwar unerwartet stark um knapp fünf Prozent auf 83,4 Mrd. Euro zu. Dies ist aber nur auf das Einmalgeschäft zurückzuführen, das als schwankungsanfällig und weniger rentabel gilt. Dabei zahlen die Kunden einen höheren Betrag auf einen Schlag ein, auch um Geld zu parken.
Im ertragreicheren und langfristigeren Geschäft mit lang laufenden Policen macht den Versicherern die Verunsicherung der Verbraucher durch die Finanzkrise zu schaffen. "Es fällt derzeit vielen Kunden schwer, unter anderem aus Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, einen Vorsorgevertrag mit einer langfristigen Verpflichtung zur Beitragszahlung einzugehen", sagte GDV-Präsident Rolf-Peter Hoenen bei seiner ersten Jahrespressekonferenz im neuen Amt.
Rund ein Fünftel weniger langfristige Policen werden die Lebensversicherer nach Schätzung des GDV in diesem Jahr verkaufen, ein herbes Minus. Dagegen brummt das Neugeschäft gegen Einmalbeitrag. Dies dürfte um fast die Hälfte zunehmen und mit 18 Mrd. Euro fast dreimal so hoch ausfallen wie das langfristige Geschäft. Allianz-Leben-Chef Maximilian Zimmerer, der seine Sparte im GDV vertritt, räumte ein, dass es sich dabei um ein saisonales Geschäft handelt. Allerdings dürfte es künftig eher zu als abnehmen.
Über alle Sparten hinweg rechnet die Branche für 2010 damit, dass die gesamten Beitragseinnahmen um ein halbes Prozent unter den 170 Mrd. Euro liegen, die für dieses Jahr veranschlagt wurden. Dabei läuft das Geschäft mit privaten Krankenversicherungen gut, schlechter sieht es in der Schaden- und Unfallsparte aus. Vor allem die als Türöffner heiß umkämpften Kfz-Policen bringen zunehmend weniger Einnahmen und Gewinn.
Daher ist es wenig verwunderlich, dass die Branche neue Einnahmequellen sucht - und beispielsweise bei der staatlich geförderten Altersvorsorge findet. Verbandspräsident Hoenen forderte eine Ausweitung der Riester-Rente: Zum einen sollen auch Freiberufler und Selbstständige riestern dürfen. Und zum anderen wünscht sich der GDV, dass die bezuschusste Summe angehoben wird und anteilig von der Beitragsbemessungsgrenze abgeleitet wird.
Die ist wesentlich höher als das durchschnittliche Bruttoeinkommen, an dem sich die Riester-Förderung bislang orientiert. Die bisher letzte Erhöhung der Riesterförderung 2008 hatte den Lebensversicherern zu massiven Mehreinnahmen verholfen.
Die Folgen der Krise spüren auch und vor allem die Rechtsschutz- sowie die Kreditversicherer. "Wir rechnen in diesem Jahr mit bis zu 680 000 Arbeitsrechtsschutzfällen", sagte Hoenen. Das seien 20 Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Anbieter müssten dafür sogar 30 Prozent oder eine halbe Mrd. Euro mehr aufwenden als 2008. "Auch wenn es die offiziellen Zahlen noch nicht widerspiegeln, ist die Wirtschaftskrise schon längst an den deutschen Arbeitsgerichten angekommen", fügte Hoenen.
Die deutschen Kreditversicherer stellen sich darauf ein, dass die Schadensaufwendungen um die Hälfte auf 1,5 Mrd. Euro zunehmen. Hier macht die Schaden-Kostenquote deutlich, wie die Krise die Gewinne auffrisst. Sie steigt binnen Jahresfrist von 78 auf 119 Prozent. Das heißt: Von jedem Euro Beitrag blieben im reinen Versicherungsgeschäft im vergangenen Jahr noch 22 Cent übrig. Dieses Jahr zahlen die Kreditversicherer für jeden Beitragseuro 19 Cent drauf. Ein solches Minus lässt sich auch mit den Erträgen der Kapitalanlagen kaum mehr ausgleichen.




















