Krisen- und Konjunkturprognosen: Das Volk ohne guten "Wirt"

Krisen- und Konjunkturprognosen: Das Volk ohne guten "Wirt"

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Auch Ökonom Ben Bernanke unterschätzte die Finanzkrise.

Im Verlauf der Finanzkrise haben sich viele professionelle Prognosen als "ungenügend" gar "mangelhaft" herausgestellt. Folker Hellmeyer geht dem auf den Grund.

Im Zuge der globalen Finanzkrise ergaben sich ernüchternde Erkenntnisse über die Qualität professioneller Prognosen seitens der Elite der Wissenschaft, ob den volkswirtschaftlichen Abteilungen der Zentralbanken, dem IWF, der OECD oder den führenden nationalen Instituten. Diese Prognosen verdienten sich seit 2007 zu größten Teilen das Prädikat „mangelhaft“ oder sogar „ungenügend“.

Bevor hier die Ergebnisse dieser Institutionen erörtert werden, stellt sich die Frage, warum Prognosen dieser Elite von so hoher Bedeutung sind. Sowohl Unternehmen als auch die Politik nutzen diese Prognosen, um ihre Planungen und Budgets für die Zukunft aufzustellen. Daraus leitet sich ab, dass auch alle weiteren Wirtschaftssubjekte direkt betroffen sind, da sie ihre Einkommen von Unternehmen oder vom Staat beziehen.

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Mit anderen Worten kommt der Elite der Volkswirtschaft eine sehr hohe Bedeutung zu für die Steuerung der Politik, der Unternehmen, der Konjunktur und damit der Gesellschaft. Hier wird deutlich, wie elementar es ist, dass die Qualität der Prognosen so hoch wie möglich ist, um Fehlsteuerungen zu vermeiden. Diese Elite der Volkswirtschaft ist vergleichbar mit Ärzten. Stimmt die Diagnose eines Arztes nicht, ergibt sich ein hohes Risiko einer Fehlbehandlung.

Erst ignoriert, dann unterschätzt und später überschätzt

Als im Sommer 2007 die globale Finanzkrise ausbrach, wurde die Krise von diesen Eliten der Volkswirtschaft nicht ansatzweise erwartet. Im Gegenteil. Sie wurde ignoriert oder klein geredet. Die Aussagen der Herrn Bernanke und Trichet entsprachen der generellen Auffassung: „The crisis is contained!“ – Die Krise ist begrenzt! Hier ergab sich in der Breite die erste vollständige Fehldiagnose.

Für das Jahr 2008 passten alle wesentlichen Eliten der Volkswirtschaft im ersten Quartal 2008 ihre Wachstumsprognosen aggressiv nach oben an. Der konjunkturelle Einbruch, der sich bereits vor dem Lehman-Debakel ab Mitte 2008 ergab und sich danach verstärkte, stand nicht auf der Agenda dieser Klientel.

Per 2009 wurde dann der tiefste konjunkturelle „Blues“ in homogener Form angestimmt. Für Deutschland waren das fünf Millionen Arbeitslose und sechs Prozent Kontraktion der Wirtschaft. Die profunde Konjunkturerholung per Mitte 2009 war auf dem Prognosehorizont der Eliten nicht zu finden.

Per 2010 schrieb das „Wall Street Journal“ so treffend über das Weltwirtschaftsforum in Davos, dass große Einigkeit bei den Eliten der Volkswirtschaft vorherrsche, dass ein erneuter Schwächeanfall der Konjunktur direkt vor der Türe stehe („Another dip is just around the corner!“). Tatsächlich hat sich die Erholung der Weltwirtschaft nachhaltig fortgesetzt und das Tempo auf mehr als voraussichtlich vier Prozent Wachstum verstärkt.

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass das größte Debakel seit 1929/32 von dieser Elite zunächst übersehen wurde, dann unterschätzt wurde, um schlussendlich überschätzt zu werden. Anders ausgedrückt wurden bei jeder wesentlichen Trendveränderung der letzten drei Jahre falsche Prognosen geliefert. Ergo erfüllte diese Elite nicht ansatzweise ihre zugedachte Funktion. Woran liegt das?

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