
Für ein paar Tage im September war ein hässlicher Turm in Basel Zentrum der Welt: die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Auf der Gästeliste die Elite der globalen Finanzwirtschaft: Ben Bernanke, Chef des Federal Reserve System (Fed), Jean-Claude Trichet, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Axel Weber, Chef der Deutschen Bundesbank, Mervyn King, Governor der Bank of England, oder Toshihiko Fukui, Governor der Bank of Japan. Eine nur kurze Wegstrecke zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat jeweils Jean-Pierre Roth, Chef der Schweizerischen Nationalbank, zurückzulegen. Roth ist derzeit der höchste im Club der Zentralbanker, leitet er doch seit 2006 als Chairman das Board of Directors der BIZ. Eine Teilnehmerliste wird aus Sicherheitsgründen nicht bekanntgegeben. Aber bis am Montag waren rund 40 Zentralbankchefs in Basel versammelt, dazu noch rund ein Dutzend Vertreter von Regulationsbehörden sowie Abgesandte der großen Finanzfirmen der Welt. Die 1930 gegründete BIZ ist die älteste internationale Organisation auf dem Gebiet des Finanzwesens. Sie ist so etwas wie der Gral der Währungshüter, fungiert als Bank der Zentralbanken und bietet die wichtigste Plattform für den Meinungsaustausch der weltweiten Taktgeber der Finanzwirtschaft – diskret, auf höchster Sicherheitsstufe. Das alle zwei Monate stattfindende Meeting der Zentralbanker ist diesmal von besonderer Brisanz. Denn derzeit bedroht ein globaler Flächenbrand die Finanzindustrie. Ungesicherte Kredite in Höhe von Hunderten von Milliarden Dollar – längst nicht mehr auf den Subprime-Bereich der US-Immobilien beschränkt – sorgen für zunehmende Panik auf den Finanzmärkten und für kalten Schweiß auf der Stirn so manchen Bankers oder Hedge-Fund-Managers. Viele Spekulanten haben sich die Finger bereits verbrannt, und nun müssen andere den Brand zu löschen versuchen – die Feuerwehrtruppe der globalen Finanzwirtschaft ist gefordert. Was in den Geheimgesprächen der BIZ beschlossen wurde, wird nur in groben Zügen bekanntgegeben. Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet, nutzte immerhin die Pressekonferenz, um beruhigende Botschaften zu streuen: „Wir haben Überreaktionen gesehen. Trotz den jüngsten Turbulenzen bleiben die Fundamentals der Weltwirtschaft stark.“
Heute Basel, zehn Tage zuvor Jackson Hole, Wyoming, wohin Fed-Chef Ben Bernanke geladen hatte: Die Orte wechseln, die Leute sind meistens dieselben. Es sind wenige Dutzend Schlüsselfiguren, die das Netzwerk der Krisenmanager der weltweiten Finanzwirtschaft bilden. Es ist ein Konglomerat aus Notenbankern, Regulatoren, Chefs von internationalen Wirtschaftsorganisationen und Vertretern der großen Finanzfirmen. In diesem Grüppchen befinden sich auch mehrere Top-Banker wie Josef Ackermann, Chef der Deutschen Bank, oder Chuck Prince, CEO der Citigroup, der größten Bank der Welt. Dazu gehören die Chefs der Branchenorganisationen, Charles Dallara etwa, Managing Director des Institute of International Finance (IIF), der Vereinigung der 350 wichtigsten Banken und Versicherungen der Welt. Eingebunden sind die Regulatoren wie Liu Mingkang, Chef der chinesischen Aufsichtsbehörde China Banking Regulatory Commission und Mitglied des 16. Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Chinas, aber auch die Schüsselfiguren der Entwicklungsorganisationen, etwa John Lipsky vom Währungsfonds (IWF) und Robert Zoellick von der Weltbank. Kern des Netzes sind die Zentralbanker, die – wie in Basel – die Taktgeber der Agenda sind. Die entscheidende Rolle kommt dabei den Nationalbankchefs der G10-Länder zu, der zehn größten Industrienationen der Welt. Die Agenda der Top Ten in Basel ist eng: Am Samstag trafen sich Bernanke, Trichet und Co. mit den Vertretern der unabhängigen Regulatoren. Am Sonntagabend dann das traditionelle Dinner der G10-Notenbankchefs – „Arthurs Tafelrunde“ genannt. Aufgetragen wird stets im Turm, nie auswärts im Restaurant. Am letzten Tag treffen sich die BIZ-Mitglieder im größeren Kreise, dann sind auch die Währungshüter der kleineren Länder dabei, Leute wie die Notenbankchefs von Saudi-Arabien und Südafrika. Wie funktioniert die internationale Schutztruppe? Nachvollziehen lässt sich dies am Beispiel der aktuellen Finanzkrise. Ihr Ursprung sind risikoreiche Immobilieninvestments in den USA. Getrieben von der Jagd nach immer höheren Renditen, verloren die Geldgeber von Immobilienkrediten jegliche Vernunft. Die schlechtesten dieser Risiken wurden Subprime genannt, und sie fanden, weil sie lange Zeit hohe Zinsen abwarfen, Eingang in Anlagefonds von Deutschland bis China. Weil das Risiko durch diese Zerstückelung nahezu atomisiert wurde, schien es gar nicht mehr vorhanden zu sein – und trieb die Investoren dazu, den Bogen immer weiterzuspannen.








