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Kritik an Bonitätsprüfern: Ratingagenturen: Weil sie es nicht besser können

von Anne Christine Kunz

Seit der Finanzkrise scheint sich die Einsicht breit gemacht zu haben, dass man mit Angriffen auf Ratingagenturen immer richtig liegt. Doch diesmal sind einige der Vorwürfe ungerechtfertigt.

Die Logos der Ratingagenturen Quelle: dpa
Die Logos der Ratingagenturen "Fitch" und "Standard & Poor's" Quelle: dpa

Ein Vorwurf lautet etwa, dass die Herabstufung Portugals zu heftig ist. Die makroökonomischen Daten des Landes seien gar nicht so schlecht, behaupten einige Ökonomen. Dafür sollte man wissen: Agenturen berechnen die Ausfallwahrscheinlichkeit von Staatsanleihen. Es sind nicht nur volkswirtschaftliche Fundamentaldaten wie die Verschuldungsquote für das Rating entscheidend, sondern vielmehr die Fähigkeit eines Staates  seine Schulden zu tilgen.

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Dafür betrachten die Analysten unter anderem die Möglichkeit der Staaten über Steuern und Gebühren, Einnahmen zu generieren. Sie betrachten aber auch die Refinanzierungskosten an den Kapitalmärkten. Sie müssen daher zwingend auf die Ereignisse an den Märkten reagieren. 

Reaktion auf Markt notwendig

Aber den Vorwurf, dass Märkte die Fakten herstellen und die Agenturen hinterherhinken, müssen sich diese nicht gefallen lassen. Denn wenn der Renditeaufschlag für portugiesische oder griechische Staatspapiere drastisch steigt, dann erhöhen sich die Finanzierungskosten und das Ausfallrisiko vergrößert sich. Darauf müssen die Ratingagenturen reagieren, auch wenn sich am Verschuldungsgrad der Staaten nichts geändert hat.  

Das heißt aber nicht, dass die Ratingagenturen seit der Finanzkrise alles richtig gemacht haben. Im Gegenteil, ihr Geschäftsmodell beinhaltet seit jeher einen unlösbaren Interessenkonflikt:  Sie werden von Banken bezahlt, deren Produkte sie benoten sollen. Seit Monaten fordern Politiker daher eine unabhängige Europäische Ratingagentur. Doch ist eine Europäische Ratingagentur wirklich unabhängig? Sicher nicht, wenn es eine Agentur ist, die von Regierungen eingesetzt wird. Eine so deutliche Herabstufung wie wir sie dieser Tage gesehen haben, wäre nicht möglich gewesen. Die betroffenen Länder hätten massiven Druck ausgeübt , um eine Herabstufung zu verhindern . 

Es wurde daher vorgeschlagen, die interne Analyseabteilung der EZB als Ratingagentur umzuarbeiten.  Aber auch diese Lösung provoziert Interessenskonflikte: Der größte Investor in strukturierte Finanzprodukte ist die Europäische Zentralbank (EZB ) . Auch die  EZB hat kein Interesse, Beurteilungen abzugeben, die ihr eigenes Portfolio abwerten.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.05.2010, 14:18 UhrAnonymer Benutzer: shadow dancer

    Volle Zustimmung zu Prophet !!!
    Daher auch die Lehmann-Pleite ! Die Amis waren kaum
    betroffen - dann läßt man die bank einfach absaufen !

  • 03.05.2010, 11:59 UhrAnonymer Benutzer: Gibt's da mehr zu sagen?

    banken finanzieren die Rating-Agenturen. Diese wiederum haben die Anlageprodukte der banken zu bewerten. Muss man mehr sagen?
    Das ist als würde ein Hollywood-Studio seine eignen Filmkritiker bezahlen.
    Diese Deppen gehören alle in die Wüste gejagt.

  • 01.05.2010, 11:00 UhrAnonymer Benutzer: Moskauer

    Komisch ich dachte immer die Rating-Methoden und -Modelle von Moody, S&P und Fitch sind geheim. Entscheidungen amerikanischer Gerichte besagen, dass sie nicht offengelegt werden müssen. Auch der US-Kongress, dem die strategische bedeutung der Rating-Agenturen als Teil der amerikanischen Macht sehr wohl bewusst ist, hat es abgelehnt, diese unter Aufsicht zu stellen.

    nett, gell???

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