
Ein Vorwurf lautet etwa, dass die Herabstufung Portugals zu heftig ist. Die makroökonomischen Daten des Landes seien gar nicht so schlecht, behaupten einige Ökonomen. Dafür sollte man wissen: Agenturen berechnen die Ausfallwahrscheinlichkeit von Staatsanleihen. Es sind nicht nur volkswirtschaftliche Fundamentaldaten wie die Verschuldungsquote für das Rating entscheidend, sondern vielmehr die Fähigkeit eines Staates seine Schulden zu tilgen.
Dafür betrachten die Analysten unter anderem die Möglichkeit der Staaten über Steuern und Gebühren, Einnahmen zu generieren. Sie betrachten aber auch die Refinanzierungskosten an den Kapitalmärkten. Sie müssen daher zwingend auf die Ereignisse an den Märkten reagieren.
Reaktion auf Markt notwendig
Aber den Vorwurf, dass Märkte die Fakten herstellen und die Agenturen hinterherhinken, müssen sich diese nicht gefallen lassen. Denn wenn der Renditeaufschlag für portugiesische oder griechische Staatspapiere drastisch steigt, dann erhöhen sich die Finanzierungskosten und das Ausfallrisiko vergrößert sich. Darauf müssen die Ratingagenturen reagieren, auch wenn sich am Verschuldungsgrad der Staaten nichts geändert hat.
Das heißt aber nicht, dass die Ratingagenturen seit der Finanzkrise alles richtig gemacht haben. Im Gegenteil, ihr Geschäftsmodell beinhaltet seit jeher einen unlösbaren Interessenkonflikt: Sie werden von Banken bezahlt, deren Produkte sie benoten sollen. Seit Monaten fordern Politiker daher eine unabhängige Europäische Ratingagentur. Doch ist eine Europäische Ratingagentur wirklich unabhängig? Sicher nicht, wenn es eine Agentur ist, die von Regierungen eingesetzt wird. Eine so deutliche Herabstufung wie wir sie dieser Tage gesehen haben, wäre nicht möglich gewesen. Die betroffenen Länder hätten massiven Druck ausgeübt , um eine Herabstufung zu verhindern .
Es wurde daher vorgeschlagen, die interne Analyseabteilung der EZB als Ratingagentur umzuarbeiten. Aber auch diese Lösung provoziert Interessenskonflikte: Der größte Investor in strukturierte Finanzprodukte ist die Europäische Zentralbank (EZB ) . Auch die EZB hat kein Interesse, Beurteilungen abzugeben, die ihr eigenes Portfolio abwerten.














