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Krötenwanderung: Checken Sie Ihren Bankberater!

Kolumne von Anke Henrich

Ganz sicher will Ihr Bankberater nur Ihr Bestes. Aber ist es Ihr Geld oder das richtige Produkt für Sie? Wer sich auf Verkaufsgespräche zur Geldanlage vorbereitet, erkennt rasch den Unterschied, meint WirtschaftsWoche-Reporteroin Anke Henrich.

Anke Henrich: Krötenwanderung
Anke Henrich: Krötenwanderung

WirtschaftsWoche-Leser dürfte das Ergebnis nicht überrascht haben: Die Stiftung Warentest nahm soeben 21 Banken und Sparkassen ins Visier. Sie sandte rund 140 so genannte Mystery Shopper aus, die als nicht erkennbare Testkunden jeweils 30.000 Euro für fünf Jahre bei den Geldinstituten sicher anlegen wollten. Vier Prozent Zinsen sollte das Kapital schon bringen, so die Vorgabe. Die aber sind in der aktuellen Niedrigzins- und Schaukelbörsenphase nicht machbar. Die Banken kümmerte das in der Regel wenig. Das Testergebnis: Keine Bank oder Sparkasse schaffte auch nur ein „gut“, drei hievten sich auf „befriedigend“, 16 schafften ein "ausreichend"  und zwei schmierten mit „mangelhaft“ völlig ab. Sieger war übrigens die Commerzbank.

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Wie aber geht es besser? Vor allem, in dem sich Kunden auf die Bankgespräche endlich gut vorbereiten. In der Bank sitzt vor ihnen schließlich ein ausgebuffter Finanz-Profi – zumindest was das Verkaufen angeht. Ob die Bank oder Sparkasse allerdings eben so viel Zeit und Geld in seine Ausbildung beim Thema Finanzprodukte und Kundenanalyse investierte, weiß man nicht. Erstaunlicherweise gehen Millionäre - und wie man in letzter Zeit gesehen hat auch Milliardäre - offenbar genau so blauäugig und gutgläubig in solche Verhandlung wie Erna Kasupske.

Gratis ist nicht kostenlos

Es geht auch anders:

Das Verbraucherministerium hat eine nützliche Checkliste zur Vorbereitung von Geldanlage-Beratungen online gestellt. Sie scannt nicht nur sehr detailliert den finanziellen Spielraum des Kunden, sondern gleicht auch ab, ob das Risikoprofil der präferierten Geldanlage in Art und Höhe zu seinem bereits vorhandenen Vermögen - oder seinen Schulden – passt.  Zusätzlich gibt es vom Verbraucherministerium noch eine Finanzcheckliste mit Protokoll für Verbraucher Wichtig: Dank der EU-Vermittlerrichtlinie muss ein Beratungsprotokoll angefertigt und von beiden Beteiligten unterschrieben werden. Das ist kein Kaufvertrag! Das Protokoll kann aber später entscheidend werden, falls im Nachhinein um Falschberatung gestritten wird. Honoraberatung: Die Bankberatung zahlen Kunden natürlich selbst, auch wenn sie nicht in Rechnung gestellt wird. Wer die Beraterprovisisonsliste der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg  für eine Anlagesumme von 20.000 Euro sieht, weiß sofort, warum die Bank Festgeld vergällt und Aktien anpreist: 500 Euro für den Abschluss einer Kapitallebensversicherung 400 Euro für die Anlage in einen Aktienfonds 170 Euro für die Investition in einen Sparbrief mit einer Laufzeit von vier Jahren 400 Euro für den Abschluss eines Bausparvertrags über 50 000 Euro 30 Euro für die Anlage in Festgeld. Bestandsprovisionen kommen obenauf.

Dann doch lieber eine konzern- und produktunabhängige Honoraberatung. Ein Stundensatz von  im Schnitt 150 Euro für eine saubere, umfassende Analyse des gesamten Kundenvermögens von Festgeld bis Immobilie bis hin zu Unterhaltsverpflichtungen oder Erbfragen ist gut investiert. Wie Sie den richtigen Honorarberater finden, können Sie auf wiwo.de/honorarberater nachlesen. Achten Sie auch auf freiberufliche Certified Financial Planners (CFP), sie haben eine anspruchsvolle Ausbildung nach internationalem Regelnwerk durchlaufen. Zu finden sind sie unter anderem über die Verbandsseite  www.fpsb.de.

12 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 18.12.2009, 12:04 UhrAnonymer Benutzer: Makler

    es wird zur Zeit viel über hohe Provisionen geschrieben. Die Durchschnittsprovision bei einen Monatbeitrag für eine Rentenversicherung von 55 € bis 100 €, die der Durchscnittsbürger anlegt liegt zwischen 500 € und 1.000 €. Für diese Provision hat ein Makler eine Stornohaftung von 5 Jahren, d.h kündigt der Kunde nach 2 jahren, zahlt der Makler 600 € zurück. Dem steht bei solider beratung und Produktauswahl und mindestens zwei Kundengesprächen ein Zeitaufwand von ca. 15 Std entgegen. Jetzt kann sich jeder mal überlegen, wie es wäre, wenn er eine Leistung erbringt und sein Arbeitgeber oder Auftraggeber nach 2 Jahren sagt, 3/5 des Gehaltes sollen zurückgezahlt werden.

    Und nun stellen wir doch mal die frage, die sich jeder Anleger ehrlich beantworten sollte. bin ich bereit 1.000 € für eine beratung aus eigenr Tasche zu zahlen. Denn das beratungshonarar wäre direkt an den berater zu zahlen, die Provisionen werden mit den beiträgen mitfinanziert.

    bisher beleutet wurde auch nie, wie es sich mit einer qualifizierten beartung des maklers bei den Sachversicheurngen (Hausrat etc) verhält. Hier stehen 3-4 Std Aufwand ca. 20-30 € Provision entgegen.

  • 18.12.2009, 10:52 UhrAnonymer Benutzer: AJ

    @Wackerstein: Und es kommt noch schlimmer - ab 2010 müßen für jedes Telefonat Protokolle angefertigt werden, wahrscheinlich auch für E-Mail beantwortungen! Diese Überregulierung nennt sich "Verbraucherschutz". bei einer Anlagesumme von 30.000 Euro ist eine Diversifizierung zur Risikostreuung sinnvoll. Man müßte vorher aber feststellen, ob der Anleger bereits Geld angelegt hat und wie er das verteilt hat. Aufgrund der steuerlichen Änderungen sind Aktien z.b. für viele Anleger nicht mehr interessant. Dies ist schade, Denn damit wurde in diesem Land eine Kultur zerstört. Die Aktien sind freigegeben zum Zocken. Man könnte fast meinen, daß Vater Staat nur noch Sparbücher, Festgelder oder bundeswertpapiere als Anlageform haben möchte.

  • 17.12.2009, 18:12 UhrAnonymer Benutzer: Wackerstein

    Auch wenn es weh tut: Hirn einschalten. (bei Politikern und Verbraucherschützern tut's wohl besonders weh, darum lassen sie es zumindest in der Öffentlichkeit.)
    bei einer Anlagesumme von 30.000 Euro ist eine Diversifizierung in Festgeld, Anleihen, Aktien, Rohstoffe durchaus bereits sinnvoll.
    Jetzt kommt der Kunde mit einem der wunderbar realitätsfern gestalteten Fragebögen zum bankberater. Der kann nur verzweifeln. Ganz egal was er vorschlägt, die beratung ist nicht optimal. Also muss er 50 Seiten Protokoll mit Anlagen und Erläuterungen an den Kunden geben und wird sich hinterher vor Gericht vorhalten lassen müssen: Das ist dem Kunden intransparent; seinen Wunsch XY haben sie nicht ausreichend berücksichtigt. in Konsequenz werden die Kunden bei in den nächsten Jahren vermutlich steigender inflation in die niedrigstverzinslichen Festgelder und bundesanleihen getrieben.

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